aus dem Leben gehen kann . « Johannes trat noch ein paar Schritte zurück und lehnte sich an den Ecktisch , auf dem die Nachtlampe stand - durch den kleinen Stoß an den Tisch tauchte das Lämpchen unter das Oel , auf dem es schwamm , und verlöschte . Amalie schrie auf - ihm gab der kleine Umstand die Fassung wieder - er erinnerte ihn daran , daß er ja der Wärter einer Kranken sei , welche Schonung bedürfe . Er nahm das Feuerzeug zur Hand , und gab der Lampe ihre Flamme wieder , sie brannte aber jetzt unruhiger , flackernder als zuvor . Johannes sah , wie Amalie im Fieber glühte - er warf einen besorgten Blick auf sie und setzte sich stumm neben ihr Bett . » Bin ich keines Wortes mehr werth ? « fragte Amalie seufzend . » Du wolltest mir einen Wunsch nennen , den ich Dir erfüllen könnte , « sagte er ruhig und bezwang sogar das Beben seiner Stimme - » Warum nennst Du ihn nicht ? Ich bin zu Allem bereit , was Du verlangst , wenn es in meiner Macht ist . « » Versöhne mich mit ihm ! « rief sie . » Mit wem ? « fragte er tonlos . » Mit Jaromir von Szariny ! « flüsterte sie und drückte ihr erglühendes Antlitz in die Kissen . » Ich kann nicht sterben , wenn er mir nicht vergeben ! - Ach , lass ' Dich beschwören , « fuhr sie fort , » der Tod lös ' t ja alle Bande der Convenienz , macht Alles gleich - im Angesicht seiner dürfen alle Schranken fallen und Seele zur Seele reden , wirf mit mir alle Vorurtheile bei Seite und erfülle meine Bitte , ich muß ihn sehen ! « » Wie wäre das möglich ? « sagte Johannes bestürzt . » Ist der Graf denn hier ? Und dann - und - « er war zu betroffen von dem nun eben Gehörten , in dem er ja noch gar keinen Zusammenhang fand , um darüber ruhig denken und sprechen zu können , und dabei sagte er sich selbst unaufhörlich , daß er die Tod ranke schonen , jede Aufregung vermeiden müsse - und doch war sein Herz so voll von eben darin erweckten Qualen , daß es Tausend verzweiflungsvolle Fragen , welche der Mund nimmer auszusprechen wagte , an die Gattin that . » Ach , Johannes , « begann sie wieder , » ich habe Dir Alles sorgfältig verborgen , was mich gemartert hat bis zu dieser Stunde . Darüber bin ich oft launenhaft und hart gegen Dich gewesen , denn es ist nicht leicht , sein Herz zu einem Gefühl überreden zu wollen , zu dem es ewig nein sagt . « » Aber Amalie , ich beschwöre Dich ! - « sagte er mit gepreßter Stimme . » Still , Johannes , « fiel sie ihm in ' s Wort , » ich weiß , was Du sagen willst , schone mich nicht - doch Du willst dies , und so will ich denn selbst für Dich reden . Du willst mich fragen , warum ich Dein Weib ward , da ich doch einen Andern liebte . - - - Ach , ich war ein thörigtes , eitles Mädchen . Jaromir studirte in meiner Vaterstadt - wir hatten uns gesehen , erst nur aus der Ferne , als wir uns schon liebten - der schöne , stolze Graf , der liebenswürdige Pole , um dessen Zuneigung sich die vornehmsten Frauen und Fräuleins der Stadt vergebens bemühten - er lag zu meinen Füßen , zu den Füßen des armen Mädchens , das Niemand kannte , Niemand beachtete , das um Lohn manche Stickerei für jene reichen Damen liefern mußte , die ihn in ihre Netze ziehen wollten . O , ich war selig ! Meine Mutter machte erst Einwendungen gegen unser Liebesverhältniß , der Abstand der Verhältnisse machte sie mißtrauisch - aber Jaromir besiegte ihre Einwendungen - re wechselte den Ring mit mir , er erklärte uns , daß er selbst ziemlich so arm sei , wie wir , daß er ein Geächteter sei , dessen Güter der Russischen Krone verfallen , daß er keine Familie habe , die seine Wahl misbilligen werde , daß er , wenn er selbst ein andres Mädchen als mich lieben könne , doch zu stolz sei , als Bettler und Geächteter um die Hand einer Reichen und Hochgestellten zu werben - und Allem fügte er hinzu , daß er mich über Alles liebe und daß dies ja der beste Grund sei , ihn nicht abzuweisen . - Ach , wie beredt er immer sprach , und welch ' selige Stunden wir verlebten , als meine Mutter selbst unsere Liebe beschützte ! - « Und Amalie lächelte , als sie so sprach , und blickte vor sich nieder , in selige Erinnerungen versunken , Erinnerungen , welche eine solche Gewalt über sie hatten , daß sie jetzt ihrer Sprache einen lebhafteren Ausdruck gaben , daß vor ihnen die Schwäche des kranken Körpers zu weichen , seine Schmerzen aufzuhören schienen . Unter entsetzlichen Qualen rang Johannes während dieses Geständnisses , er vermogte nicht mehr , die begeistert Sprechende anzusehen , er blickte vor sich nieder , und blieb stumm . Nach einer Weile begann sie wieder : » Niemand ahnte unser verborgenes Glück - Jaromir galt in der Gesellschaft als ein Sonderling , den nur die Einsamkeit reize - o , es war die Einsamkeit meines kleinen Zimmers , das für uns ein Paradies war . Aber so schön , so geistreich , wie er war , so unbedeutend kam ich mir neben ihm vor , und je leidenschaftlicher ich ihn liebte , desto häufiger quälten mich auch eifersüchtige Befürchtungen ! - Ein halbes Jahr , nachdem wir uns kennen gelernt , ward er auf der Universität in Händel verwickelt , welche ihn zwangen , diese und die Stadt zu verlassen