ein wenig und übertreibt dabei wohl etwas . Die Baronin ging auf diese Wendung ein , aber die quälende Spannung der Einzelnen lähmte jede Unterhaltung . Alfred war verstimmt , Caroline blieb gereizt und bitter , und die Baronin entfernte sich , sobald es in guter Weise möglich war . Alfred eilte auf sein Zimmer , nachdem er sie zu ihrem Wagen geleitet , und ging in stürmischer Bewegung umher , wie es seine Art war , wenn ein Ereigniß ihn schmerzlich beschäftigte . Mehrmals blieb er stehen , den Kopf gegen die Fensterscheiben gestützt , und sah sinnend in die Gegend hinaus . Dann setzte er die frühere Bewegung wieder fort , ging an die Thüre , um die Glocke zu ziehen , aber plötzlich zögernd ließ er die Schnur aus der Hand entgleiten , trat zurück und warf sich in den Sessel , der vor seinem Schreibtische stand . Hier saß er , in Gedanken verloren , lange Zeit , bis er sich plötzlich aufraffte , die Klingel zog , dem Diener befahl , die gnädige Frau zu ihm zu bitten , und dann , sie erwartend , auf ' s Neue in tiefes Nachdenken versank . Carolinen ' s Erscheinen machte ihn erbleichen . Du hast mich rufen lassen , was willst Du von mir ? fragte sie mit Eiseskälte . Habe die Güte , Dich zu mir zu setzen , bat er sie . Die äußere Ruhe ihres Mannes bei sichtlicher innerer Erregtheit erschreckte sie , und theils , um sich Muth zu machen , theils auch ihr früheres Betragen bereuend , rief sie : Um Gottes willen , lieber Alfred , nur keine Ermahnung , sage einfach , was Du willst , und mach ' es kurz ! Dabei legte sie ihren Arm um seinen Nacken und neigte sich zu ihm , als ob sie ihn küssen wollte , aber er wehrte es ihr leise und sagte sehr ernsthaft : Die Zeiten sind vorüber , in denen eine Liebkosung mich mit Deinen Fehlern versöhnte . Ich bin es herzlich müde , mich und den Knaben von Dir tyrannisiren zu lassen , ich bin es müde , jeden Freudenbecher , den das Leben mir bietet , durch Dich in Wermuth verwandeln zu sehen . Wir werden uns trennen ! Sie sah ihn in sprachloser Erstaunung an . Sein Ernst ließ sie das Schlimmste fürchten , aber sie wünschte von Herzen , sich zu täuschen , und sagte mit erzwungenem Lächeln : Soll das ein Kapitel aus Deinem neuen Roman sein ? Es klingt sehr traurig . Scherze nicht ! entgegnete er ihr , es ist das entscheidende Kapitel unseres Ehestandes . Aber was ist denn geschehen ? rief sie , was bringt Dich gerade heute mit einem Mal so plötzlich auf ? Die Ungerechtigkeit und die Härte , welche Du heute wieder gegen den Knaben und gegen mich begangen hast . Sage selbst , was hatte ich Dir gethan ? Warum hast Du das Kind , und obenein im Beisein einer Fremden , so hart gescholten ? Weil er wieder wie ein Bauernjunge mit zerrissenen Kleidern nach Hause kam , weil er gar nicht mehr zu bändigen ist , gegenredete die Mutter , den ersten Theil der Frage geschickt umgehend . Aber das sind die Folgen Deiner ewigen Lehren von der allgemeinen Gleichheit der Menschen , von der wahren Barmherzigkeit . Nun siehst Du selbst , wohin das führt . So mitten unter allem Gesindel läßt kein Edelmann seine Kinder aufwachsen , so verkennt Niemand als Du , was er seiner Stellung schuldig ist . Und das sagst Du mir ? O ! Du brauchst mich nicht zu erinnern , daß ich Dir eine glänzendere Stellung verdanke , als ich sie zu Hause gehabt ; ich weiß wohl , daß es Dich oft genug gereut hat , die arme Registratorstochter geheirathet zu haben . Obgleich mein Vater so gut ein Edelmann war , als Du , hast Du Dich meiner doch von je geschämt . Caroline ! das sagst Du mir ? fragte Alfred nochmals . Dann nahm er sie bei der Hand , führte sie zu dem Sopha , setzte sich neben sie und sagte mit befehlendem Ernst : Jetzt unterbrich mich einmal nicht ! - Ja ! Du hast wahr gesprochen , wahrer als Du weißt . Ja ! ich schäme mich Deiner , ich habe mich Deiner oft geschämt , aber nicht um Deines armen , wackern Vaters willen , den ich hochgeschätzt , wie alles Tüchtige , das weißt Du wohl . Ich habe mich Deiner geschämt , wenn Du in ungezügelter Heftigkeit den Unfrieden unserer traurigen Ehe fremden Blicken preisgegeben hast , wie heute ; wenn Du in blinder Eifersucht Dich und mich dem Spotte unserer Bekannten aussetztest . Weiß es nicht längst alle Welt , daß Du und ich nie gleicher Ansicht sind ? Wo steckt das große Verbrechen , daß ich dies heute halb im Scherze der Baronin sagte , und Felix einen Verweis gab , den er reichlich verdient hat ! unterbrach sie ihn trotz seiner Warnung . Das thut jede Mutter ; das thäten all die geistreichen Damen auch , die mir mit ihrer Anbetung für Dich , als wir in der Residenz waren , Dein Herz entfremdeten . Das hätte auch Deine Freundin , das hätte jene Baronin auch gethan , die Dir vor unserer Verheirathung wie ein Ideal erschien , im Gegensatz zu mir , und deren Bruder Dich zu allen Deinen poetischen Thorheiten verleitete . Alfred fuhr auf und seine Hand ballte sich krampfhaft zusammen , doch sagte er ruhig : Therese Brand , die Du vermuthlich meinst , war eben so wenig Baronin als Du , aber eine sehr edele Natur , die mit lebhaftem Gefühl die Dichtungen begriff , welche ich Dir aus vollem Herzen weihte , und die Du nicht empfandest . Daß ihr Bruder Julian mich zum Drucke jener Gedichte überredete , war keine Thorheit ; aber von dem Allen