welche wie ein guter Geist den Frieden erhielt , bei welchem Gottes Segen ist und welcher den Kindern Häuser baut : wer zuletzt zu Bette kam , Mann oder Weib , betete dem Andern hörbar das Vaterunser , und schwer mußte der Schlaf sein , wenn das Erste nicht erwachte und nachbetete mit Andacht und aus Herzensgrund . Wenn dann die Bitte kam : » Vergib mir meine Schulden , wie ich vergebe meinen Schuldnern « , und es war Streit oder vielmehr Spaltung zwischen Mann und Weib , so klang sie wie eine Stimme Gottes in den Herzen , und die Worte zitterten im Munde . Und wenn dann die andere noch kam : » Und führe mich nicht in Versuchung , sondern erlöse mich von allem Bösen « , so versenkte und tilgte schamrot vor Gott Jegliches , was es dem Andern nachgetragen , und es schlossen sich die Herzen auf , und jedes nahm seine Schuld auf sich , und jedes bat dem Andern ab , und jedes bekannte sein Glück und seine Liebe und wie nur im Frieden ihm wohl sei , aber wie der böse Geist an ihns komme , er wisse nicht wie , ihm schwarz mache vor den Augen des Geistes und ihns treibe in die Trübnis des Zornes und der Unzufriedenheit . Wie dann , wenn das Gebet komme , es ihm wäre , als komme eine höhere Macht hinter den bösen Geist im Herzen , setze mit scharfer Geißel ihm zu , daß er , wie er sich auch winde , dahinfahren müsse , und dann sei ihm , als erwache es aus einer Betäubung , als gehe eine Tür ihm auf , als sehe es aus wilder Nacht in einen schönen sonnigen Garten , so daß ihm sei , als müßte es den ersten Eltern so gewesen sein , als sie aus der Wildnis noch den letzten Blick ins verlassene Paradies getan . Dann treibe es ihns mit aller Gewalt diesem Garten zu , in aller Angst , es möchte ihm gehen wie den ersten Eltern , die immer weiter davon wegkamen , und Ruhe habe es nicht , bis es wieder drinnen sei , und dieser sonnige Garten sei der Friede und das trauliche Verhältnis , und wenn es die ganze Welt gewinnen könnte , an diesen Garten des Friedens tauschte es sie nicht . So blühte ihnen neu ihr Gluck wieder auf , und in freudiger Demut bekannte jedes seine Fehler , bat ab seine Schuld , versprach , recht rittermäßig zu kriegen gegen diesen bösen Feind , der unabtreiblich immer wieder komme . In süßem Frieden schliefen sie ein , und wenn dann ein junger Tag auf blühte am Himmel , so erwachten sie mit neugestärkten Herzen Es war ihnen , als hätten sie sich neu gefunden wie in den ersten Tagen ihrer Ehe ; sie sehnten sich nach einander , in geheimem Verständnis suchten sich ihre Augen , und Christen trappete unvermerkt dem Änneli nach und Änneli trat alle Augenblicke unter die Türe , zu sehen , wo doch Christen sei . So verstrichen Jahre , und die gute Mutter starb . Es war ein harter Schlag für die Leute im Hause , ein guter Geist schied mit ihr , sie mißten sie alle und lang . Christen sagte oft , eine solche Schwiegermutter gebe es nicht mehr auf der Welt , er glaube es nicht , und kein Tag verging , daß er nicht sagte : » D ' Muetter het allbets gseit - - « Der andere gute Hausgeist aber , der starb nicht , sondern blieb bei ihnen und einigte ihre Herzen immerfort und half ihnen auch tragen , was das Leben sonst noch Schweres ihnen brachte . Denn es gibt in jeglichem Leben harte Schläge , wie es in jeglichem Sommer Gewitter gibt , und je schöner der Sommer ist , um so mächtiger donnern die einzelnen Gewitter über die Erde . Gott hatte sie mit Kindern gesegnet , ihre innigste Freude hatten sie an ihren . Da kam die Hand des Herrn über sie , und hinter einander nahm er ihnen die schönsten und liebsten , und es war ihnen , als sollte keines mehr übrig bleiben , als sollten sie alleine bleiben in der Welt . Es kam ihnen schwer an , sich zu fassen , und lange , lange ging es , bis sie recht aufrichtig sagen konnten : » Der Herr hat es gegeben , der Herr hat es genommen , der Name des Herrn sei gelobt ! « Sie versuchten es oft , aber sie schämten sich und schwiegen , denn sie fühlten , daß das Herz ganz anders redete , und sie wußten wohl , was Gott von solcher Zwietracht zwischen Mund und Herzen halte . Aber sie trugen mit einander , und wenn sie des Abends mit einander beteten und eins fing an : » Unser Vater « , so stockte wohl die Stimme , und das Weinen kam , und das Andere weinte mit , und lange konnte Keines wieder beten . Und doch ließen sie nicht nach , bis es eins vermochte , und wenn auch jede Bitte neues Weinen brachte und hinter jeglicher die verlornen Kinder standen und das Reich und der Wille und das Brot , kurz alles , alles an sie mahnte und bei den Schulden die Angst kam , ob sie nicht etwas an ihnen versäumt , an ihnen sich versündigt hätten . Konnten sie aber alles begwältigen , konnten sie sich durchringen , wie Wanderer durch Klippen und Schlünde , bis zu dem Ende , konnten sie mit einander beten : » Denn dein ist das Reich , dein die Kraft , dein die Herrlichkeit « - dann kam Ruhe über sie , die Wellen der Schmerzen sänftigten sich . Sie konnten sich denken die Kinder in der Herrlichkeit des Vaters , bei der Großmutter , konnten sich denken die Zeit , wo auch sie durch die Kraft