wie am Ufer , wo eine Flotte gestrandet war . Schlosser wollte zwei große Folianten , die er für Dich von der Stadtbibliothek geliehen hat , und die Du schon ein Vierteljahr hast , ohne drin zu lesen . Der Homer lag aufgeschlagen an der Erde , Dein Kanarienvogel hatte ihn nicht geschont , Deine schöne erfundne Reisekarte des Odysseus lag daneben und der Muschelkasten mit dem umgeworfenen Sepianäpfchen und allen Farbenmuscheln drum her , das hat einen braunen Fleck auf Deinen schönen Strohteppich gemacht , ich habe mich bemüht , alles wieder in Ordnung zu bringen . Dein Flageolet , was Du mitnehmen wolltest und vergeblich suchtest , rat , wo ich ' s gefunden habe ? - Im Orangenkübel auf dem Altan war es bis ans Mundstück in die Erde vergraben , Du hofftest wahrscheinlich einen Flageoletbaum da bei Deiner Rückkunft aufkeimen zu sehen , die Liesbet hat den Baum übermäßig begossen , das Instrument ist angequollen , ich hab es an einen kühlen Ort gelegt , damit es gemächlich wieder eintrocknen kann und nicht berstet , was ich aber mit den Noten anfange , die daneben lagen , das weiß ich nicht , ich hab sie einstweilen in die Sonne gelegt , vor menschlichen Augen darfst Du sie nicht mehr sehen lassen , ein sauberes Ansehen erhalten sie nicht wieder . - Dann flattert das blaue Band an Deiner Gitarre , nun schon seitdem Du weg bist , zum großen Gaudium der Schulkinder gegenüber , so lang es ist , zum Fenster hinaus , hat Regen und Sonnenschein ausgehalten und ist sehr abgeblaßt , dabei ist die Gitarre auch nicht geschont worden , ich hab die Liesbet ein wenig vorgenommen , daß sie nicht so gescheut war , das Fenster zuzumachen hinter den dunklen Plänen , sie entschuldigte sich , weil ' s hinter den grünseidnen Vorhängen versteckt war , da doch , so oft die Türe aufgeht , die Fenster vom Zugwind sich bewegen . Dein Riesenschilf am Spiegel ist noch grün , ich hab ihm frisch Wasser geben lassen , Dein Kasten mit Hafer und was sonst noch drein gesäet ist , ist alles durcheinander emporgewachsen , es deucht mir viel Unkraut drunter zu sein , da ich es aber nicht genau unterscheiden kann , so hab ich nicht gewagt , etwas auszureißen ; von Büchern hab ich gefunden auf der Erde den Ossian , die Sacontala , die Frankfurter Chronik , den zweiten Band Hemsterhuis , den ich zu mir genommen habe , weil ich den ersten Band von Dir habe . Im Hemsterhuis lag beifolgender philosophischer Aufsatz , den ich mir zu schenken bitte , wenn Du keinen besondern Wert darauf legst , ich hab mehr dergleichen von Dir , und da Dein Widerwille gegen Philosophie Dich hindert , ihrer zu achten , so möchte ich diese Bruchstücke Deiner Studien wider Willen beisammen bewahren , vielleicht werden sie Dir mit der Zeit interessanter . Siegwart , ein Roman der Vergangenheit , fand ich auf dem Klavier , das Tintenfaß draufliegend , ein Glück , daß es nur wenig Tinte mehr enthielt , doch wirst Du Deine Mondscheinkomposition , über die es seine Flut ergoß , schwerlich mehr entziffern . Es rappelte was in einer kleinen Schachtel auf dem Fensterbrett , ich war neugierig sie aufzumachen , da flogen zwei Schmetterlinge heraus , die Du als Puppen hineingesetzt hattest , ich hab sie mit der Liesbet auf den Altan gejagt , wo sie in den blühenden Bohnen ihren ersten Hunger stillten . Unter Deinem Bett fegte die Liesbet Karl den Zwölften und die Bibel hervor , und auch - einen Lederhandschuh , der an keiner Dame Hand gehört , mit einem französischen Gedicht darin , dieser Handschuh scheint unter Deinem Kopfkissen gelegen zu haben , ich wüßte nicht , daß Du Dich damit abgibst , französische Gedichte im alten Stil zu machen , der Parfüm des Handschuh ist sehr angenehm und erinnert mich und macht mich immer heller im Kopf , und jeden Augenblick sollte mir einfallen , wo des Handschuh Gegenstück sein mag ; indes sei ruhig über seinen Besitz , ich hab ihn hinter des Kranachs Lukretia geklemmt , da wirst Du ihn finden , wenn Du zurückkommst ; zwei Briefe hab ich auch unter den vielen beschriebenen Papieren gefunden , noch versiegelt , der eine aus Darmstadt , also vom jungen Lichtenberg , der andre aus Wien . Was hast Du denn da für Bekanntschaft ? - Und wie ist ' s möglich , wo Du so selten Briefe empfängst , daß Du nicht neugieriger bist , oder vielmehr so zerstreut . - Die Briefe hab ich auf Deinen Tisch gelegt . Alles ist jetzt hübsch ordentlich , so daß Du fleißig und mit Behagen in Deinen Studien fortfahren kannst . Ich habe mit wahrem Vergnügen Dir Dein Zimmer dargestellt , weil es wie ein optischer Spiegel Deine aparte Art zu sein ausdrückt , weil es Deinen ganzen Charakter zusammenfaßt ; Du trägst allerlei wunderlich Zeug zusammen , um eine Opferflamme dran zu zünden , sie verzehrt sich , ob die Götter davon erbaut sind , das ist mir unbekannt . Karoline Wenn Du Muße findest , so schreib bald wieder . Beilage zum Brief der Günderode ( Ein apokalyptisches Fragment ) 1. Auf hohem Fels im Mittelmeer stand ich , vor mir der Ost , hinter mir der West , und der Wind ruhte auf der See . 2. Die Sonne sank , kaum war sie verhüllt im Niedergang , enthüllte im Aufgang sich das Morgenrot ; Morgen , Mittag , Abend und Nacht jagten in schwindelnder Eile um des Himmels Bogen . 3. Ich sah staunend sie sich drehen , mein Blut , meine Gedanken bewegten sich nicht rascher ; die Zeit , indes sie außer mir nach neuen Gesetzen sich bewegte , ging in mir den gewohnten Gang . 4. Ich wollte ins Morgenrot mich stürzen oder mich tauchen in die Schatten der Nacht , eilend mit ihr