der Gräfin durch die nun völlig in Dunkel gehüllten Wege des Waldes dem Schlosse zu . Die Thorwächter öffneten die eisernen Gitter , die den Hofraum umschlossen , und der Wagen fuhr in den Portikus des Hauses . » Ist die Frau Gräfin noch zu sprechen ? « fragte St. Blace , der alte Kammerdiener derselben , und hob sich langsam aus dem bequemen Bocksitze . » Sie haben befohlen , sogleich die junge Herrschaft einzuführen , « antwortete Mr. Lorint , der Haushofmeister , » und sind besorgt um ihr langes Ausbleiben . « » Nicht meine Schuld , nicht meine Schuld , Mr. Lorint ! « rief St. Blace , » wir haben keinen Mondschein , und die Wege im Walde sind noch feucht und aufgeweicht von der Regenzeit - wir konnten nur langsam vordringen . « Indem nahten sich Beide dem Wagenschlage , und ihn öffnend , hob sich ihnen zuerst die alte Kammerfrau der Gräfin , Madame Sulpice , entgegen und ließ sich , in ihre Pelze und Mäntel gewickelt , von ihren beiden Kameraden über den Tritt der Kutsche ziehen . » Ah , Mr. Lorint ! « rief sie freundlich - » ich hoffe , wir finden Alles wohl auf in Ardoise und kommen zur gesegneten Stunde . « » Ihro Gnaden wenigstens führten ein leidliches Wohlbefinden , und sonst fiel seit zwei Tagen nichts zu vermelden vor . « » Desto besser , Mr. Lorint - keine Neuigkeiten besser als trübe , « erwiederte Mad . Sulpice . - » Darf man Euer Gnaden ersuchen , auszusteigen ? « fuhr sie , gegen den Wagen zurückgewandt , fort . Voll Neugierde beeilte sich jetzt Mr. Lorint der Angekommenen Hülfe zu leisten . Alle Bewohner Ardoise ' s sahen auf die Veränderung in dem Leben ihrer Gebieterin , die ihr nach so langer Einsamkeit eine stete Begleitung , eine Lebensgefährtin , wie sie sich selbst darüber ausdrückte , geben sollte , mit einem Erstaunen und einer Erwartung , die man wenigstens durch die Erscheinung des Gegenstandes selbst gerechtfertigt zu sehen hoffte . Mit der Leichtigkeit der Jugend betrat jetzt den Kutschentritt eine schlanke feine Gestalt , welche den Flor der Haube so über die Stirn gezogen trug , daß nur das blendend weiße Kinn und der schöne Mund sichtbar waren . So getäuscht sich Mr. Lorint hierdurch fand , schloß er doch gleich mit sich ab - hier eine junge Schönheit zu sehen , und als sie den Boden betrat und mit dem reinsten französischen Accent ihn anredete , beschloß er , sie des Vorzugs , den sie eben einzunehmen im Begriff war , würdig zu erklären . » Und werde ich die Gräfin d ' Aubaine diesen Abend noch sehen ? « frug die junge Dame mit einem sanften Tone der Sprache . » Ich eile , Euer Gnaden zu melden , « erwiederte Lorint , » und bitte unterthänigst mir zu folgen . « Die Fremde nahm mit einigen dankbaren Worten von ihren beiden Reisegefährten Abschied und stieg hinter Lorint die heitere breite Treppe hinan , die , gastlich erhellt , den schönen Marmor der Wände mit seinen kunstreichen Verzierungen zeigte . - Lorint öffnete einen Vorsaal und beurlaubte sich dann , in eine Nebenthüre verschwindend . Kaum sah sich die Fremde allein , als ihr Herz von der tiefen Bewegung überfloß , welche sie zu beherrschen getrachtet hatte . Die heißesten Thränen stürzten aus ihren Augen , und sie verhüllte das Gesicht , dem Schmerze ihres Herzens sich hingebend . Einige Augenblicke hatte sie so den Tribut gezahlt , den eine plötzliche und vollständige Umänderung aller bisher gekannten und lieb gewesenen Verhältnisse dem jungen Herzen abnöthigten , als sie durch den Gedanken , im nächsten Augenblicke derjenigen gegenüber zu stehen , die sich mit allen Beweisen von Liebe und Theilnahme ihr schon in weiter Ferne bis zum gegenwärtigen Tage genaht hatte - ihre Thränen versiegen machte und ein neues Bemühen herauf rief , ihre schmerzliche Aufregung zu beherrschen . Sie trocknete ihre Augen , und ihren Mantel ablegend , gewahrte sie nun erst die Schönheit des Raumes , in dem sie sich befand , der von zwei Kaminen und vielen geschickt vertheilten Kerzen , die ihr Licht von hell polirten Wänden und Fußböden wiedergaben , erleuchtet wurde . Ihre Aufmerksamkeit ward sogleich durch einige lebensgroße Bilder in Anspruch genommen , Personen aus der Familie darstellend , welche die Fremde in den Kreis einzuführen schienen , dem sie künftig angehören sollte . Es waren schöne , edle Gestalten , und ihr Auge blieb mit besonderer Theilnahme an den Zügen einer Dame hängen , welche , im Brautschmucke gemalt , mit so unbeschreiblich anziehenden Mienen auf die junge Beschauerin niedersah , als wolle sie ihr Muth und Lebenshoffnung einreden . » Ach , « seufzte sie leise , » wären das die Züge der Gräfin d ' Aubaine , wenn auch von der Zeit der jugendlichen Schönheit beraubt ! - Wie unbeschreiblich wohl wird mir in Deinem Lächeln - als hätte ich Dich längst gekannt , als wüßtest Du Alles , was in meinem Herzen vorgeht ! « Indem öffnete Lorint die Flügelthüren und lud das Fräulein zum Nähertreten ein . Durch mehrere Gemächer , welche alle , erhellt und vom Kaminfeuer belebt , den Hauch des Geistes trugen , der nur im steten Gebrauche ihnen ihr ansprechendes Dasein einflößt - erreichte die Fremde ein Kabinet , das die Zimmerreihe schloß , und , mit grünen , seidenen Vorhängen rings umhängt , wie Waldeinsamkeit und Stille den Wohnenden umfing . An der Schwelle stand plötzlich die hohe Gestalt der Gräfin d ' Aubaine . Es waren zwar nicht die Züge , die aus jenem Bilde lächelten , aber wer hätte der sanft verklärten Dulderin in die milden blassen Züge blicken können , ohne zu glauben , er habe gefunden , was er suche . » O Elmerice , « rief die Gräfin , das schnell zu ihren Füßen gesunkene Mädchen mit beiden Armen