ihn aussprach . Er schloß aus der für ihn unerwarteten Neuigkeit auf die Nähe seines Dämons . Schnell kam ihm ein närrischer Einfall . Er wußte , daß , um zwei Verlegenheiten zu entgehn , es nichts Beßres gebe , als sich in eine dritte zu begeben . In die Küche eilend , nahm er dort Kohlen und Brenneisen , war blitzschnell die Treppe hinauf , ließ sich durch den Bedienten als den Mann melden , der die Herzogin frisieren solle , und stand bald darauf im Zimmer der Fürstin . Die Dame saß im Lehnstuhl , das Gesicht von dem Haarkünstler aus dem Stegreife abgewendet , und las . Sie mochte an diesem Orte für ihr Haupt nichts Besondres hoffen , und sagte , vom Buche aufsehend , doch ohne sich umzukehren : » Nur ganz schlicht ! « - Hermann blickte nach der Toilette , da war alles , was er brauchte . Er stellte sich hinter den Stuhl , und da ihm wirklich einige Reminiszenzen des Handwerks beiwohnten , so ging die Sache ganz erträglich vonstatten . Er prüfte mit Sorgfalt das Eisen , verfuhr behutsam , und so kam denn nach und nach etwas zustande , was wenigstens für die Skizze einer Frisur gelten durfte . Freilich dauerte das Geschäft ziemlich lange . Die Herzogin , welche die Geduld selbst zu sein schien , brachte die Augen nicht von ihrem Buche . Als er dem Ende seines Werks nahte , meinte er , daß nun der Augenblick gekommen sei , den er erharrt hatte , und sagte : » Gnädigste Herzogin , der Geringste hat Rechte , die auch der Vornehmste nicht kränken darf . So ist es ein altes Privilegium meiner Zunft , daß diejenigen , welche ihr Haupt uns anvertrauen , sich auch unsrem armen und seichten Geschwätze hingeben müssen . Keiner ist davon befreit ; selbst der König muß den Friseur plaudern lassen . Untersagt er ihm das , so bin ich überzeugt , daß der Mann das Elend der Verbannung einem stummen Herrendienste vorziehen würde . Ew . Durchlaucht haben gelesen ; das hat mich tief verletzt . Ich überlasse Ihrer Gerechtigkeit , zu entscheiden , ob Sie mir nicht werden erlauben müssen , einige Worte zu Ihnen zu reden ? « Die Herzogin legte , erstaunt über diese Apostrophe , das Buch zusammen . Da Hermann schwieg , sagte sie mit einem verlegnen Lächeln : » Nun ? « » Ich habe etwas zu erzählen « , fuhr Hermann fort , » was freilich verdiente , ernsthafter eingeleitet zu werden . Ein Schauspieler will seine Tochter um ein Stück Geld der Erniedrigung , dem Elende preisgeben . Verzeihung , daß ich so unsaubre Dinge in Ew . Durchlaucht reiner Nähe ausspreche . Wer jenen Stand kennt , wer es weiß , wie seine Lügenkunst das Gemüt bis in die innersten Fasern verfälscht , der wird sich über dergleichen Schändlichkeiten kaum wundern . Ein solcher Mensch hat vielleicht jahrelang den Marinelli gespielt , und , wie er den Charakter auf den Brettern behandelte , gedankenlos , so gedankenlos überträgt er die Rolle auch wohl einmal in das Leben . - Ein sonderbarer Zug des Vertrauens führt das Mädchen zu mir , die Verzweiflung beschwört mich um Schutz vor der Entehrung . Ich bin sonst der Meinung , daß man sich vor allen raschen Verpflichtungen zu hüten habe . Oft wird ja durch ein fürwitziges Helfenwollen das Wirrsal nur noch größer . Hier aber überwältigte mich der Anblick der Not , ich versprach mich und alle meine Kräfte dem Mädchen . Aber wie soll ich für mein Wort einstehn , ohne Einfluß , ohne Verbindung in der Gegend , ich , ein junger Mann , der an und für sich der Welt in solcher Sache als ein zweideutiger Vormund erscheint . Da höre ich , daß Ew . Durchlaucht hier angekommen seien . Augenblicklich war meine Sorge gehoben . Ich wußte , daß ich einer solchen Fürstin den bösen Vorsatz eines ehrvergeßnen Vaters , die Trübsal der Tochter nur schmucklos zu melden brauchte , um Rat zu schaffen . Dieses habe ich denn hiemit getan , und nun meinen Worten nichts mehr hinzuzufügen . « Mit so entschiednen Farben hatte unser Abenteurer diese Angelegenheit darzustellen sich gedrungen gefühlt . Die Herzogin hörte mehr auf den Ton seiner Rede , als auf den Inhalt . Der reine Dialekt , die gebildeten Wendungen hatten sie ganz verwirrt gemacht . Sie wußte nicht , was sie von dem Menschen denken sollte . Hermann nahm ihr mit einer anständigen Verbeugung den Staubmantel ab . Ihr erster Blick war in den Spiegel . Sie sah sich wenigstens nicht verunstaltet . Ihr zweiter fiel auf Hermann . Wie erschreckt senkte sie die Wimpern , und eine Marmorblässe überzog die zarten , ohnehin nur leicht gefärbten Wangen . Noch einmal schickt sie zweifelnd und forschend ihren Blick aus , als wolle sie die Widerlegung eines Irrtums erspähn . Aber unwillkürlich flüsterte sie : » Mein Gott , welche Ähnlichkeit ! « Die Tür öffnete sich , und ein großer ernster Mann im schlichten Überrock trat ein . Es war der Herzog . » Ist der Not abgeholfen ? « fragte er lächelnd . Dann , näher tretend , musterte er Hermann auch nicht ohne ein gewisses Erstaunen , doch schien die Befremdung weniger durch das Antlitz , als durch den Aufzug Hermanns veranlaßt zu sein , der im modischen Kleide , den Staubmantel der Herzogin auf dem Arme , und die Friseurwerkzeuge in den Händen , dastand . » Ich bin von jemand bedient worden , den man wohl schwerlich zu diesem Gewerbe erzogen hat « ; sagte die Herzogin . » Der Rock sieht freilich nicht nach Kamm und Schere aus « , sagte der Herzog . » Wie heißen Sie ? « Hermann nannte sich . » Ist es möglich ? « rief der Herzog . » Sie sind der Sohn des Senators in Bremen ? des vertrautesten