Morgen zertheilt die Gewölke , setzt sich mit grauschattirten Gliedern mitten auf die Wiese hin , und wartet , wie ein gefühlvoller Jüngling , dem Sonnenaufgang entgegen . Nur das fällt mir noch ein , daß der Umgang mit der Natur bei weitem wohlfeiler ist , als der mit Menschen . Wer bloß schöner Gegenden willen auf die Reise geht , braucht offenbar nicht halb so viel Geld , als der wegen Menschen sich in die Welt hinausstürzt . In schönen Gegenden trinkt man Milch , und nimmt ein ländliches Mahl zu sich , und der Bäuerin schenkt man nicht , wie der Sängerin , einen Shawl zu dreißig Ducaten . Im Walde kostet ' s kein Entrée , seine Empfindungen hat man alle umsonst , und von der Landluft wird man schläfrig , daß man schon vor zehn Uhr Abends ins Bett gehen muß . Da hat man gar nicht Zeit dazu , viel Geld auszugeben , und ich erinnere mich nie , in Geßners Idyllen etwas von Thalern , Groschen und Pfennigen gelesen zu haben . Auch vom Werther erfährt man nicht , ob er Geld gehabt oder nicht ; es kommt in dieser Richtung gar nichts darauf an . Er trieb sich entweder im Walde umher , oder ging früh schlafen . Wenn man mehr mit Menschen umgeht , hat man schlaflose Nächte , und wacht oft , bis der Hahn kräht , und auch der andere Tag geht verloren . Unsere Leidenschaften wollen in Festkleidern spazieren gehen und sich nur in Purpur und Seide vor den Leuten zeigen . Unsere Thorheit zieht sich einen kostspieligen Tressenrock an , und unsere Liebe gegen den Bruder und gegen die Schwester verlernt zu rechnen . Amor ist Schatzmeister und wirft das Geld und das Herz dazu mit vollen Händen auf die Straße . Ein Volksjubel rauscht auf , das Geld verfliegt , das Herz zuckt und blutet , und hat doch etwas gelernt . Die Existenz wird theurer , je mehr der Mensch selbst auf dem Spiele steht . So muß es aber auch gerade sein , man darf nicht anders leben . Mit dem Leben muß man nicht knausern , man muß es mit freigebigem Herzen verschütten , man muß es aus allen Adern bluten lassen , damit es strömt und sich ergießt . Man muß von ganzem Herzen leben , man muß es sich etwas kosten lassen , sein Inwendigstes , um zu erfahren , wie viel das Leben werth sei . Man muß sich mit Inbrunst ausleben , und dann mit Inbrunst sterben . Und Deinen Leidenschaften nimm ihre stolzen Purpurkleider nicht vor der Zeit ; laß sie etwas erleben und alt werden , und ziehe einen alten Feuerwein der Lebenspoesie aus ihnen ab . Und Deiner jungen Thorheit reiße nicht zu früh den kostspieligen Tressenrock herunter ; laß sie tanzen und den Tag nutzen und durch gravitätische Sprünge der Eitelkeit Dir einen guten Humor machen , an dem Du noch als alter kluggewordener Mann zu lachen hast . Am allerwenigsten aber wehre Deiner Liebe die genialen Rechnenfehler . In der höheren Analyse , Freund , wird wieder eingebracht , was die gewöhnliche Reguladetri verloren und vergeudet geglaubt hat . Gieb aus Alles was Du hast , wo Du liebst ; sei es nun , daß Du die Kunst liebst oder Dein Mädchen oder die Wissenschaft oder Dein Vaterland . Der Poesie gieb Deine schönsten Tage und frage nichts danach ! Deinem Mädchen gieb die angewandte Poesie auf den Mund und frage nichts danach ! Der Wissenschaft gieb allen Deinen Ernst , und Dein Vaterland befreie , sollte es Dein Tod auch sein , und frage nichts danach ! Frage nichts danach und gieb Alles aus , was Du hast , damit Dir Dein Herz leicht werde . Spare nichts , nicht in Gedanken , nicht in Geld , nicht in Liebe , nicht in Scherz , nicht in Ernst . Auch betrogen zu werden , gehört mit zum Leben . Frage nichts danach , und gieb Alles aus was Du hast , wo Du liebst ! Und Du mußt mit Menschen umgehen , damit Du lieben kannst . - Jetzt will ich aufhören zu blasen . Die ökonomischen Vortheile aus dem Umgange mit der Natur werden also meinen Reisefinanzen ebensowenig zugutekommen , als meinen Tagebuchsblättern die sentimentalen . Zwar habe ich einige kranke spanische Papiere bei mir , denen ich nach Dem , was ich von dem Banquerott-System des Grafen Toreno gehört , wohl eine ländliche Kur zu ihrer Erkräftigung wünschen könnte . Aber frage nichts danach ! Frage nichts danach , und gieb Alles aus , was Du hast , zum stehenden Cours , auch die spanischen Papiere . Auch betrogen zu werden gehört mit zum Leben . Frage nichts danach , und gieb zum stehenden Cours Deine Papiere aus . Ich werde mir um die spanische Politik nicht noch graue Haare wachsen lassen , da sie mir schon der deutschen wegen auszugehen anfangen . - Trara ! Trara ! Da ist die böhmische Gränze ! Glorreiches Peterwalde , Du willst nachsehen , ob ich keine Contrebande mit mir im Koffer führe . Guter , biedrer Oesterreicher , nicht in meinem Koffer suche die Contrebande . Ich frage nichts danach ! Ich frage nichts danach ! - - Böhmische Dörfer , Wälder und Bäder . Schöne slawische Jungfrau , Böhmen , mit den langen dunkeln Haaren und dem wilden träumerischen Blick , wie geht es Dir seit Jahrhunderten hinter Deinen Bergen ? Reizende Slawin , mir thut das Herz weh , wenn ich an Dich gedenke , und ein gutmüthiger Deutscher , bin ich gekommen , um über Dein tiefdunkles Weltschicksal mit Dir zu klagen . Zu etwas Großem hatte Dein Genius Dich ausersehen , mit edeln Gaben Deine Art geschmückt , tapfern und stolzen Sinn in Dir aufwachsen lassen , muthiges Streben in die Ferne in Deiner Brust entzündet , und doch bist Du über ein gewöhnliches sterbliches Loos der Geschichte nicht hinausgekommen