Anhänglichkeit belohne . VIII Demohngeachtet erregte weder diese Güte , noch so manche schöne geistige Anlage , die nur der Entwickelung bedurfte , noch auch ihr edles Aeußeres , das weit mehr sich in sich selbst zu verhüllen als sich geltend zu machen strebte , den Wunsch in seinem leichtsinnigen Herzen , sie in einer ernsten , ewigen Verbindung sich anzueignen . Methodisch steigerte er durch alle Kunstgriffe der Erfahrung und der männlichen Coketterie die Neigung , die in ihrer reinen Seele für ihn erwacht war , und belustigte sich an den naiven , ihm den vollen Reiz der Neuheit gewährenden Wirkungen seines grausamen Unternehmens , ihre Ruhe zu untergraben und zu einem Opfer seiner Eitelkeit zu machen . Frau von Willfried eben sowohl als die Generalin getäuscht durch die Beflissenheit , mit der er sich um Erna bemühte , leisteten ihm allen möglichen Vorschub , sich ihr zu nähern . Denn geblendet von ihren Hoffnungen erblickten beide Frauen in allen seinen Aeußerungen so viel Verstand , Charakter , und selbst Gefühl , daß sie überzeugt waren , er werde das Glück ihres Lieblings machen . Die unwillkührlichen Ausbrüche des Muthwillens , der Frivolität , und der Satyre , die zuweilen selbst das Heilige nicht verschonte , erschienen ihren bestochenem Urtheil als Auswüchse , die nur das Leben in der verdorbenen großen Welt ihm angebildet habe , und die eine reinere Umgebung , das Läuterungsbad wahrer Liebe , und dereinst die Würde ehelicher Verhältnisse bald genug wieder abschleifen werde . In dieser Voraussetzung erwarteten sie ruhig und freudig seine nähere Erklärung , die seinem Benehmen nach , mit jedem Tage wahrscheinlicher wurde . Auch Erna , selig gehoben von den Schwingen eines so mächtigen , ihr selbst im Traume der Ahnung noch nimmer erschienenen Gefühls , sah mit klopfendem Herzen , von ihrer Mutter auf diesen feierlichen Moment vorbereitet , dem Geständnis des Jünglings entgegen , dem sie ihr Ja nicht versagen wollte , da sie ihm bereits ihre innige Neigung geschenkt hatte . Sie gewann allmählig Vertrauen zu ihm und zu sich selbst . Anfangs , von dem Glanz seiner geschliffenen Aussenseite verblendet , wußte sie nur schüchterne Unterwürfigkeit , blödes Zagen , seinem muntern und sicheren Ton entgegen zu setzen . Sie erschrak , wenn sie den Klang ihrer eigenen Stimme vernahm - sie erröthete , wenn sein Blick ihr begegnete - sie zitterte , wenn er sie anredete . Jetzt wich nach und nach die Verlegenheit , durch die sie sich selbst so gestört und unbequem in ihrem Innern vorkam , einer bescheidenen Zuversicht , die auf die stolze Ueberzeugung sich stützte , ein so hoch an Geist und Bildung über ihr stehendes Wesen , wie ihr Alexander erschien , begreifen und fassen zu können . Er wußte so unmerklich und leise den kalten Reif der Verschlossenheit von ihrem Gemüth abzustreifen , wußte , indem er sie so oft glücklich errieth , ihren undeutlichen Gedanken Klarheit , ihren dunklen Gefühlen Licht zu geben , und durch einen im rechten Augenblick gleichsam unwillkührlichen Ausbruch einer erkünstelten Begeisterung für das Gute und Schöne , eine hingeworfene , wie dem Innern entschlüpfte Floskel der Sentimentalität , ihre vortheilhafte Meinung von ihm immer fester zu begründen , daß es sehr natürlich war , wenn ihre Achtung für ihn mit jedem Tage des Beisammenseyns wuchs , und die zarte Liebe ihres Herzens vertiefte . IX Obgleich die Fortschritte , die Alexander so sichtbar in Erna ' s Neigung machte , ihm manchen Stoff zur ergötzlichen Selbstunterhaltung gab , so drückte ihn , den an schimmernde Zerstreuungen Gewohnten , doch die Einförmigkeit des halb ländlichen Lebens in dieser kleinen Stadt viel zu sehr , als daß er nicht hätte streben sollen , es so viel er vermochte , mit Abwechselungen zu durchweben . Es war ihm längst langweilig gewesen , in einer bequemen Kutsche - die einzige Bewegung , die Frau von Willfried vertragen konnte - ihr und seiner Tante gegenüber , und an Erna ' s Seite im abgemessenen Tact , den der Arzt vorgeschrieben , durch die schöne Gegend zu rollen , und diese schläfrige Parthie durch die Benennung einer Spazierfahrt zu ehren . Er schlug daher Erna vor , ihr Unterricht im Reiten zu geben , und obgleich ihre Furchtsamkeit vor der ungeheuern Idee zurückbebte , mit zarter Hand ein so muthiges Thier bändigen und regieren zu sollen , und Mutter sowohl als Tante meinte , sie werde ihre oft geäußerte Bangigkeit vor Pferden nicht überwinden können , so willigte sie doch sogleich freundlich ein , als sie vernommen hatte , daß es ihm viel Vergnügen machen werde , ihr Lehrmeister in dieser fröhlichen Kunst zu seyn . Schnell wurde nach seiner Angabe ein Reitkleid verfertigt , und während der Tage , die darüber hingingen , war er bemüht , ein kleines , lammfrommes Roß noch gemächlicher für sie zuzureiten . Als Erna nun zum erstenmal in dem geschmackvollen Amazonenkleide erschien , das er nach seinen Erinnerungen aus der Residenz angeordnet hatte , wurde er durch die Anmuth mit der sie sich darstellte , überrascht . Er konnte sich nicht abläugnen , daß der größte Theil der Unscheinbarkeit , mit der sie gewöhnlich auftrat , eine Folge ihres matronenhaften , vernachläßigten Anzugs war . Der weibliche Körper muß ein schönes Oval bilden , wenn er wohlgefällig ins Auge fallen soll , und an diesem Oval dürfen ein paar zierliche Füßchen als der Schluß desselben eben so wenig fehlen , wie der Kopf selbst am andern Pole dieser Sphäroide . Nun war aber Erna gewöhnlich so verhüllt , daß es zu den seltenen Erscheinungen gehörte , wenn hie und da die schnell wieder vom dichten Faltenwurf verdeckte Spitze ihres Schuhs sichtbar wurde , und er hatte schon öfters im Stillen die boshafte Vormuthung gehegt , daß die Natur sie in diesem Punkt stiefmütterlich behandelt haben müsse , weil er nicht begreifen konnte , daß Sittsamkeit in einem weiblichen Gemüth die Oberhand über Eitelkeit und Sucht zu glänzen behaupten könne . Wie