und Müßiggang ist des Teufels Ruhebank . Das Geld eurer Väter ist verzehrt , und ihre Sonntagsröcke traget ihr mit Löchern in den Aermeln . Habet ihr ein paar Kreuzer im Sack , trinket ihr lustig , und Weib und Kind daheim hungern . Was soll daraus werden ? - Ich frage die Vorgesetzten ! Wo ist das Vermögen der Gemeinde , und wie habt ihr hausgehalten mit der Hinterlassenschaft unserer Vorfahren ? Warum leget ihr keine treue Rechnung ab , und gebet nicht aufrichtigen Rath , wie zu helfen sei ? Warum schmauset ihr lieber auf Gemeindsunkosten , statt der Gemeinde Gut zu sparen ? Warum verschließet ihr nicht die Wirthshäuser , und öffnet dafür Abzugsgraben für das Wasser im versumpften Gemeindswald oder bessert unsere halsbrechenden Dorfwege ans ? Warum machet ihr ' s den Leuten so leicht , wenn sie Geld borgen wollen , und machet es ihnen so schwer , wenn sie sich vor dem Bettelstab retten möchten ? « Wie Oswald so redete , schrien einige der Vorgesetzten : » Schweig , du Landstreicher und Taugenichts , oder wir schicken dich bei Wasser und Brod in den Thurm , achtundvierzig Stunden lang ! « - Und die ganze Gemeinde brüllte : » Schweig ! Schweig ! « Aber Oswald erwiderte : » Ihr habet Macht , mich in den Thurm zu werfen ; aber ich habe Macht , euch vor die hohe Landesregierung zu rufen . Wenn ich da eure Wirthschaft aufdecke , wird euch übler zu Muth sein , als mir bei Wasser und Brod ist . Ihr alle aber , Mitbürger , beweiset mir , daß ich falsch rede , oder lästere . Fraget eure Gewissen , ob das Gemeindegut vermehrt oder verheert ist ? Fraget eure Gewissen , ob ihr reicher oder ärmer geworden seid ; ob Treu und Glauben noch unter uns gelten ; ob Gottesfurcht und Menschenliebe unter uns herrschen , oder hartherziger Eigennutz , Wucher , Lüderlichkeit , Hinterlist , Tücke , Meineid und falsches Wesen ? Und wenn euer Gewissen keine Zunge hat , so schauet eure zerfallenen Häuser und Ställe , eure verwilderten Felder und Gärten , eure leeren Geldbeutel und Truhen , eure zerrissenen Kleider und Hemden an ; die sind meine Zeugen wider euch . Schauet eure armen verwahrlosten Kinder an , sie sind meine Zeugen wider euch . Ihr habet mehr Sorgfalt für eure Kühe , Säue und Ziegen , als für eure Kinder ; und Kühe , Säue und Ziegen sind euch nicht so lieb , als euch Schwelgerei und Spiel , Fraß und Sauf sind . « Oswald wollte noch mehr sagen ; aber sie stießen ihn mit mörderischem Gebrüll vom Stein , und ließen ihn nicht mehr reden . Einige wollten die Hand an ihn legen ; aber er ergriff sie mit gewaltiger Faust und schleuderte sie gegen die Andern , daß sie mit den Köpfen zusammenschlugen . Er nahm einen gewaltigen Stecken , und drohte den Ersten zu Boden zu schlagen , der sich ihm nähern würde . Das Geschrei gegen ihn ward immer lauter und wilder . Einige hoben Steine auf . Oswald ging beherzt mit geschwungenem Prügel gegen den dicken Haufen , und mitten durch denselben nach Hause . Er wusch sich , verband seine verwundete Stirn und war ruhig . Da kam , blaß wie der Tod , mit verweinten Augen Elsbeth und fragte : » Oswald , wie geht ' s dir ? « Und sie konnte vor Wehmuth nichts mehr sagen , und er tröstete sie und drückte sie gerührt an sein Herz . 5. Wie Oswald von seinen Feinden verfolgt wird , und was er dagegen thut . Oswald hatte seit dem Tage , da er an die Gemeinde geredet , eitel Verdruß und Noth . Böse Buben warfen ihm Nachts die Fenster mit Steinen ein . In einer andern Nacht hatten sie ihm sechs junge Obstbäume abgebrochen , die er im Garten gepflanzt hatte . In einer andern Nacht hatten sie ihm den Salat von den Beeten gestohlen . Als er zu den Vorgesetzten ging und Klage führte , lachten sie höhnisch und sprachen : » Du hättest wohl mehr Strafe verdient , wenn wir mit dir nach aller Strenge verfahren wollten . Packe dich von hinnen , du Lästermaul ! « Oswald sagte : » Wenn ihr mir gegen Bösewichter weder Recht noch Schutz verleihen wollet , so machet in der Gemeinde bekannt , daß ich mich selber zu beschirmen wissen werde , und sich Jeder vor Schaden hüten solle . « Die Feinde aber fuhren fort , ihn zu plagen , doch nicht ohne ihren Schaden und Schrecken . Denn als er eines Abends in der Mühle war , und sie es wußten , und sich in seinen Garten schlichen , um ihm alles zu zerstören , geschahen plötzlich aus den Fenstern seines Hauses zwei Schüsse . Da liefen sie mit Entsetzen davon und meinten , er müsse den bösen Geist im Hause zum Wächter haben . Denn während sie noch liefen , begegnete ihnen Oswald , der von der Mühle kam , und er packte einen von ihnen und sprach mit donnernder Stimme : » Warum habt ihr , wie Diebe , in meinem Garten einbrechen wollen ? « Doch that er ihnen nichts zu leide . Ein andermal , da schlechte Kerls ihm einen Possen spielen wollten , und nach Mitternacht , vom Branntwein erhitzt , über den Hag stiegen , der sein kleines Gut umfing , wurden sie an den Füßen blutig verwundet , daß sie vor Schmerzen laut aufschrien , und kaum über den Hag zurück konnten . Diese und andere Geschichten verbreiteten im Dorfe große Furcht , und es wagte sich Keiner mehr des Nachts in die Gegend von Oswalds Haus . Er aber blieb freundlich gegen Jedermann , wie zuvor ; gab dem Einen guten Rath , dem Andern in der Noth ein Stück Geld . Doch that ihm der elende Zustand der Gemeinde leid ,