am Webstuhl ausgeharrt , oder daß ich gar nicht gelebt hätte . Wer weiß , wem der Schädel gehört , der bei dem Kinde liegt , er trägt eine schwere Narbe , wie ein Fenster , durch welches der Geist zum Himmel geflogen , vielleicht habe ich ihm die geschlagen . Ich mußte meinen Herren folgen auf den Fehden und sie fragten mich nicht , ob sie ein Recht hätten zum Blutvergießen , es hieß nur : hier gilt ' s , hier mußt du vor , Martin . Es sind jetzt noch keine sechs Monat , da focht ich mit einem jungen Ritter , er wehrte sich entsetzlich , da fiel ihm der Helm ab , ich hatte ihm die Schienen durchhauen , und mein Schwert drang tief in sein Haupt , er war schön wie eine Jungfrau , meinen Hals hätte ich abschlagen lassen , um ihn zu heilen , aber der Tod läßt sich nicht wieder gut machen . Ich sagte den Kronenwächtern mit Abscheu meinen Dienst auf , sie ließen mich ziehen . Das Kind gleicht dem Ritter , sie haben ' s mir geschickt . Berthold , zieh es zum Frieden auf , es soll für mich beten . « Berthold sah verlegen nieder , es war ihm , als ob ein anderer , als Martin , mit ihm rede , so weich hatte er ihn nie gekannt , er sah nach dem Schädel und wies auf etwas Blinkendes , das darin steckte . - MARTIN : » Wird wohl ein Splitter von meinem schartigen Doppelschwerte sein , oder ein Helmring , laß es stecken , so etwas , das einem Menschen den Tod brachte , muß vergraben sein , ich werd ' s auch bald sein : Wenn einst andere Leute so in meinen Schädel hinein sehen , was werden sie darin lesen ? « Zweite Geschichte Die Chronik der Stadt Die Nacht verging unbemerkt in mancher Besorgung für das Kind , am Morgen bemerkte erst Frau Hildegard eine feine Schrift auf dem Kasten , der das Kind geborgen , und Berthold las da den biblischen Spruch auf das Kind angewendet : » Gehet hin und taufet ihn im Namen des Vaters . « Frau Hildegard erschrak , daß dies wohl sechs Monat alte Kind noch nicht getauft sei , und Berthold nahm es eilig mit dem Bette in seinen Mantel , da Martin von seinem Wachtposten nicht abkommen konnte . Erst lief er zum Bürgermeister und berichtete ihm den seltsamen Vorgang , indem er zugleich den zierlich mit blauer und roter Tinte geschriebenen Neujahrwunsch abgab . Der Bürgermeister war in sehr gnädiger Stimmung , dankte freundlich und sagte , daß er dieses Kind wohl zu sich nehmen würde , wenn er verheiratet wäre , jetzt könne es aber seinem Rufe bei den Eltern seiner Braut schaden , übrigens werde wohl zuweilen aus der Armenkasse etwas für das Kind zu erübrigen sein und man müsse inzwischen nachforschen , wer des Kindes Eltern wären . Das alles hatte der Schreiber sich längst selbst bedacht , nahm es aber doch wie hohe Weisheit an und entfernte sich demütig . Aber die Frühmesse war inzwischen schon längst zu Ende gegangen , als er nach der Pfarrkirche kam . Der Geistliche trat eben hinaus , ihn fror sehr und er war nur mit Mühe zu überreden , die Taufe sogleich zu erteilen . In der Eile vergaß er , sich nach Vor- und Zunamen des Kindes zu erkundigen und fragte während der Handlung , wie es heißen sollte ! Berthold , der es auch nicht bedacht , antwortete Berthold , und weil der Pfarrer es für Bertholds Kind hielt , so taufte er es Berthold mit Vornamen und Berthold mit Zunamen , so daß es nun Berthold Berthold hieß , oder Berchtold Berchtold , wie andere den guten , alten Namen schreiben . Der Tag durchbrach siegend die Schneewolken , als Berthold im Turme das Kind aus dem warmen Mantel hob und sich in dessen hellen Augen sonnte . Die lahme Elster , die in der vorigen Nacht alles unter dem Bette verschlafen hatte , sprang zum Kinde mit Hildegard und Martin und rief zu ihm : » Berthold , Berthold . « - » Sie weiß es schon « , rief Berthold verwundert , » das haben ihr gewiß die Sperlinge gesagt , die in der Kirche herumflogen . « Martin aber ging ruhig zu seiner Arbeit an der neuen Lattenwand zurück und brummte vor sich : » Nenne ihn , wie du willst , er wird seinen rechten Namen doch erhalten , wenn seine Stunde schlägt , aber sieh hier , wie fleißig ich gewesen bin ; die Wand ist gleich fertig und nun schaffe Papier zum Überziehen . « » Auch dafür habe ich in der Schreibstube gesorgt « , antwortete Berthold , » sieh die schönen , großen Bogen , habe darauf in jungen Jahren , als ich noch mehr Freude am Schreiben hatte , die Chronik von unserm Städtlein geschrieben , der Knabe mag daran buchstabieren lernen . « - » Schade , daß wir ' s so zerreißen müssen « , sagte Martin , » habe oft darüber nachgedacht , wie die Leute auf den närrischen Einfall gekommen sind , sich hier niederzulassen , obgleich jedermann lieber in Augsburg wohnen möchte . « - » Ei « , sagte Berthold , » du denkst , das Glück hat immer auf dem Fleck wie jetzt gestanden , vielmehr rückt es immer von einem Platze zum andern , weil es nie sich festsetzen darf und des Stehens müde wird . Es gab eine Zeit , wo Augsburg kaum genannt wurde , und da stand hier eine Stadt , die auch niemand mehr zu nennen weiß , die war das Haupt von ganz Schwaben , zwei Meilen von hier nach Schorndorf soll noch ein Stück von unsrer alten Stadtmauer zu sehen sein , bei meinen Geschäften ist mir aber die Reise zu weit , um