. Er sah da , daß er sich in einem großen Schlosse befand . Unten lag ein schöner Garten ; alles war noch still , nur Vögel flatterten auf den einsamen kühlen Gängen , der Morgen war überaus heiter . Der Knabe an dem Bette war indes auch aufgewacht . » Gott sei Dank ! « rief er aus Herzensgrunde , als er die Augen aufschlug und den Grafen aufgestanden und munter erblickte . Friedrich glaubte sein Gesicht zu kennen , doch konnte er sich durchaus nicht besinnen , wo er es gesehen hätte . » Wo bin ich ? « fragte er endlich erstaunt . » Gott sei Dank ! « wiederholte der Knabe nur , und sah ihn mit seinen großen , fröhlichen Augen noch immer unverwandt an , als könnte er sich gar nicht in die Freude finden , ihn wirklich wiederhergestellt zu sehen . Friedrich drang nun in ihn , ihm den Zusammenhang dieser ganzen seltsamen Begebenheit zu entwirren . Der Knabe besann sich einen Augenblick und erzählte dann : » Gestern früh , da ich eben in den Wald ging , sah ich dich blutig und ohne Leben am Wege liegen . Das Blut floß über den Kopf , ich verband die Wunde mit meinem Tuche , so gut ich konnte . Aber das Blut drang durch und floß immerfort , und ich versuchte alles vergebens , um es zu stillen . Ich lief und rief nun in meiner Angst rings im Walde umher und betete und weinte dann wieder dazwischen , da ich mir gar nicht mehr zu helfen wußte . Da kam auf einmal ein Wagen die Straße gefahren . Eine Dame erblickte uns aus demselben und ließ sogleich stillhalten . Die Bedienten verbanden die Wunden sehr geschickt . Die Dame schien sehr verwundert und erschrocken über den Umstand . Darauf nahm sie uns beide mit in den Wagen und führte uns hierher auf ihr Schloß . Die Gräfin hat beinahe die ganze Nacht hindurch hier am Bette gewacht . « - Friedrich dachte an das Engelsbild , das sich wie im Traume über sein Gesicht geneigt hatte , und war noch verwirrter , als vorher . - » Aber wer bist denn du ? « fragte er darauf den Knaben wieder . » Ich habe keine Eltern mehr « , antwortete dieser , und schlug verwirrt die Augen nieder , » ich ging eben über Land , um Dienste zu suchen . « Friedrich faßte den Furchtsamen bei beiden Händen : » Willst du bei mir bleiben ? « » Ewig , mein Herr ! « sagte der Knabe mit auffallender Heftigkeit . Friedrich kleidete sich nun völlig an und verließ seine Stube , um sich hier umzusehen und über sein Verhältnis in diesem Schlosse auf irgendeine Art Gewißheit zu erlangen . Er erstaunte über das Altfränkische der Bauart und der Einrichtung . Die Gänge waren gewölbt , die Fenster in der dicken , dunklen Mauer alle oben in einem Bogen zugespitzt und mit kleinen runden Scheiben versehen . Wunderschöne Bilder von Glas füllten oben die Fensterbogen , die von der Morgensonne in den buntesten Farben brannten . Alles im ganzen Hause war still . Er sah zum Fenster hinaus . Das alte Schloß stand von dieser Seite an dem Abhange eines hohen Berges , der , so wie das Tal , unten mit Schwarzwald bedeckt war , aus welchem die Klänge einsamer Holzhauer heraufschallten . Gleich am Fenster , über der schwindlichten Tiefe war ein Ritter , der sein Schwert in den gefalteten Händen hielt , in Riesengröße , wie der steinerne Roland , in die Mauer gehauen . Friedrich glaubte jeden Augenblick , das Burgfräulein , den hohen Spitzenkragen um das schöne Gesicht , werde in einem der Gänge heraufkommen . In der sonderbarsten Laune ging er nun die Stiege hinab und über eine Zugbrücke in den Garten hinaus . Hier standen auf einem weiten Platze die sonderbarsten , fremden Blumenarten in phantastischem Schmucke . Künstliche Brunnen sprangen , im Morgenscheine funkelnd , kühle hin und wider . Dazwischen sah man Pfauen in der Grüne weiden und stolz ihre tausendfarbigen Räder schlagen . Im Hintergrunde saß ein Storch auf einem Beine und sah melancholisch in die weite Gegend hinaus . Als sich Friedrich an dem Anblicke , den der frische Morgen prächtig machte , so ergötzte , erblickte er in einiger Entfernung vor sich einen Mann , der hinter einem Spaliere an einem Tischchen saß , das voll Papiere lag . Er schrieb , blickte manchmal in die Gegend hinaus , und schrieb dann wieder emsig fort . Friedrich wollte ausweichen , um ihn nicht zu stören , aber es war nur der einzige Weg und der Unbekannte hatte ihn auch schon erblickt . Er ging daher auf ihn zu und grüßte ihn . Der Schreiber mochte eine lange Unterredung befürchten . » Ich kenne Sie wahrhaftig nicht « , sagte er halb ärgerlich , halb lachend , » aber wenn Sie selbst Alexander der Große wären , so müßt ich Sie für jetzt nur bitten , mir aus der Sonne zu gehen . « Friedrich verwunderte sich höchlichst über diesen unhöflichen Diogenes und ließ den wunderlichen Gesellen sitzen , der sogleich wieder zu schreiben anfing . Er kam nun an den Ausgang des Gartens , an den ein lustiges Wäldchen von Laubholz stieß . An dem Saume des Waldes stand ein Jägerhaus , das ringsum mit Hirschgeweihen ausgeziert war . Auf einer kleinen Wiese , welche vor dem Hause mitten zwischen dem Walde lag , saß ein schönes , kaum fünfzehnjähriges Mädchen auf einem , wie es schien , soeben erlegten Rehe , streichelte das Tierchen und sang : » Wär ich ein muntres Hirschlein schlank , Wollt ich im grünen Walde gehn , Spazierengehn bei Hörnerklang , Nach meinem Liebsten mich umsehn . « Ein junger Jäger , der seitwärts an einem Baume gelehnt stand und ihren Gesang mit dem Waldhorne begleitete , antwortete ihr sogleich nach derselben