sich meine Brust . Das Wasser rauschte und quoll so lebendig neben mir hin , ich athmete zum erstenmal frisches Leben , und der Gedanke zu entfliehen ward mir nun erst deutlich . Die erwachte Kraft beflügelte meine Schritte . Ich hatte bald die hohe Mauer im Rücken , und kam auf eine Wiese , die sich wie ein bunter Teppich neben dem klaren Wasserspiegel ausbreitete . Jenseit sahe ich hohe Bäume , alles keimte und blühete nach einem kurzen Winterschlaf . Es ist unbeschreiblich , wie mich das erste Wehen des Frühlings in der reinen freien Natur ergriff . Wie berauscht brach ich Wasserlilien und lange zitternde Grashalme , und sie in der Luft schwenkend , lief ich unter Jauchzen und Schreien den bunten Vögeln nach , die sich auf den Blumenkelchen wiegten , und mich durch Feld und Wald nach sich zogen . Alle Lieder , die ich kannte , alle Gebete , die ich je von Eusebio hörte , alles rief ich den Lüften , den Bäumen , den Blumen entgegen . Ich wünschte , ich wollte nichts , als ewig so leben . Mehrere Stunden mochte mich mein Entzücken so fortgetrieben haben , und ich weiß nicht , welchen Raum ich durchlief , als ich endlich bemerkte , daß mein Weg mich an einem steilen Gebirge hinaufführte . Ich ging dennoch lustig weiter , und ergötzte mich an den farbigen Steinchen und hellen Krystallen , die auf den hervorragenden Spitzen glänzten . So erreichte ich den Gipfel des Berges , der mir alle Pracht einer lange verschloßnen Welt aufdeckte . In einem weiten unermeßlichen Thal sah ich Wälder , Triften , hohe Thürme , Häuser . Alles leuchtete und wogte im hellen Abendglanz . Die untergehende Sonne vergoldete die rothen Dächer , am Himmel glüheten Purpurwolken , um und über mir war ein Flimmern und Glänzen . Da gedachte ich Eusebio ' s , und sank betend nieder . Ich hatte keine Worte , aber in einen Laut hätte ich alle Seligkeit der klopfenden Brust aushauchen mögen . Nie ist mir wieder so zu Sinne gewesen ! Nach einer Weile , als die trunknen Blicke sich wieder auf einzelne Gegenstände richteten , bemerkte ich am jenseitigen Abhange des Berges kleine zerstreut liegende Hütten . Ich lenkte meine Schritte dorthin , und stand bald vor einer derselben , aus deren Innerm die anmuthigsten Flötentöne erschollen . Ich trat in die geöffnete Thür und begrüßte eine schöne junge Frau , die mich erstaunt ansah , und nicht zu wissen schien , was sie aus mir machen solle . Die gute Sara hat mir nachdem oft gesagt : wie mein Anblick sie erschreckt , und sie mich für ein gespenstisch unnatürliches Wesen gehalten habe . Ich hatte nehmlich gleich Anfangs , um schneller laufen zu können , meine Kleider abgeworfen , und trat nun so halb nackt , mit langen Blüthenzweigen um Haupt und Arme , vor die verwunderte Frau , die in meinen seltsam glühenden Augen ein überirdisches Feuer zu sehen meinte . Ganz scheu fragte sie mich , woher ich käm ? Die Frage erschreckte mich , ich hatte das Kloster bis dahin ganz vergessen , jetzt fürchtete ich mehr als jemals dahin zurückgebracht zu werden . In der Angst sagte ich halb Wahrheit , halb Lüge : wie mich die Flammen weit jenseit des Berges vertrieben , und ich schon längst als ein hülfloses Kind , unter Fremden lebend , hier einen Zufluchtsort suchen wolle . Die Frau sah mich noch immer mißtrauisch an , und hieß mich in der Laube vor der Hütte ruhen , während sie gutmüthig einige Erfrischungen herbei holte . Indem kam ein lieblicher Knabe , mit der Flöte in der Hand , zu mir heraus . Wie ich ihn erblickte , fiel ich ihm , außer mir vor Entzücken , in die Arme , und rief unter lautem Schluchzen : ein Kind , ein süßes Kind , so lieb und schön , wie der heilige Johannes zu der Mutter Gottes Füßen . Sara , die sich während dem genahet hatte , sagte mit erheitertem Gesicht : siehst Du , Florio , sagte ich Dir ' s nicht immer , daß Du dem Heiligen auf ein Haar gleichest , jetzt bekräftigt ' s der Knabe dort auch . Sie strich ihm die blonden Locken von der Stirn und küßte ihn mit innerm Wohlbehagen . Mir ward bei dem Anblick unbeschreiblich wehmüthig , ich ergriff ihre Hand und blickte flehend zu ihr auf . Armer Junge , sagte sie gerührt , willst gern bei uns bleiben ? Nun , es trifft just daß wir einen Treiber bei der Heerde brauchen ; warte nur bis der Vater zurück kommt , er wird dich wohl behalten , wenn du fein ordentlich bist . Der Vater kam und gestattete mein Dortbleiben . Ich lernte mich bald in alles fügen , und trieb die Schäfchen sorgsam im Thale . Florio begleitete mich überall . Wir saugen und spielten . Ich schien mir selbst oft wie neu geboren , so verdrängte die lustige Gegenwart jede Erinnerung des Vergangenen , und wenn ich zuweilen des Klosters gedachte , so schloß dennoch die innere Angst meine Lippen , daß ich nie mein voriges Leben verrieth . Des Abends , wenn wir zurückkehrten und die Mutter am hellen Kamin trafen , erzählte sie uns wohl manche seltsame Geschichte . Am liebsten sprach sie von einer wunderschönen Dame , die im Thale in einem großen glänzenden Hause gewohnt habe , und von den Hirten wie eine Heilige verehrt worden sey . Wie ein Engelsbild wäre sie oft plötzlich dem Hülfsbedürftigen erschienen , und hätte jedem Trost und reiche Gaben gespendet . Zu ihr durfte indeß Niemand , und man glaubte , der Garten , dessen Gitter stets verschlossen blieb , sey bezaubert . Doch sey sie wie allgegenwärtig im Thale gewesen , und Niemand habe je vergebens ihren Beistand gewünscht . Nach und nach wäre sie indeß selbst wie ein Schatten vergangen