Aber ich kann leichter halten als versprechen . Denn ein Opus wirds ... O hochedler Stadtrat ! Exekutoren des Testaments ! sollt ' es mir einst vergönnet werden , in meinem Alter alle Bände der Flegeljahre ganz fertig abgedruckt in hohen , aus Tübingen abgeschickten Ballen um mich stehen zu sehen - - Bis dahin aber erharr ' ich mit sonderbarer Hochachtung Ew . Wohlgeb . etc. etc. etc. J. P. F. Richter Legaz . Koburg , den 6. Juni 1803 Die im Briefe an die Exekutoren versprochene Kopie desselben für den Leser ist wohl jetzt nicht mehr nötig , da er ihn eben gelesen . Auf ähnliche Weise setzen uneigennützige Advokaten in ihren Kostenzetteln nur das Macherlohn für die Zettel selber an , setzen aber nachher , wiewohl sie ins Unendliche fort könnten , nichts weiter für das Ansetzen des Ansetzens an . Ob aber der Verfasser der Flegeljahre nicht noch viel nähere historische Leithämmel und Leithunde zu einer so wichtigen Geschichte vorzutreiben und zu verwenden habe als bloß einen trefflichen Stadtrat ; und wer besonders sein herrlichster Hund und Hammel darunter sei - darüber würde man jetzt die Leser mit dem größten Vergnügen beruhigen , wenn man sich überzeugen könnte , es sei sachdienlich , es sei prudentis . Nr. 3. Terra Miraculosa Saxoniae Die Akzessit-Erben - der schwedische Pfarrer Nach Ablesung des Testaments verwunderten sich die sieben Erben unbeschreiblich auf sieben Weisen im Gesicht . Viele sagten gar nichts . Alle fragten , wer von ihnen den jungen Burschen kenne , ausgenommen der Hoffiskal Knoll , der selber gefragt wurde , weil er in Elterlein Gerichtshalter eines polnischen Generals war . Es sei nichts Besonderes am jungen Haeredipeta , versetzte Knoll , sein Vater aber wollte den Juristen spielen und sei ihm und der Welt schuldig . - Vergeblich umrangen die Erben den einsilbigen Fiskal , ebenso rats- als neubegierig . Er erbat sich vom Gerichte eine Kopie des Testaments und Inventars , andere vornehme Erben wandten gleichfalls die Kopialien auf . Der Bürgermeister erklärte den Erben , man werde den jungen Menschen und seinen Vater auf den Sonnabend vorbescheiden . Knoll erwiderte : da er übermorgen , das heißt den 13ten hujus , nämlich Donnerstags , in Gerichts-Geschäften nach seiner Gerichtshalterei Elterlein gehe , so sei er imstande , dem jungen Peter Gottwalt Harnisch die Zitation zu insinuieren . Es wurde bewilligt . Jetzt suchte der Kirchenrat Glanz nur auf eine kurze Leseminute um das Blättchen nach , worauf Harnisch den Wunsch einer schwedischen Pfarrei sollte ausgemalet haben . Er bekams . Drei Schritte hinter ihm stand der Buchhändler Paßvogel und las schnell die Seite zweimal herunter , eh ' sie der Kirchenrat umkehrte ; zuletzt stellten sich alle Erben hinter ihn , er sah sich um und sagte , es sei wohl besser , wenn ers gar vorlese : Das Glück eines schwedischen Pfarrers So will ich mir denn diese Wonne ohne allen Rückhalt recht groß hermalen und mich selber unter dem Pfarrer meinen , damit mich die Schilderung , wenn ich sie nach einem Jahre wieder überlese , ganz besonders auswärme . Schon ein Pfarrer an sich ist selig , geschweige in Schweden . Er genießet da Sommer und Winter rein , ohne lange verdrüßliche Unterbrechungen ; z.B. in seinen späten Frühling fällt statt des Nachwinters sogleich der ganze reife Vorsommer ein , weißrot und blütenschwer , so daß man in einer Sommernacht das halbe Italien , und in einer Winternacht die halbe zweite Welt haben kann . Ich will aber bei dem Winter anfangen und das Christfest nehmen . Der Pfarrer , der aus Deutschland , aus Haßlau in ein sehr nördlich-polarisches Dörflein voziert worden , steht heiter um 7 Uhr auf und brennt bis 9 1 / 2 Uhr sein dünnes Licht . Noch um 9 Uhr scheinen Sterne , der helle Mond noch länger . Aber dieses Hereinlangen des Sternen-Himmels in den Vormittag gibt ihm liebe Empfindungen , weil er ein Deutscher ist und über einen gestirnten Vormittag erstaunt . Ich sehe den Pfarrer und andere Kirchengänger mit Laternen in die Kirche gehen ; die vielen Lichterchen machen die Gemeinde zu einer Familie und setzen den Pfarrer in seine Kinderjahre , in die Winterstunden und Weihnachtsmetten zurück , wo jeder sein Lichtchen mithatte . Auf der Kanzel sagt er seinen lieben Zuhörern lauter Sachen vor , deren Worte geradeso in der Bibel stehen ; vor Gott bleibt doch keine Vernunft vernünftig , aber wohl ein redliches Gemüt . Darauf teilt er mit heimlicher Freude über die Gelegenheit , jeder Person so nahe ins Gesicht zu sehen und ihr wie einem Kind Trank und Speise einzugeben , das heil . Nachtmahl aus und genießet es jeden Sonntag selber mit , weil er sich nach dem nahen Liebesmahl in den Händen ja sehnen muß . Ich glaube , es müßt ' ihm erlaubt sein . ( Hier sah der Kirchenrat mit einem fragenden Rüge-Blick unter den Zuhörern umher , und Flachs nickte mit dem Kopfe ; er hatte aber wenig vernommen , sondern nur an sein Haus gedacht . ) Wenn er dann mit den Seinigen aus der Kirche tritt , geht gerade die helle Christ- und Morgensonne auf und leuchtet ihnen allen ins Gesicht entgegen . Die vielen schwedischen Greise werden ordentlich jung vom Sonnenrot gefärbt . Der Pfarrer könnte dann , wenn er auf die tote Mutter-Erde und den Gottesacker hinsähe , worin die Blumen wie die Menschen begraben liegen , wohl diesen Polymeter dichten : » Auf der toten Mutter ruhen die toten Kinder in dunkler Stille . Endlich erscheint die ewige Sonne , und die Mutter steht wieder blühend auf , aber später alle ihre Kinder . « Zu Hause letzt ihn ein warmes Museum samt einem langen Sonnenstreif an der Bücherwand . Den Nachmittag verbringt er schön , weil er vor einem ganzen Blumen-Gestelle von Freuden kaum weiß , wo er anhalten soll . Ists am heil . Christfest , so predigt er wieder , vom schönen Morgenlande