sich ziehn ; und wenn ihr eurem Großvater folgt , so werdet ihr gewiß unsrer Vaterstadt eine ähnliche Zierde in einer holdseligen Frau mitbringen , wie euer Vater . Mit freundlichem Erröthen dankte Heinrichs Mutter für das schöne Lob ihres Vaterlandes , und die gute Meynung von ihren Landsmänninnen , und der gedankenvolle Heinrich hatte nicht umhin gekonnt , aufmerksam und mit innigem Wohlgefallen der Schilderung des Landes , dessen Anblick ihm bevorstand , zuzuhören . Wenn ihr auch , fuhren die Kaufleute fort , die Kunst eures Vaters nicht ergreifen , und lieber , wie wir gehört haben , euch mit gelehrten Dingen befassen wollt : so braucht ihr nicht Geistlicher zu werden , und Verzicht auf die schönsten Genüsse dieses Lebens zu leisten . Es ist eben schlimm genug , daß die Wissenschaften in den Händen eines so von dem weltlichen Leben abgesonderten Standes , und die Fürsten von so ungeselligen und wahrhaft unerfahrenen Männern berathen sind . In der Einsamkeit in welcher sie nicht selbst Theil an den Weltgeschäften nehmen , müssen ihre Gedanken eine unnütze Wendung erhalten , und können nicht auf die wirklichen Vorfälle passen . In Schwaben trefft ihr auch wahrhaft kluge und erfahrne Männer unter den Layen ; und ihr mögt nun wählen , welchen Zweig menschlicher Kenntnisse ihr wollt : so wird es euch nicht an den besten Lehrern und Ratgebern fehlen . Nach einer Weile sagte Heinrich , dem bey dieser Rede sein Freund der Hofkaplan in den Sinn gekommen war : Wenn ich bey meiner Unkunde von der Beschaffenheit der Welt euch auch eben nicht abfällig seyn kann , in dem was ihr von der Unfähigkeit der Geistlichen zu Führung und Beurtheilung weltlicher Angelegenheiten behauptet : so ist mirs doch wohl erlaubt , euch an unsern trefflichen Hofkaplan zu erinnern , der gewiß ein Muster eines weisen Mannes ist , und dessen Lehren und Rathschläge mir unvergessen seyn werden . Wir ehren , erwiederten die Kaufleute , diesen trefflichen Mann von ganzem Herzen ; aber dennoch können wir nur in sofern eurer Meinung Beyfall geben , daß er ein weiser Mann sey , wenn ihr von jener Weisheit sprecht , die einen Gott wohlgefälligen Lebenswandel angeht . Haltet ihr ihn für eben so weltklug , als er in den Sachen des Heils geübt und unterrichtet ist : so erlaubt uns , daß wir euch nicht beystimmen . Doch glauben wir , daß dadurch der heilige Mann nichts von seinem verdienten Lobe verliert ; da er viel zu vertieft in der Kunde der überirdischen Welt ist , als daß er nach Einsicht und Ansehn in irdischen Dingen streben sollte . Aber , sagte Heinrich , sollte nicht jene höhere Kunde ebenfalls geschickt machen , recht unpartheiisch den Zügel menschlicher Angelegenheiten zu führen ? sollte nicht jene kindliche unbefangene Einfalt sicherer den richtigen Weg durch das Labyrinth der hiesigen Begebenheiten treffen , als die durch Rücksicht auf eigenen Vortheil irregeleitete und gehemmte , von der unerschöpflichen Zahl neuer Zufälle und Verwickelungen geblendete Klugheit ? Ich weiß nicht , aber mich dünkt , ich sähe zwey Wege um zur Wissenschaft der menschlichen Geschichte zu gelangen . Der eine , mühsam und unabsehlich , mit unzähligen Krümmungen , der Weg der Erfahrung ; der andere , fast Ein Sprung nur , der Weg der innern Betrachtung . Der Wanderer des ersten muß eins aus dem andern in einer langwierigen Rechnung finden , wenn der andere die Natur jeder Begebenheit und jeder Sache gleich unmittelbar anschaut , und sie in ihrem lebendigen , mannichfaltigen Zusammenhange betrachten , und leicht mit allen übrigen , wie Figuren auf einer Tafel , vergleichen kann . Ihr müßt verzeihen , wenn ich wie aus kindischen Träumen vor euch rede : nur das Zutrauen zu eurer Güte und das Andenken meines Lehrers , der den zweyten Weg mir als seinen eignen von weitem gezeigt hat , machte mich so dreist . Wir gestehen Euch gern , sagten die gutmüthigen Kaufleute , daß wir eurem Gedankengange nicht zu folgen vermögen : doch freut es uns , daß ihr so warm euch des trefflichen Lehrers erinnert , und seinen Unterricht wohl gefaßt zu haben scheint . Es dünkt uns , ihr habt Anlage zum Dichter . Ihr sprecht so geläufig von den Erscheinungen eures Gemüths , und es fehlt Euch nicht an gewählten Ausdrücken und passenden Vergleichungen . Auch neigt Ihr Euch zum Wunderbaren , als dem Elemente der Dichter . Ich weiß nicht , sagte Heinrich , wie es kommt . Schon oft habe ich von Dichtern und Sängern sprechen gehört , und habe noch nie einen gesehn . Ja , ich kann mir nicht einmal einen Begriff von ihrer sonderbaren Kunst machen , und doch habe ich eine große Sehnsucht davon zu hören . Es ist mir , als würde ich manches besser verstehen , was jetzt nur dunkle Ahndung in mir ist . Von Gedichten ist oft erzählt worden , aber nie habe ich eins zu sehen bekommen , und mein Lehrer hat nie Gelegenheit gehabt Kenntnisse von dieser Kunst einzuziehn . Alles , was er mir davon gesagt , habe ich nicht deutlich begreifen können . Doch meynte er immer , es sey eine edle Kunst , der ich mich ganz ergeben würde , wenn ich sie einmal kennen lernte . In alten Zeiten sey sie weit gemeiner gewesen , und habe jedermann einige Wissenschaft davon gehabt , jedoch Einer vor dem Andern . Sie sey noch mit andern verlohrengegangenen herrlichen Künsten verschwistert gewesen . Die Sänger hätte göttliche Gunst hoch geehrt , so daß sie begeistert durch unsichtbaren Umgang , himmlische Weisheit auf Erden in lieblichen Tönen verkündigen können . Die Kaufleute sagten darauf : Wir haben uns freylich nie um die Geheimnisse der Dichter bekümmert , wenn wir gleich mit Vergnügen ihrem Gesange zugehört . Es mag wohl wahr seyn , daß eine besondere Gestirnung dazu gehört , wenn ein Dichter zur Welt kommen soll ; denn es ist gewiß eine recht wunderbare Sache mit dieser