wie er die hinter Buschwerk geflüchtete Frauengruppe grausam verriet ... Dort aus dem Palaste – sie hatten wohl vor Minuten noch , aus dem Schlafe aufgeschreckt , angstvoll seine Säle durchirrt – stürmte der Mord den vier Frauen nach . Das schützende Alleedunkel , die Nacht zwischen den hohen Taxushecken hatten sich als treulos erwiesen , und an der kleinen Mauertüre seitwärts fehlte der Schlüssel . Eine der Frauen , ein starkes Weib , und offenbar die Dienerin , hatte sich niedergeworfen , und die Fingernägel drunten in die Türfuge krallend , versuchte sie in wilder Todesnot das feste , eisenbeschlagene Bohlengefüge aus Schloß und Angel zu reißen . Sie sowohl , wie die in die Knie gesunkene schöne , junge Frau , die wohl weniger für sich , als für das Kind in ihren Armen um Schonung zu flehen sich anschickte , bedeckte noch mitleidige halbe Dämmerung ; die zwei Gestalten im Mittelgrunde dagegen wurden völlig überschüttet von dem roten Lichte , das der erste aus der Allee stürzende Fackelträger vor sich herwarf . Würdig sterben wollte sie , die Hugenottin , die Gebieterin des altfranzösischen Herrenschlosses dort , die Dame mit dem schneeweißen Haar , über das sie flüchtend einen schwarzen Schleier geworfen hatte . Sie wußte , daß die fanatisierten Bluthunde der Königin keines der Leben verschonen würden , die in diesem letzten Schlupfwinkel atmeten – kein Blick fiel mehr auf den todesgeweihten Enkel an der Brust seiner Mutter , wohl aber zog sie einen Teil ihres Schleiers herab und warf ihn über die schöne , nackte Brust des jungen Mädchens im losen Nachtgewande , das Schutz suchend sich an die hohe Matronengestalt schmiegte und mit entsetzten Augen nach den Verfolgern zurückstarrte – der freche Spottblick der Unholde sollte ihr liebstes Kind , die Wonne ihrer Augen , die süße letzte Blume eines sterbenden Geschlechtes nicht entweihen , bevor der Tod kam ... » Puh , von dem Bilde könnte man schreckhaft träumen ! « rief Lucile nach einer augenblicklich eingetretenen tiefen Stille vom Tisch herüber – ihre helle Stimme klang unangenehm aufschreckend in den Zauber hinein , den ein künstlerische Gedanke dämonisch packend hier ausströmte . – » Ich habe mich schon vorhin deshalb aus dem Staube gemacht und die Albums , die ich durchblättern wollte , eines nach dem anderen , lieber ins Glashaus geschleppt ... Es ist ein furchtbares Leben in dem Bilde – grauenhaft sag ' ich dir ! Und mit dem › Fischblut ‹ des Malers ist ' s nichts . Dame Mercedes – da irrst du dich gründlich , und – « » Der Mann hat sich verkauft , « schnitt die junge Dame verächtlich und achselzuckend die Beweisführung ab und wandte sich von der Staffelei weg . Sie schlug einen der alten Folianten auf , die auf Tischen und Stühlen umherlagen , und sah hinein , aber nur mechanisch , nur für einen Augenblick , dann hob sie den Blick wieder von den plumpen Holzschnitten auf den modrigen Blattseiten – er irrte träumerisch über die Gegenstände hin , um nach dem Bilde auf der Staffelei zurückzukehren , und blieb plötzlich an der Galerie hängen , von der die Wendeltreppe direkt in das Atelier hinabführte – dort oben stand der Maler selbst : noch waren die Türvorhänge , hinter denen er hervorgetreten sein mußte , in wallender Bewegung , er hatte wohl eben erst den Fuß auf die Galerie gesetzt , und doch sah Mercedes sofort an seinem Gesichtsausdruck , daß er ihre harten Bemerkungen gehört hatte . Ein kaltes Lächeln zuckte um ihren Mund . Sie war offenbar nicht gewohnt , einen ihrer Aussprüche zu verleugnen , mochte er auch noch so rücksichtslos sein . Hatte Felix nicht gesagt , der Mann da oben habe die Schillingschen Familiengüter mit der ungeliebten » langen Cousine « zurückerheiratet ? – Nun wohl , es geschah ihm ganz recht , zu erfahren , daß er dadurch bei anderen den Glauben an seine makellos ideale Richtung verwirkt habe . Ihre Augen begegneten mitleidslos , ja , mit grausamer Genugtuung , fest dem empörten Blick , der sie ansah .. .Aber plötzlich stieg ein jähes Rot in ihr Gesicht , und die stolze Frau nahm eiligst das langnachschleppende Gewand auf , um das Arbeitszimmer zu verlassen , das sie ohne die Aufforderung des Besitzers betreten hatte – vorher aber mußte sie sich schlechterdings zu einigen entschuldigenden Worten bequemen . Er stieg die Wendeltreppe herab , und sie deutete , ihm um wenige Schritte entgegentretend , nach dem Glashause . » Pirat hat Unheil angerichtet , « sagte sie mit einer leicht grüßenden Neigung des Hauptes . » Ich hörte den Lärm in der Allee , und die Besorgnis , daß Ihr Eigentum beschädigt werden könnte , hat mich hierhergetrieben . « » Es bedarf durchaus keiner Entschuldigung für Ihre Anwesenheit im Atelier , gnädige Frau , « versetzte er . » Es steht jederzeit offen für Besucher aus der Stadt , wie aus der Ferne . Ein Atelier ist ja weder Familienzimmer noch Boudoir , « setzte er kühl und flüchtig lächelnd hinzu . Damit ging er an ihr vorüber , wie er gewöhnt war , an Fremden hinzugehen , die seine weltberühmten Bilder zu sehen kamen . Er trat in das Glashaus , hob den triefenden Drachenbaum aus dem Bassin und stellte ihn , wie auch die umgeworfenen Topfpflanzen , an Ort und Stelle . Mit finstergerunzelten Brauen sah er sich um . Aus allen Ecken sprangen Wasserstrahlen , einzelne steil in die Luft steigend , um drunten in das eigene , unter Blattpflanzen versteckte , kleine Bassin zurückzustieben – andere dagegen schossen im dünnen , silbernen Bogen hoch aus dem Pflanzenwald empor und sammelten sich im großen Mittelbassin . Das sah köstlich aus ; Baron Schilling aber ging umher , und eine Wassersäule nach der andern erlosch unter seiner Hand . » Ich begreife den Gärtner nicht – er verwahrt sich doch sonst entschieden gegen die übergroße Feuchtigkeit , der Pflanzen wegen ,