in meiner Wohnung , und verfehlte er dann nie , den in meiner Brust glühenden Funken durch seine charakteristischen Vergleiche und begeisternden Ermuthigungen zur hellen Flamme anzufachen . Wohl erinnerte ich mich zuweilen , wenn ich in seine düstern schwarzen Augen schaute , der Warnung der Irrsinnigen , deren erste Weissagung sich ja theilweise schon erfüllt hatte . Da ich Letztere indessen nicht wiedersah , mithin auch nicht fragen konnte , wen sie mit dem » Schwarzen « gemeint habe , so traten die unbestimmten Zweifel und Befürchtungen immer weiter in den Hintergrund zurück . War mein Geist nun auf der einen Seite mit schwer wiegenden und mich vielfach beunruhigenden Dingen beschäftigt , so genoß ich auf der andern Seite in vollen Zügen das Glück , welches mir an Johanna ' s Seite erblühte . Und ein Glück war es , wenn ich in ihre sanften freundlichen Augen schaute , den Ton ihrer lieben Stimme vernahm und immer und immer wieder die Betheuerungen gegenseitiger Liebe und Treue mit ihr austauschte . Die flammende Röthe kam , wie ich sorgfältig beobachtete , seltner auf ihren Wangen zum Durchbruch , und indem ihr sinniger Ernst sich allmälig in eine bezaubernde kindliche Heiterkeit verwandelte , wies ich den gespenstisch drohenden Ausspruch meines Vormundes , » daß die Sünden der Eltern an den Kindern und Kindeskindern heimgesucht würden , « so oft der Gedanke daran mich beschlich , fast mit Hohn von mir . – Zwischen Anton , seinem Raben und mir hatte sich eine Art freundschaftliches Verhältniß gebildet , welches sich vorzugsweise dadurch verrieth , daß der arme unglückliche Mensch sich jedesmal , wenn ich auf der Oberförsterei weilte , einstellte , um , wie er vorgab , » den feinen jungen Herrn , der mit ihm an einem und demselben Tisch gegessen und seinen Jakob gerettet habe , « zu begrüßen und Johanna durch den Raben zum Kaffeekochen auffordern zu lassen . Der arme Bursche entfernte sich dann nie , ohne daß er gesättigt und auch noch auf andere Weise beschenkt worden wäre , und wir Alle ergötzten uns an dem sprechenden Ausdruck rührender Dankbarkeit , der aus seinen trüben Augen hervorleuchtete . Seine Mutter , eine böse Frau mit hinterlistigem Blick , sah ich nur einige Male aus der Ferne ; dagegen begegnete ich seinem hartherzigen Bruder mehrfach , in der That so oft , daß es den Anschein gewann , als ob er mir absichtlich in den Weg trete . Er begrüßte mich jedesmal sehr höflich und keine Miene seines brutalen Gesichts verrieth , daß er sich erinnere , einst mit einer geheimen Botschaft an mich betraut gewesen zu sein . Ich betrachtete den Menschen stets mit einem unüberwindlichen Mißtrauen , welches darin neue Nahrung fand , daß Bernhard , von dem damals die Botschaft ausgegangen war , ihn nicht kennen wollte und mit allen Zeichen ernster Besorgniß behauptete , das Papier einem andern , ihm als zuverlässig empfohlenen Manne zur Besorgung übergeben zu haben . Schimmernd in Schnee und Eis , schimmernd im Lichterglanz der in der Sylvesternacht zum letzten Mal angezündeten Weihnachtsbäume rollte das Jahr 1832 von der Erde . » Was wird uns das neue Jahr bringen ? « fragte sich Mancher , gleichviel , ob erfüllt von frohen Hoffnungen oder hart bedrängt von Kummer und Betrübniß . » Was wird uns das neue Jahr bringen ? « fragten sich Eltern in der zwölften Stunde , indem sie ihre friedlich schlummernden Kleinen mit frommen Wünschen im Herzen zärtlich beobachteten . » Was wird uns das neue Jahr bringen ? « fragten sich theure Angehörige , die thränenschweren Blicke auf das kalte , todesstarre Antlitz eines im Sarge ruhenden Familienhauptes gerichtet , fragte die Braut den Bräutigam , der Gatte die Gattin , der Bruder die Schwester . Draußen aber ertönte von den Kirchthürmen feierliches Glockengeläute und auf den freien Plätzen lustiges Schießen , während in festlich erleuchteten Hallen fröhliche Paare sich in rauschendem Reigen drehten , geröthete Gesichter sich in dampfenden , berauschenden Fluchen spiegelten und dem neuen Jahr ein geräuschvolles Willkommen entgegen jubelten , als ob dergleichen Feierlichkeiten einen besondern Einfluß auf den Lauf der Zeiten auszuüben vermocht hätten . » Was wird das neue Jahr bringen ? « fragte auch ich mich nach einem heiter und glücklich verlebten Abende auf der Oberförsterei , » Glück , Ehre und Ruhm bringt es mir , « beantwortete ich meine Frage mit der Bestimmtheit einer Schicksalsgöttin , » den Völkern aber Freiheit ; Freiheit nach langem Schmachten in sklavischen Fesseln ; Freiheit des Geistes und des Körpers , und Erlösung aus einem schwer drückenden Joch ! « Mit dem Rufe der Freiheit auf den Lippen war ich aus dem alten Jahr in das neue hinübergetreten ; mit dem Rufe der Freiheit im Heizen begann ich im neuen Jahre meine Tage , und wenn ich wirklich auf Stunden die Sorgen , welche ein , nach meiner Ueberzeugung , Welt erschütterndes Unternehmen im Gefolge hatte , von mir abzustreifen suchte , dann trafen gewiß geheime Nachrichten bei mir ein , welche mir schnell wieder den ganzen Ernst meiner Lage vor Augen führten . Geheimnißvoll trafen sie bei mir ein und in gleicher Weise gingen sie von mir aus . Ich lebte in einer beständigen fieberhaften Aufregung , und je naher der so heiß ersehnte entscheidende Zeitpunkt heranrückte , in um so höherem Grade wurde ich von dem wilden Freiheitstaumel ergriffen , in welchen theils die Verhältnisse , theils meine eignen hochfliegenden Pläne mich hineingedrängt hatten . Die starren Fesseln des Winters waren gebrochen , der Schnee schmolz auf den Bergen und rieselte in Bächen dem Rheinstrom zu . In der feuchten , jetzt wieder geöffneten Erde regte sich nach langem Scheintod wieder organisches Leben und ungeduldig harrten die noch verborgenen Keime darauf , durch einige warme Tage an ' s Licht gerufen zu werden , als ich eines Morgens ernster , wie ich gewöhnlich zu thun Pflegte , auf der Oberförsterei Abschied nahm . Meine Stimmung blieb nicht unbemerkt ,