Du , da meine ich nun , wenn ich meine Puppe recht lieb hätte , dann würde sie am Ende auch lebendig und ich fühle , daß ich sie sehr , sehr lieben werde ! Papa und Mama kann sie ohnehin schon sagen , — das konnte ja dem Herrn Pygmalion seine nicht einmal , und so denke ich , es vielleicht doch noch so weit mit ihr zu bringen , wie er ! “ — Und sie drückte den „ ledernen Balg “ an ihr klei ­ nes Herz , schaute ihm zärtlich und hoffnungsvoll in die blauen Glasaugen und war unendlich zufrieden . Ernestine sah ihr mit wehmütiger Verwunderung , zu , jetzt erst ward ihr das schöne Wort verständlich : „ Der Glaube macht selig ! “ und sie beneidete das Kind um seine Seligkeit . „ Würdest Du nicht lieber ein Hündchen oder Kätzchen haben ? “ fragte sie milde , „ das lebt , ißt und trinkt doch und man kann es füttern , es versteht , was man mit ihm spricht , läuft einem nach und ist anhänglich — wäre das nicht hübscher ? “ Über Angelikas rosiges Gesichtchen zog , wie ein Sonnenwölkchen , ein kleiner , ganz kleiner Kummer . „ Ach ! “ seufzte sie , „ ein Hündchen haben wir , aber ich kann es nicht füttern — es ißt und trinkt nicht ! “ „ Warum nicht , ist es krank ? “ „ Nein , es ist ausgestopft ! “ Ernestine konnte sich eines Lächelns nicht er ­ wehren , „ dann habt Ihr ja doch keinen Hund . “ „ Freilich , es ist ja unser Assor ! Er ist nur ge ­ storben und Mama ließ ihn ausstopfen . Nun liegt er immer still am Ofen und rührt sich nicht , und Mama sagt , er würde nicht wieder lebendig . Ach , Ernestine , es ist so traurig , — wenn ich ihn streichle , leckt er mich nicht mehr ! Ich rufe ihn wohl hundert ­ mal bei Namen und meine , er müsse den guten schwarzen Kopf nach mir umdrehen , aber er tut es nicht , er sieht und hört mich nicht mehr — und er hat mich doch so lieb gehabt . “ Die Kleine zog ihr Tuch aus dem Täschchen und fing an zu weinen . Ernestine suchte sie zu beruhigen . „ Deine Mut ­ ter hätte den Hund begraben lassen sollen , — Du hättest ihn dann vergessen und müßtest Dich nicht um ihn grämen . “ „ Nein , o nein , das hätte ich durchaus nicht ge ­ mocht . In die kalte Erde stecken , das treue alte Tier ? ! Das verdiente er nicht — er war so brav , er ging uns nie von der Seite und als er schon fast nicht mehr laufen konnte , kroch er aus seinem Körbchen , um uns zu begrüßen , wenn wir in die Stube kamen . Und als er auf meinem Schoße starb , da schaute er mich so traurig an , als wollte er sagen : nun muß ich fort von Euch , — und ich sollte ihn verscharren und vergessen wollen ? Das wäre ja abscheulich ! Nein , nein bei uns am Ofen soll er liegen , da hat er es doch besser als unter dem Boden und ich will immer daran denken , wie gut er war . — Und weißt Du , wenn Mama einmal stirbt , darf sie auch nicht begra ­ ben werden , — dann ziehe ich ihr ein Nachtjäckchen an und lege sie in ihr weiches Bett , darin mag sie bleiben . Dann denke ich mir , sie sei krank , setze mich alle Tage zu ihr , erzähle ihr was , und wenn sie mir auch nicht antwortet , ich weiß doch , was sie mir sagen würde , wenn sie sprechen könnte . Und wenn sie mich auch nicht mehr küssen kann , so will ich sie desto zärtlicher küssen . Nicht wahr , das ist doch besser , als wenn mir gar nichts mehr von ihr übrig bliebe ? “ Ernestine schüttelte den Kopf . „ Das geht nicht , Angelika , Leichen kann man nicht aufbewahren , sie verwesen ja ! Was denkst Du nur ? “ „ Ach ! Du sagst bei Allem , das geht nicht , das ist nichts — und verdirbst Einem die Freude . Weißt Du , daß das gar nicht hübsch von Dir ist ? “ Ernestine fühlte sich beschämt . Sie hatte fast an Angelika gehandelt , wie Leuthold an ihr . Das Kind empfand es schon schmerzlich , daß sie seine Puppen herabsetzte und seine kindischen Hoffnungen nicht teilte — und sie sollte nicht zucken , als ihr der Oheim die Hoffnungen des ganzen Daseins aus dem Herzen riß und ihr das Höchste , das Heiligste in den Staub zog ? Sie lehnte die gedankenschwere Stirn an die Scheiben und schaute den grauen jagenden Wolken nach , durch die kein Stern , kein Mondesschimmer drang . Es war dunkel im Zimmer geworden , ohne daß es die Kinder bemerkt hatten und Rieke erschrecke sie fast , als sie plötzlich eintrat und Licht brachte . „ Kommt denn die Mama noch nicht bald ? “ fragte Angelika mit einem tiefen Seufzer , „ sagen Sie ihr doch , ich möchte nach Hause . “ „ Ich werd ’ s bestellen ! “ erwiderte Rieke und ging hinaus . „ Du hast es satt bei mir ? “ flüsterte Ernestine schmerzlich vor sich hin : „ nicht wahr , Du kannst mich auch nicht leiden ? “ Angelika schwieg verlegen . Über Ernestinens Gesicht flog ein Zug tiefster Bitterkeit . „ Nun , ’ s ist echt — dann brauche ich Dich auch nicht gern zu haben . Der Oheim würde doch nur schelten , wenn ich ’ s täte ! “ „ Was ,