günstig placiert war , gerade auf mich zu und sprach französisch mit mir . Als sie aber erfahren , daß ich aus Berlin sei , sagte sie : » Da können wir ja deutsch sprechen . « Die Königin hatte die schönste Toilette und sah sehr gut aus : gelbe Robe mit blauen Aufschlägen ( die schwedischen Farben ) . Sie trug einen enormen Diamant auf der Brust und Diamantsterne im Haar . Etwa eine Stunde dauerte die Unterhaltung , bei der natürlich die mit Sternen Übersäten am meisten bedacht wurden . Mit Virchow unterhielt sich die Königin besonders lange . Dann wurden wir ins Erdgeschoß geführt , der König mit der Königin-Witwe voran . Da waren alle Zimmer , eine unabsehbare Reihe , mit den schönsten Speisen und Getränken besetzt . Vor allem auch Eis , was not tat . Die höchsten Herrschaften blieben , auch während des Essens , mit ihren Gästen zusammen und die Unterhaltung setzte sich fort . Als wir aufbrachen , hatte sich das Wetter aufgeklärt und es bot sich uns ein zauberhaftes Schauspiel . Die Brücken über den Mälar waren erleuchtet , und die langen Feuerlinien spiegelten sich in dem dunklen Wasser ; der Dampf der Schornsteine unserer Schiffe wurde von den Flammen mit erhellt , schwedische Nationallieder erklangen , und die Böller- und Kanonenschüsse endeten erst in Stockholm , wo wir um Mitternacht ankamen . Raketen , Feuerräder und Leuchtkugeln hatten uns derartig umzischt und umknattert , daß wir mehr als einmal fürchteten , auf unserem Schiffe könne ein Unglück geschehen . Jedenfalls sahen wir , wie Raketen in kleine Boote fielen , so daß die Leute Mühe hatten , ihre Kleider zu löschen . Unter grün- und rot-bengalischem Licht , in dem alle Villen erstrahlten , kehrten wir nach Stockholm zurück . Auf baldiges Wiedersehn . Dein W. G. So W. Gentz ' Stockholmer Briefe , woran ich , ehe ich in einem Schlußkapitel in seiner Biographie fortfahre , die Mitteilung knüpfen möchte , daß sich Briefe verwandter Art in großer Zahl im Gentzschen Hause vorfinden . Der Gang seines Lebens bedingte dies . Alljährlich auf langen Reisen abwesend und immer in herzlichem Verkehr , erst mit dem elterlichen Hause , dann mit der eigenen Familie , mußten sich solche Briefschätze wie von selber zusammenfinden . Über den größeren oder geringeren Wert der einen oder an deren Gruppe habe ich kein Urteil , doch schienen mir diese aus weniger bereisten Gegenden stammenden Nordlandsbriefe vor anderen den Vorzug zu verdienen . V Des deutschen Kronprinzen Einzug in Jerusalem . Hildebrandtstraße 5. W. Gentz als Mensch und Künstler ( Von 1874 bis 1890 ) Sommer 1874 machte W. Gentz , wie wir in unserem vorigen Kapitel unter gleichzeitiger Mitteilung einer ganzen Anzahl an seine Frau gerichteter Briefe mitteilen durften , seine Stockholmer Reise , der ein kurzer Aufenthalt in Heringsdorf folgte . Zu Beginn des Herbstes war er in Berlin zurück und nahm hier die große Arbeit wieder auf , der er schon seit Jahr und Tag in erster Reihe seine Kräfte widmete : » Des deutschen Kronprinzen Einzug in Jerusalem . « Er beendete dies Bild 1876 , in welchem Jahre es auf der Berliner Ausstellung erschien und die große goldene Medaille erhielt . Es ist jetzt eine Zierde der Nationalgalerie , und sowohl um seines Stoffes wie um seiner künstlerischen Vorzüge willen der Aufmerksamkeit jedes Besuchers sicher . Auch ich , wenn ich desselben ansichtig werde , werde von der poetischen Schönheit des zur Darstellung gebrachten Momentes : des Einziehens unter Palmen , jedesmal ergriffen , kann dies Bild aber , so sehr ich es schätze , doch nicht zu W. Gentz ' vorzüglichsten oder vielleicht richtiger nicht zu den mir sympathischen Arbeiten zählen . Mir persönlich ist er als afrikanischer Landschafter am liebsten , und diejenigen seiner Bilder , die sich damit begnügen , in wunderbarem Gegensatze die Sterilität und zugleich die schöpferische Fülle der Tropengegend wiederzugeben , also Wüsten- und Wasserflächen , übervölkert von Flamingos und anderem weißgefiederten Volk , entzücken mich mehr , ja fast möchte ich sagen , heimeln mich mehr an . Seine Knabenwanderungen im Wustrauer Luch und am Molchowsee , die von früh an sein Auge schärften , haben ihn durch sein ganzes Leben hin das am tiefsten und eigenartigsten erfassen lassen , was ihn schon als Kind am tiefsten in seiner Künstlerseele berührte : melancholische Flächen und schwermutsvolle Stille . Herbst 1876 also erschien das Einzugsbild . In der Zeit , die seitdem vergangen ist , schuf er unverändert weiter und kein Jahr verging , ohne daß sein Talent und seine Schaffenslust sich nicht neu betätigt hätten . Aus dieser Fülle , die hinter der Epoche von 1857 bis 1874 nicht zurückbleibt , sei hier nur einiger weniger Bilder erwähnt : Ein Harem auf Reisen , Supraporte für das Pringsheimsche Haus ; eine Koranvorlesung ; ein Sonnenstreifen ( Straße in Algier ) ; Mirjam am Quell als Illustration zu Ebers ' Homo sum ; Marabustorch und Flamingos ; Abend am Nil ; Mameluckengräber bei Kairo ; Koptische Christen in den ersten Jahrhunderten , und eine große Zahl von Porträts , besonders Negerköpfe . Dazu gesellt sich eine lange Reihe von Illustrationen , unter denen die zu Georg Ebers ' großem Werk : » Ägypten in Wort und Bild « in erster Reihe stehen . Es sind ( fünfundvierzig an der Zahl ) fertige Feder- und Tuschzeichnungen , die auf Holz photographiert und dann geschnitten wurden . * Alle diese vorstehend aufgezählten Bilder , entstanden in dem der Künstlerwelt wohlbekannten Hildebrandtstraßen-Hause , das , wie schon hervorgehoben , im Jahre 1869 von W. Gentz erworben und , um sein eigenes Wort noch einmal zu zitieren , » orientalisiert « wurde . Diesem Hause wenden wir uns jetzt zu . Es besteht aus einem Souterrain , einem Erdgeschoß und einem ersten Stock ; im Souterrain befinden sich die Wirtschaftsräume , im ersten Stock die Ateliers von Vater und Sohn , im Erdgeschoß die Familien- und Repräsentationszimmer ,