ein Haupt -- ein kolossales Haupt , welches sich zu dem Eisberge neigte und an demselben ruhte . Zwei dünne Hände , unter der Stirn gefaltet und sie stützend , zogen einen schwarzen Schleier vor die unteren Züge des Gesichts ; eine völlig blutloß Stirn , so weiß wie Elfenbein , und ein hohles und starres Auge , in dessen gläsernem Ausdruck sich nur Verzweiflung zu erkennen gab , waren allein sichtbar . Ueber den Schläfen unter schwarzen Turbanfalten , so unbestimmt und undeutlich in ihrem Charakter , wie eine Wolke , schimmerte ein Ring von weisen Flammen mit Funken wie mit Edelsteinen besetzt , die eine dunklere Färbung hatten . Dieser blasse Halbmond war das Abbild einer Königskrone . " Waren Sie glücklich , als Sie diese Bilder malten ? " fragte Herr Rochester sogleich . " Ich war in Gedanken versenkt , mein Herr ; ja , und ich war auch glücklich . Kurz , bei dem Malen derselben empfand ich ein so lebhaftes Vergnügen , wie nur je in meinem Leben . " " Das ist nicht viel gesagt . Ihrer Freuden waren nach Ihrem eigenen Berichte sehr wenige ; doch ich möchte behaupten , Sie waren in dem Lande künstlerischer Träume , während Sie diese seltsamen Farben mischten und ordneten . Saßen Sie jeden Tag lange dabei ? " " Ich hatte sonst Nichts zu thun , weil wir Ferien hatten , und ich saß vom Morgen bis Mittag und vom Mittag bis Abend dabei , und die langen Sommertage begünstigten meine Neigung . " " Und Sie waren zufrieden mit dem Erfolge Ihrer anstrengenden Arbeiten ? " " Weit entfernt . Der Contrast zwischen meiner Idee und dem Werke meiner Hände quälte mich : in jedem dieser Fälle hatte ich mir etwas vorgesetzt , was ich zu verwirklichen nicht im Stande war . " " Es ist Ihnen doch nicht ganz mißlungen -- Sie haben den Schatten Ihres Gedankens gesichert ; aber wahrscheinlich weiter Nichts . Sie besaßen nicht genug von der Geschicklichkeit und Wissenschaft des Künstlers , um ihm vollständiges Dasein zu geben ; doch die Zeichnungen sind für ein Schulmädchen eigenthümlich . Die Gedanken sind feenhaft . Diese Augen in dem Abendstern müssen Sie in einem Traum gesehen haben . Wie konnten Sie machen , daß sie klar und doch durchaus nicht glänzend aussahen ? Denn der Planet drohen dämpft ihre Strahlen . Und welche Bedeutung liegt in ihrer feierlichen Tiefe ! Und wer lehrte Sie , den Wind zu malen ? Da weht ein heftiger Sturm unter diesem Himmel und über jene Hügel dahin . Wo sahen Sie Latmos ? Denn das ist Latmos . Da -- legen Sie die Zeichnungen weg ! " Kaum hatte ich die Mappe zugebunden , als er nach der Uhr sah und plötzlich sagte : " Es ist neun Uhr : was denken Sie , Miß Eyre , daß Sie Adele so lange aufbleiben lassen ? Bringen Sie sie zu Bette . " Adele kam , ihn zu küssen , ehe sie das Zimmer verlies . Er duldete ihre Lieblosung , doch schien er sich kaum mehr daran zu erfreuen , als Pilot würde gethan haben , oder noch nicht einmal so sehr . " Ich wünsche Ihnen Allen jetzt eine gute Nacht , " sagte er , eine Bewegung mit der Hand nach der Thür machend , zum Zeichen , daß er unserer Gesellschaft müde sei und uns zu entlassen wünsche . Mistreß Fairfax legte ihr Strickzeug zusammen , ich nahm meine Mappe , wir verneigten uns gegen ihn , wogegen wir eine kalte Verbeugung von ihm erhielten , und so entfernten wir uns . " Sie sagten , Herr Rochester hätte nichts besonders Eigenthümliches an sich , Mistreß Fairfax , " sagte ich , nachdem ich Adele zu Bette gebracht hatte , und wieder in ihr Zimmer zurückgekehrt war . " Nun , ist es denn der Fall ? " " Ich denke es : er ist sehr veränderlich und spricht so abgebrochen . " " Es ist wahr ; ohne Zweifel muß er einer Fremden so erscheinen ; doch ich habe mich so an sein Wesen gewöhnt , daß ich nie daran denke ; und dann , wenn er ein eigenthümliches Temperament hat , so muß man ihm etwas zu Gute halten . " " Warum ? " " Weil es in seiner Natur liegt , und Niemand seine Natur ändern kann ; und zum Theil , weil er ohne Zweifel von schmerzlichen Gedanken gequält wird , die seine Stimmung ungleich machen . " " Weshalb denn ? " " Eines Theils Familiensorgen . " " Aber er hat ja keine Familie . " " Nicht jetzt ; aber er hatte sie doch -- oder wenigstens Verwandte . Er verlor erst vor wenigen Jahren seinen älteren Bruder . " " Seinen älteren Bruder ? " " Ja . Der gegenwärtige Herr Rochester ist noch nicht lange im Besitz des Vermögens : erst etwa seit neun Jahren . " " Neun Jahre ist schon eine ziemliche Zeit . Liebte er denn seinen Bruder so sehr , daß er wegen seines Verlustes noch immer untröstlich ist ? " " Nun -- vielleicht nicht . Ich glaube , es waren einige Mißverständnisse zwischen ihnen . Herr Rowland Rochester war nicht Herr Eduard , und vielleicht wußte er seinen Vater gegen ihn einzunehmen . Der alte Herr liebte das Geld und war sehr geneigt , die Familienbesitzung zusammen zu behalten . Er wollte sein Vermögen nicht durch Theilung verringern , und wollte doch , daß Herr Eduard auch Reichthum haben sollte , um den Ruhm des Namens aufrecht zu erhalten ; und bald nachdem er volljährig geworden , that man einige Schritte , die nicht ganz recht waren und großes Unheil anrichteten . Der alte Herr Rochester und Herr Rowland vereinten sich , um Herrn Eduard in eine schmerzliche Lage zu bringen , um sein Glück zu machen : worin diese Lage eigentlich bestanden , habe ich