erlaubte mir eine Satire auf Ihre Kosten . Fräulein Zauner - und hier verneige ich mich vor der Inhaberin dieses berühmten Namens und fordere die Herren und Damen zu einem dreimaligen Hoch ! auf die verehrte Freundin und Künstlerin auf ! - so , Fräulein Zauner würde es als eine persönliche Spitze empfinden , wenn ich von meinen Erlebnissen mit einer ihrer Kolleginnen im fernen Südwesten berichtete . Und nun muß ich Ihnen in der Tat ein Geständnis machen . Ich bin nicht der Held und Abenteurer , für den Sie mich halten . Ich danke für Ihre zuvorkommende Meinung - aber ich muß zugeben , daß sie mich in eine schiefe Stellung drängt . Sie zwingt mir eine Geste auf . Und wenn Sie so fortfahren , dann wird es nicht lange dauern und ich werde mich selbst von dem , der ich in Ihren Augen bin , nicht mehr unterscheiden können . Denn die Wahrheit ist , daß ich auf meinen weiten Reisen , die ich gründlicher und tiefer zurückgelegt haben mag als mancher andere , nichts zugelernt , und , was wichtiger ist , nichts vergessen habe , wie einst die bekannten Berufskönige . Alle meine Kräfte und Sorgen , meine Leidenschaften und Hemmungen , sind legitim geblieben . Es ist mir nicht , wie Peer Gynt , dem Phantasten ohne Persönlichkeit , gegangen . Immer habe ich gewußt , wo mein Kaisertum unerledigt geblieben ist und wo die Arbeit und die Mission des Lüstebringers auf mich warten . Denn zutiefst im Menschen liegt der Hunger nach Lust . Dieses Lustmotiv ist der Angelpunkt des gesamten vegetabilischen und animalischen Lebens . Es dürfte Ihnen kaum neu sein , dies zu erfahren . Aber neu ist Ihnen vielleicht das Folgende : Im Animalischen hat es sich , je höher der Typus steht , einen desto feineren und verwickelteren Apparat geschaffen , die Phantasie . Diese ist , obschon sie auf dem Prinzipe der Spiegelung beruht , der Träger aller Gestaltungs-und Schöpferkraft . Sie beobachtet und reflektiert und holt scheinbar aus dem Felsen des Bestehenden die Goldader der Erkenntnis ; in Wirklichkeit härtet sie diesen Felsen , das Phantoplasma , erst mittels Erfahrung . Zu den ewigen Gesetzen einer ewig gleichen Natur , die sich an uns erfüllen , nein , deren Erfüllung wir wahrscheinlich sind , haben wir uns je einen Zirkel , ein System von Gründen erfunden . Aber diese Gründe sind nie triftig , auch nicht für unsere Existenz . So wie wir hier versammelt sind , so sind wir auch die geborenen Lügner und Heuchler , pathologische Schwätzer , die wir die Wirkungen fälschen , die wir aufeinander ausüben . Unser wirklicher Verkehr findet durch organische Teile des Körpers statt , die wir nicht kennen und kaum je kennen lernen werden . Wir beeinflussen einander durch Paniken . Wie grauenvoll abgesperrt und einsam wären wir für einander , wenn nur der Bewußtseinsakt allein uns vereinigen könnte ! Und nun sehen Sie , die Dinge , die ich auf meinen Reisen erlebt habe , waren so fade , gemein und abgeschmackt , wie es nur je die Dinge unter Menschen sein können . Aber mir war es gegeben , für eine kurze Weile in ein fremdes Phantoplasma zu reisen , einen fremden Lebensakt in mich einzuschalten und abzuspielen . Da war ein Indianermädchen namens Zana , von kleinem ausgeprägtem Wuchs . Ich liebte sie , es war für mich Gesetz , daß ich sie liebte . Aber was wußte ich von ihr , was konnte ich von ihr wissen ? Sie alle , die Sie hier meine Gäste sind , wären vor der fremden Welt so unklug , hilflos , voreilig oder planlos gewesen wie ich . Die kleinen Reibungen der vielen Ichs in einer gegebenen Nachbarschaft nehmen den Ablauf des Lebens ein hier wie dort und schaffen die Qual der Enge , dann die Linderung oder schmerzhafte Kälte der Trennung hier wie dort . Und ihretwegen vermeide ich die ausführliche Berichterstattung , daß niemand sich getroffen fühle . Denn meine Erlebnisse sind stets so gewesen , daß sie immer nur Anspielungen auf die Grunderlebnisse meiner und Ihrer Kultur wären . Das Wesentliche bleibt überall unter den Gestirnen gleich . Alles , was Abwechselung in die Monotonie des Reisens bringt , ist die geänderte Anschauungsform , die vage Erinnerung an uralte Zustände ; das fremde Phantoplasma . Niemand von Ihnen , wenn ich so die Tafel hinabblicke und mir die vollzählig erschienenen Typen unserer Kultur beim Namen nenne , wird sich von dem , was ich wirklich zu erzählen hätte , eine Vorstellung machen können . Ihre Anschauung ist zu einseitig , selbst zuviel höherer Djungle und zu organisch , als daß sich in ihr ein anderes weitaus primitiveres und unmittelbareres Phantoplasma spiegeln könnte . Wie kann ich Ihnen Existenzen des Djungles vor Augen rücken - vielleicht , sage ich , könnte ich eine schriftstellerische Lebensaufgabe daraus machen , ein Erziehungsproblem , eine Modernisierung Ihrer Vorstellung ins Werk setzen . Denn ich ahne voraus , daß sich Zukunft und Urvergangenheit berühren . Sie aber , meine Damen und Herren , befinden sich augenblicklich gleich weit von beiden entfernt . Und doch wäre es wert , jedermanns Aufmerksamkeit auf die wichtige Tatsache zu lenken , daß er vom Djungle abstammt und daß das moderne Leben alle die alten Tugenden von ehemals wieder in ihm zu entfesseln strebt . Nun setze ich voraus , daß Sie alle meiner gewagten , aber äußerst gleichniskräftigen Behauptung zustimmen , wenn ich unsere Kultur in ihrem Hochstande eine solche der fünften Dimension nenne . Das ist ein Gleichnis , denn merken Sie wohl , auch ich spreche hier nur als ein Geschöpf des Phantoplasmas , und die realen Wirkungen , die ich mit Hilfe meiner Dialektik auf Sie auszuüben scheine , sind schlechterdings nichts anderes denn eine logische Umschmelzung von Vorgängen , die unserer Aufsicht entrückt sind . - Hm . Geben Sie acht ! Der Djunglemensch hat ein Phantoplasma . Es