» Dor ! Kannst ne kieken ? « » U Minsch , wat süht de mol ut ! Ganz anners as to . « » Höh , Klaus Störtebeker ! « » Höh , Peter ! Non , wat mokst ? « » Ik griep Schomokers , kumm man her , kannst noch mit ankommen ! « » Wat goht mi Schomokers an ? Wi wöt teern un smeern , wat meenst ! Uns Eber süht ut as ik weet ne wat . « » Klaus Störtebeker , wullt mien Kninken mol sehn ? « » Ik hebb keen Tied , Krischon , mütt Teer holen . « Und Klaus Störtebeker ging mit der Teerpütze in der Hand an ihnen vorüber und freute sich , als er fühlte , daß sie ihm nachguckten . Er war größer und brauner geworden : sein Gesicht war das eines Indianers , sein Gang aber war der eines Fischermannes , und seine Hände waren die eines Tagelöhners . » Dat is keen Kirl mihr för Hus und Hoff , dat is een för Schipp un See « , hatte der alte Jäger zu Gesa gesagt . Störtebeker hörte es und vergaß es nicht wieder . Und er vergaß auch nicht , was der greise Willem Fock ihm sagte , der sich am Deich von seinen langen Fahrten ausruhte . Er unterzog den Jungen einer Kleinschifferprüfung , fragte ihn nach Wind und Wetter , Fang und Markt und freute sich über die fahrensmännische Klugheit des kleinen Gesellen . » Hest den flegen Hollanner ok sehn ? « » Ne , Willem , denn stünn ik woll ne hier . De den flegen Hollander in Sicht kriegt , de blifft ! « » So , so meenst du dat ? Non , denn wohr di man vorn flegen Hollanner , Störtebeker , wenn du grot büst , un seh man to , dat du jümmer goden Wind hest , un ward man een fixen Fischermann , hürst ? « » Jo , Willem , dat will ik ok « , sagte der Junge mit lachendem Munde und ging stolz weiter . Da spielten die Mädchen Ringelreihe und sangen dazu : Es fuhr ein Matrose wohl über das Meer , nahm Abschied vom Liebchen , sie weinte so sehr ... Störtebeker blickte sie gar nicht an , sondern ging in den Kramerladen hinein und ließ sich die Pütze voll Teer gießen . Kinderspiel war ihm fremd geworden , er war Fischerjunge und fuhr bei seinem Vater auf dem Ewer . * * * Sonnenwende , Sonnenwende ! A und O von Finkenwärder , der kleine , schwarze Ewer H.F. 1 , Jan Sieverts Hoffnung , und der große weiße Kutter H.F. 190 , Jakob Cohrs ' Möwe , die noch die Kränze vom Stapellauf in den Toppen flattern , lagen im Köhlfleet beieinander , und um sie herum und auf den Schallen ankerten wohl hundertfünfzig große Ewer und Kutter . Schwarz , grün , rot und weiß spiegelten die Steven sich im Wasser , und jede Farbe hatte ihren eigenen Sinn . Schwarz rührte von den alten Fahrensleuten her , die als die ersten das Watt hinter sich ließen und sich auf die offene See wagten , die bei Helgoland und Terschelling die dunkeln , holländischen Logger und die schwarzen , englischen Smacken sichteten . Sie hatten auch weder Zeit noch Geld , das Fahrzeug anzumalen und aufzuzieren . Grün brachten die Bauernjungen auf , als sie die Pflüge verrosten ließen und sich auf die Seefischerei warfen . Sie wollten auf der grauen , kahlen See an ihre grünen Felder und Wischen , an ihre Linden und Eschen erinnert sein , wenn sie kein Land in Sicht hatten . Rot erwählten sich die glücklichsten Fischerleute , die Störfänger und Beutemacher , die Schollenkönige , die gern etwas Besonderes aufzuweisen wollten und denen es auf den teuern Zinnober nicht ankam . Weiß aber war die erklärte Farbe der jungen Fischer , die noch dabei waren , ihr Marinerzeug aufzutragen , und die noch draußen klüsten , wenn andre schon im Hafen lagen . Einer von ihnen wurde gewahr , wie prächtig seinem Kutter der weiße Berg von Schaum und Gischt vor dem Steven zu Gesicht stand , und binnengekommen , wußte er nichts Besseres zu tun , als den Bug weiß zu malen , damit das Schiff beständig im Schaum wühle . Hochwasser ! Eine schlanke , östliche Brise bläst von Hamburg herunter , umstreicht Heitmanns weißen Leuchtturm und die mächtige Königsbake , das alte Wahrzeichen von Finkenwärder , rauscht durch das Reet des Pagensandes und läßt die Flögel tanzen : es ist ein Plan zum Fahren , wie er nicht besser sein kann . Und doch bleiben alle Fahrzeuge liegen : nirgends werden die Segel aufgezogen und die Draggen aufgehievt . Wahrlich , es muß ein großes Ding sein , das diese mächtige Flotte , die gewaltigste der deutschen Küsten , im Hafen festhält und die Helgoländer Bucht vereinsamen läßt ! Es ist ein großes Ding : Karkmeß ist da , der Jahrmarkt , der Sonnwendtag der Finkenwärder Fischerei , ein Tag von so großer Bedeutung und so tief eingreifend in das Leben und Treiben des Eilandes , daß es Ehren- und Notsache jedes Fischers ist , heimzufahren und dabei zu sein . Knecht und Junge würden schöne Gesichter machen , wenn sie Karkmeß nicht kriegten , und bei den Nachbarn hieße es : » Den geiht dat jo woll bannig lütt : he is jo ne mol Karkmeß bi Hus wesen ! « Von Finkenwärder erzählen und Karkmeß vergessen , hieße nach Rom reisen und den Papst nicht sehen , denn Karkmeß ist die große Sonnenwende von Finkenwärder , ist der Nordstrich auf seinem Kompaß und Mittelpunkt der Zeitrechnung der Seefischer . Soundsoviel Reisen vor Karkmeß oder soundsoviel nach Karkmeß , das hört einer am Deich auf Schritt und Tritt und » söben Weeken vör Karkmeß « oder » fief Weeken no Karkmeß « sind genaue