so ward ein süß verlassen Weib glücklich gemacht , und es lebt ein himmlisch Geschöpf auf der Welt mehr , aller Augen zu entzücken . « Er ließ das Buch sinken und sah sie mit freudigen Blicken an . Olga nahm das Buch , das ihr der Bruder einmal geschenkt hatte , aus seiner Hand , blätterte darin , vertiefte sich in einen anderen Satz und las auch den . » Ein Weib ist doch das armseligste Ding auf Erden ... Gefesselt auf allen Seiten , dürfen wir keinen freien Schritt tun , wo uns der Geist hinleitet , - ohne Schmach und Schande . « Lore blickte ruhig vor sich hin , ihre großen , grauen Augen leuchteten auf , und sie schüttelte leise den Kopf . Stanislaus betrachtete sie . Er sah , wie der lichte Schein sich über die strengen Züge ihres Gesichts breitete , die herben Linien des dunklen Teints weich erscheinen ließ . Er sah , wie sich ein Lächeln ihrer Seele offenbarte , ohne eine Bewegung der Lippen , - ein Lächeln , das auf dem Strahl des Auges herangeschwebt kam , aus der Tiefe . Olga sagte : » Und hat Sie dieses Erlebnis niemals um Ihre Ruhe gebracht ? « Nun ergriff das Lächeln Besitz vom Munde , streckte die breitgezeichneten , geraden Lippen und ließ die weißen Zahnreihen fröhlich blinken . Sie schüttelte den Kopf . » Um meine Ruhe ? - so manches Mal . Aber es war immer ein gutes , herzliches und glückliches Gefühl dabei « , sagte sie einfach , mit ihrer starken Stimme . » Und Sie haben sich nie - unfrei gefühlt ? « » Liebe - und was ihr verwandt ist - darf nie unfrei machen . « » Und wenn sie es doch tut ? « » Dann muß man laufen , - fortlaufen über alle Berge ! « » Und wenn Sie der Mann im Stich gelassen hätte ? « » Nun , rein äußerlich , sozusagen lokal « , sie lachte kräftig , - » hat er mich ja im Stich gelassen . Und innerlich - « » Nun ? « » Innerlich war ich nie verkettet « , fügte sie leise , bekennend hinzu . » Er hat aber nie etwas getan , - was Sie schwer enttäuschte « , fuhr Olga fort , und ein fremder , schmerzlicher Zug , den Stanislaus mit Bangen betrachtete , lag auf ihrem Gesicht . Lore schüttelte den Kopf . » Alles war klar und kam , wie erwartet . « » Und wenn er Sie getäuscht hätte ? « » Dann hätte ich , da ich ja doch das Lörchen davontrug , - mich wohl von ihm , aber nicht vom Schicksal betrogen gefühlt . « » Das Lörchen , das liebe Lörchen ! - Das ist freilich ein reeller Besitz « , sagte Stanislaus . » Aber das Kind hat viel verloren durch die Trennung der Eltern , durch die Vaterlosigkeit . « » Ich weiß nicht , ob das so schlimm ist , wie es erscheinen könnte . Der Vater hilft mir ja , dafür zu sorgen . « » Doch - doch ! Es ist nicht gut für das Kind , - glauben Sie es mir ! Und nicht etwa aus konventionellen Gründen . Ein Kind braucht einen Vater , - einen ihm immer nahen , dauernden Freund , der ihm hilft , sich zurecht zu finden , in diesem Wirrwarr . « » Aber ist denn jeder Vater ein solcher Freund ? « meinte Olga , » ich zweifele daran . « » Ich zweifele sicherlich nicht minder , « sagte Stanislaus lächelnd , » ich sage nur : schlimm ist ' s für jedes Kind , das solchen Freund , der über seine Jugend wacht , nicht neben der Mutter noch hat ... Nicht gerade der Vater muß es sein « , fuhr er nachdenklich fort . » Der Erzeuger ist wohl der erste für dieses Amt . Aber ist er nicht zur Stelle « - er blickte grübelnd vor sich hin , - » dann kann es auch ein anderer sein . « » Welcher andere « , meinte Lore , seufzend , » wird wohl gern und dauernd dieses Amt übernehmen . « Gedämpft , mit schamhaftem Gesicht , erwiderte Stanislaus : » Das wird einer tun , - der - der sein Schicksal mit dem der Mutter verbindet . « » Der Stiefvater also « , sagte Lore und sah ihn , mit lächelnden Augen , voll an . » Der Stiefvater - ganz recht ! « erwiderte Stanislaus , über dessen Gesicht sich Röte verbreitet hatte , - brach ab und schien seine Gedanken weiter zu spinnen . Die drei schwiegen . Nach einer Weile fuhr Stanislaus fort : » Es müßte interessant sein , das zu erforschen . « » Was denn ? « fragte Olga . » Das Schicksal der unehelichen Kinder . - Hier müßte man nach zwei Gesichtspunkten untersuchen « , fuhr er fort , vertieft in sein Thema , - als zeichne er eine Disposition . » Man müßte erstens « - er schob den Daumen vor - » die Entwickelung jener Kinder verfolgen , deren Mütter ledig blieben , - und zweitens « , der Zeigefinger folgte , » die der anderen , deren Mütter später noch zur Ehe gelangten . « » Du meinst die , die schließlich den Vater ihres Kindes heiraten ? « Zögernd und gedehnt , kam es heraus : » Die meine ich eigentlich nicht , - das heißt auch , aber hier liegt nicht das wesentliche Problem . « » Sondern ? « » Ich meine - mich interessiert eine besondere Gruppe - - ich meine die - eben die Familie , - in der der Gatte nicht der Vater des Kindes ist , das das Mädchen schon vor der Ehe besaß ... Diese - diese Stiefvaterfamilie , die erscheint mir