Man ißt sie doch nicht mit ! « » Aber sie waren doch da ! Das ekelt ! « » So wartet man nicht so lange ! « Da machte ich mir den Spaß , mit lauter Stimme dazwischen zu rufen : » Auf keinen Fall ! Man hat unbedingt zu warten , bis die Würmer da sind ! Dann werden die Tatzen gebraten ; die Würmer aber verfüttert man an die Rotkehlchen und Nachtigallen ! « Gleich sofort hörte ich das Herzle lachend sagen : » Das ist mein Mann , der Schalk ! Er ist uns nachgeschlichen . Wo steckt er denn ? « Ich vermutete , daß sie sich nach mir umschaute . Sehen konnte ich sie nicht mehr . Darum rief ich : » Hier bin ich - hier ! « » Wo denn ? « fragte sie . » Hier oben ! Bei Maksch Pappermann ! « » Scherz ! Sag es ernst ! « » Nun gut : Ich sitze da auf dem nächsten Baume ! « » Nichts als Allotria ! Nimm doch Verstand an , und sprich vernünftig ! « » Ganz wie du willst ! Der junge Adler mag in seine linke Westentasche greifen . Da stecke ich ! « » Uff , uff ! « rief der Genannte . » Jetzt weiß ich es , jetzt , jetzt ! « » Was ? « fragte sie . » Er ist gar nicht da , gar nicht hier ! Seine Stimme klingt bald von oben , bald von unten , bald von rechts und bald von links . Er steht noch da , wo wir ihn verlassen haben ; aber er hat die Fähigkeit entdeckt , uns seine Stimme bis hierher zuzusenden ! « » Sollte das wirklich sein ? « » Gewiß ! « » Dann wäre das wohl die Ueberraschung , von welcher er sprach ? « » Sehr wahrscheinlich . Ihr sagtet soeben , daß er nicht eher ruhen werde , als bis er hinter diese Ohr-und Kanzel-Sache gekommen sei . Nun kann er ruhen . Er hat es schon entdeckt ! « Da sprach ich hinein : » Er hat Recht . Ich ruhe ! « » Wo ? « fragte sie . » Hier auf meiner Insel . Ich stehe vor dem Häuschen . « » Wirklich ? Oder foppst du noch immer ? « » Nein . Jetzt bin ich ernst . Ich habe Bildung angenommen . Ich stehe wirklich hier am Inselhäuschen und höre euch ebenso gut , wie ihr mich hört . Das ahnte ich . Ich werde euch den Sachverhalt erklären . Ich schickte euch nach der andern Insel , um die Probe auf meine Vermutung zu machen . Sie ist gelungen . Sie stellt mich außerordentlich zufrieden , wirklich außerordentlich ! « » Wenn das so ist , wie du sagst , so gleicht es fast einem Wunder ! « rief sie aus . » Und ist doch ganz und gar kein Wunder , sondern nur die kluge , sorgfältige Anwendung eines einfachen Naturgesetzes . « » Da können wir doch von da aus , wo du jetzt bist , die Verhandlungen der Indianer belauschen ! « » Ja ! Vom Anfang bis zum Ende ! In aller Gemächlichkeit und Sicherheit ! Denke dir ! « » Hörst du mich denn wirklich ganz deutlich ? « » Genau so , als ob du hier bei mir stündest ! « » Ich dich ebenso ! « » Schön ! Aber machen wir trotzdem einmal eine Probe auf die Stärke oder Schwäche des Tones und auf den Punkt , auf dem man stehen muß , um ja kein Wort zu verfehlen ! « Auch diese Probe gelang sehr gut . Nur was geflüstert wurde , war nicht zu verstehen ; es klang wie ein Hauch , der keine Worte hat . Und wenn man laut rief , so rollte es fast wie Donner . Man konnte fast darüber erschrecken . Dabei ging die Deutlichkeit um einen Teil verloren , doch nur um einen sehr geringen . Aber Alles , was zwischen diesem Flüstern und diesem Donnern lag , klang genau so , als ob man sich nicht an zwei so entfernten Punkten , sondern an einem und demselben Orte befände . Schließlich machte das vorsichtige und stets sichergehende Herzle den Vorschlag , unsere beiden Positionen einmal zu vertauschen . » Du kommst hierher nach meiner Insel , und ich komme nach der deinen , « sagte sie . » Unterwegs treffen wir einander . Du aber legst irgend Etwas , was ich dir jetzt sage , in das Häuschen hinein , damit ich mich überzeuge , daß du dich jetzt wirklich dort befindest . « » So glaubst du jetzt immer noch , ich scherze ? « » Nein , denn hier bei uns bist du nicht , auch nicht in unserer Nähe . Wir würden dich sehen . Aber ich verstehe von Eurer Akustik und Euren Naturgesetzen so wenig , daß ich nur meinen Augen trauen kann , nicht aber der Wissenschaft oder gar deinem Schalk im Nacken ! « » So sag , was soll ich herlegen ? Meine Uhr , mein Messer ? « » Nein , sondern etwas Poetisches ! « » Nun , was ? « » Einen Liebesbrief ! « » Oho ! An wen ? « » An mich natürlich . Es ist ja keine Andere da . Nimm also ein Blatt aus deinem Notizbuche , und schreibe darauf , was ich dir jetzt diktiere ! « » Gut ! Das Blatt ist da , der Bleistift auch . Nun sprich ! « Sie diktierte Folgendes : » Mein teures Herzle ! Ich liebe Dich und bleibe Dir treu bis in den Tod . Zu Deinem nächsten Geburtstage bekommst Du fünfzig Mark für das Radebeuler Krankenhaus . Ich halte Wort und unterschreibe es mit meinem eigenen Namen ! « » Nun unterschreib aber auch ! «