verschwähert ist . « Nachdem wir unsere Pferde in einer Herberge untergebracht hatten , begab ich mich zum Werber , der unter Trommelwirbel und Pfeifenklang den herbeigeströmten Gesellen das Laufgeld bot . Die bereits Angeworbenen hatten Tannenzweige auf die Hüte gesteckt und sprachen unter Johlen dem gespendeten Biere zu . Ich eröffnete dem Feldwaibel , auch ich wolle gern zur schwedischen Fahne , jedoch erst in Magdeburg , wohin ich meinen Herrn , einen böhmischen Junker , zu begleiten habe . » So kommet auf meinen Kahn , « sagte der Feldwaibel , » morgen früh fährt er abwärts mit meinen Rekruten . Nur auf der Wasserstraße gelanget man nach Magdeburg , ohne Gefahr zu laufen , von streifenden Parteien gefangen zu werden . « Diese Mitteilung brachte mich in Verlegenheit . Ich mochte die Jungfer Gräfin nicht unter trunkene Soldaten bringen , aber auch nicht der Feindesgefahr aussetzen . Schließlich machte ich mit dem Werber aus , daß ich mit meinem Junker möglichst weit zu Pferde reisen und erst zu Beginn des Magdeburgischen Gebietes den Kahn besteigen werde . Zum Treffpunkt bestimmten wir das Städtchen Aken , wo der Kahn am übernächsten Tage eintreffen und einen zweiten Rekrutentrupp aufnehmen sollte . Andern Tages ritt ich mit Thekla nach Aken , und nachdem wir daselbst übernachtet hatten , langte der Kahn mit den Soldaten an . Ich stellte dem schwedischen Feldwaibel meinen Junker Jaroslaus vor , und wir begaben uns nebst den neuen Rekruten auf den geräumigen Kahn . Da der Wind in die Segel griff und starke Strömung war , so hatten die Ruderer leichte Arbeit , hurtig flogen die Weidengebüsche , Wälder , Auen und Dörflein vorüber . Sonsten war unsere Reise nicht anmutig , dieweilen die Soldateska unaufhörlich Bier trank und johlte . Wiederholt mußte ich Kerle zurückdrängen , wenn sie meinem Junker zu nahe kamen oder Kameradschaft mit ihm trinken wollten . Hätte mich nicht der Feldwaibel in Schutz genommen , ich wäre in Streit mit den Söldnern geraten . Denk ich an diese Reise zurück , so klinget mir ein Lied vor den Ohren , das man auf dem Kahne wieder und wieder sang : » Ein Schifflein sah ich fahren , Kapitän und Leutenant . Darinnen waren verladen Zwei Fähnlein brave Soldaten . Kapitän , Leutenant , Fähnderich , Sergeant , Nimm das Mädel , nimm das Mädel , Nimm das Mädel bei der Hand - Soldaten , Kameraden ! « Über dem linken Ufer sank rot die Sonne nieder , als in der Ferne der Dom von Magdeburg auftauchte , und dann kamen wir an Buckau und Sudenburg vorbei . Eine Zähre im Auge , begrüßte ich die vaterländischen Gefilde und nennete meinem lieben Junker die Dörfer und die Insel Rotehagen . Böllerschüsse donnerten uns zum Gruße vom südlichen Rondell entgegen , und nun lag die Stadt in ihrer Breite vor uns mit Wällen , Mauern und Verteidigungstürmen , mit wimmelnden Bürgerhäusern und ihren zwanzig Kirchen , die düster in den gelben Abendhimmel ragten . Unter der Brücke fuhren wir durch , die von den beiden Hunden flankiert wird , wie der Volksmund zwei Geschütze wegen ihres Bellens und Beißens nennet . Von der Brücke und noch mehr vom Fischerufer jubelten uns die Magdeburger zu , während auf unserm Kahne gesungen ward : » O Magdeburg , halt feste , Du wohlgebauet Haus ! « Da mit dem Schwedenkönig ausgemacht war , die Soldaten hätten außerhalb der Stadtmauer zu quartieren , so mußten wir an der Altstadt vorbei und legten erst in der Neustadt an . Die Sehnsucht nach ihrer Schwester trieb Thekla , sich unverzüglich in die Altstadt zu begeben . Ich geleitete sie bis zur Hohen Pforte , wo ich nebst ihrem Ade einen innigen Dank empfing und dann zurückkehren mußte , dieweilen ich ja als schwedischer Rekrut keinen Einlaß erhielt . In einem Bretterhause mit dem angeworbenen Volk kampierend , fand ich wenig Schlaf , da mich der Kameraden Lallen und Schnarchen störte , und ich mit Betrübnis von neuem inne ward , wie doch das Fräulein Gräfin gar so weit von mir getrennet war . Allsogleich des andern Tages sind wir geworbenen Söldner im Angesicht der Neustädtischen Kirche versammelt worden und haben gemeiniglich zu ihrer schwedischen Majestät Fahne geschworen . Da hat uns der Oberste Falkenberg , ein fester teutscher Mann , vermahnt , hinfort wie zusammengeschmiedet Eisen stark und treu beieinander zu stahn und die evangelische Freiheit , insonderheit itzo die Magdeburgische Festung , unserm Schirm anvertrauet , allezeit aufrecht und mannlich zu verteidigen , wie es ehrliebenden Kriegsleuten gebühre . So es aber nicht anders sein könne , sei es preiswert , als redliche Mannschaft im Felde zu sterben für Gottes Ehre und unserer Nachfahren Libertät . Hierauf so sind wir abgeteilet , und ich bin nebst anderen Rekruten dem Hauptmann Urstedt und seinem Feldwaibel Otten zum Drillen übergeben worden . Zuvörderst haben wir unsere Wehr und Waffen empfangen , als Sturmhaube und Harnisch , Picke , Schwert und Zubehör . Wie unser Exercitium losgegangen , hat der Oberste Falkenberg vor meiner Kompagnie ausgerufen : » Rekrut Tielsch ! « Ich antwortete laut und rannte hin . Wie ich salutierend vor dem Herrn stund , blickte sein blaues Auge durchdringend , aber freundlich : » Ich danke Ihm , Tielsch , daß Er kühn und klug meine Schwäherin aus ihrer Gefangenschaft befreit und wohlbehalten hergebracht hat . Jungfer Thekla ist Ihm eine Fürsprecherin ; so Er nur zur Hälfte ihrer Lobsprüche würdig ist , wird aus Ihm ein tüchtiger Soldat und - wofern der Herrgott unser Leben erhält , ein Offizier . « - Solche Rede freute mich unbändig . Auf des Obersten Wink trat ich wieder in Reih und Glied . Hei , wie voller Valeur hab ich nun in meiner Kompagnie auf der Neustädtischen Schafweide Stechen , Hauen und Parieren , auch allerlei Finten geübt , ferner das feste Stillestehen , hurtige Laufen und Formieren nach den unterschiedlichen Befehlen und Hornsignalen . Schon die Woche