den folgenden Tag zur Hochzeit kommen sollen , da der schwache Fürst keine weiteren Einwendungen gemacht . Das ganze Schloß glänzt des Abends im Kerzenschein eines strahlenden Polterabends , Park und Büsche blitzen Liebeslichter , die geladene und frei herbeiströmende Menge erfüllt die Gänge , der glückliche Prinz Leopold , seine ätherische Braut am Arme , hüpft populär durch die Massen und lächelt äußerst glücklich . Er spricht im Vorübergehen mit den Bauern von Volksrechten und Freiheit und Gleichheit , der Volksjubel wird immer größer , ein wütendes Geschrei läßt den volksfreundlichen Erbprinzen leben , verlangt ihn zu sehen , trägt ihn auf den Schultern einher . Prinz Leopold hat seiner Prinzessin Braut gesagt , so hätten ' s die alten Minnefürsten zur Zeit der Romantik getrieben , und bestellt eine Tragbahre für die romantische Dame , damit sie teilnehme an dem Triumphzuge . Vom Balkon aus sieht der Hof zu , und die Fürstin lächelt sehr - so schreibt sie selbst . Da kommt ihr Schwager an und zerstört dräuend die demokratische Herrlichkeit . Er ruft Leopold beiseite und spricht lange mit ihm . Dieser kommt zu seiner Braut zurück , spricht viel von den Tränen der Romantik , erbittet sich von William eine Summe Geldes , um die Bauern damit zu beglücken , und verschwindet . Dem zu Fuß Fortwandernden ist ein Bauer begegnet , der fahrende Prinz hat ihm erzählt , er ginge erst nach Belgien , um für die Volkssouveränität zu fechten ; erst wenn diese errungen sei , dürfe man der Liebe Freuden pflegen . Prinzessin Amelie hat erklärt , Ohnmachten seien zu modern , sie werde sich nicht damit befassen ; sie trägt das Haar aufgelöst und singt am offenen Fenster des Nachts Lieder von Tieck und Novalis ; sie ißt nur ein Gericht und kleidet sich aschgrau , übrigens ist sie wohl . Die Fürstin setzt hinzu , viele würden die Sache einen Skandal nennen , auch Herr Valerius , und , das Ganze würde Wasser auf Deine Mühle sein . Übrigens mögest Du sie doch besuchen , sie wolle mit Dir darüber sprechen . Ich hoffe , das wirst Du bleiben lassen . Es ist ein stolzes , herrsch- und rachsüchtiges Weib , Du magst mir ' s glauben , und ich fürchte sehr , sie hat dies alles absichtlich angezettelt . - - Eben kommt eine schreckliche Nachricht an . William hat des Abends auf dem Korridor den Schwager der Fürstin mit einem Dolchstich niedergeworfen , ist in die Zimmer der Fürstin wie wahnsinnig gedrungen und erst bei ihrem Hilferufen entflohen . Es wird auf das lebhafteste verfolgt ; zu dem Ende kam die Nachricht mit einem Kurier hier an . Ach , wenn er nur Dir nicht begegnet ! O eile , eile zu uns , mir bangt für Dich bei so grauenvollen Nachrichten . 36. William an Valerius . Ich baue auf Deine Redlichkeit und vertraue mich Dir an . Die Verfolgung ist mir auf der Ferse , ich habe große Not , ihr zu entrinnen , tu alles Mögliche , sie auf falsche Spur zu leiten , verbreite , ich sei nach Österreich geflohen . In diesem Augenblicke darf ich mich nicht weiter wagen , sondern muß mich verborgen halten . Erst wenn die falschen Nachrichten zu wirken anfangen , hoffe ich über die belgische Grenze zu entkommen . Mein ganzes Innere ist aufgelöst , ich frage mich nach keiner Rechenschaft , denn ich kann mir keine geben . Mein Gewissen ist verloren , keine Autorität vermag mich freizusprechen ; nun so rolle denn das Rad dem Abgrunde zu . Daß ich die Fürstin mit glühendem Verlangen liebte , wird Dir wohl schon klar geworden sein . Lange kämpften meine Grundsätze hartnäckig gegen mein Fleisch . Ich hätte gesiegt , wäre ich nicht durch die freundlichen Worte und Blicke des schönen Weibes verführt worden . Ich stand auf dem Punkte abzureisen und empfahl mich ihr ; sie reichte mir die weiche Hand zum Kusse , strich mir das Haar von der Stirn und fragte , was mich drängte . Ich konnte nicht fort , die Sünde war ausgebildet in meinem Herzen , ich vermochte es nicht mehr , mich vor meinem Gewissen zu rechtfertigen . Ich schlug mein Gewissen tot und wollte genießen . Jener unheimliche Schwager stellte sich mir entgegen ; er fiel als erstes Opfer eines Menschen , der die Bande der Ordnung in sich zerrissen hat . Schweig , schweig , ich erkenne es an , daß Du mir gegenüber jetzt im Rechte bist . Es ist Ordnung in Dir , wenn auch eine Ordnung , die ich verabscheue . Ich selbst geh ' zugrunde , aber mein System bleibt unerschüttert ; ich bin außer ihm . Alle jene Begierden , welche die Gesetze meiner Religion in starren Banden hielten , sind rasselnd aufgesprungen , haben sich meiner bemächtigt , seit ich jenen Fehltritt begangen . Ein Stein ist herausgerissen , es stürzt das ganze Gebäude über mir zusammen ; ich muß rennen und rennen , um diesem Geschick zu entgehen . Die Hölle hohnlacht , aber sie soll wenigstens einen glänzenden Fang gemacht haben ; ich habe mich verloren , aber die Lust will ich gewinnen . Zurück führt kein Weg , der Himmel geht am Abgrunde hin , ein falscher Tritt ist hinreichend . Ich bin gefallen und will mich der neuen Gesellschaft würdig machen . Früher lohnte meine Tugend die äußersten Entbehrungen , Entbehrungen ohne diesen Gegendruck sind kindische Schwäche - die Tugend ist verloren , nun denn , so jag ' ich nach dem Genuß . Ihr habt viel Schuld an meinem Unglück ; wer die Verleugnung der Religion stets neben sich sieht , wird matt in seinen Dogmen . Ihr unseligen Volksverführer habt meinen besten Teil auf Eurem Gewissen . 37. Konstantin an Valerius . Du schreibst mir nicht , Freund , weil Du wahrscheinlich mir und meiner Sinnesänderung zürnst . Warum lässest Du Dir die Gelegenheit entgehen , auf