, sondern Leichtfertigkeit und eine falsche Vorstellung , die er sich selbst geschaffen ; aber bei ihm wandelte sich der leichte Sinn nicht in Treue und Zuneigung . Das merkte sie gar bald , und da seufzte sie heimlich und kehrte bei sich ein ; aber schon war ihre Liebe zu groß geworden , als daß sie hätte sich entfernen können von ihm , und so hing sie ihm weiter an in bitterer Demütigung , und ihr Kummer machte sie besser , wie sie gewesen , und ihr Gesicht verlor zwar seine jugendliche Frische , aber es bekam edlere Züge , und selbst ihre Bewegungen erhielten etwas Vornehmes , das ihren Bekannten auffiel , daß sie es dem Einfluß Karls zuschoben . Dieser aber lebte in Haltlosigkeit ; schämte sich seiner selbst und war deshalb hart gegen sie ; denn schwache Menschen können es nicht leiden , daß sie geliebt werden und müssen den Liebenden plagen . Unter solchen Umständen geschah es , daß sie sich gesegneten Leibes fühlte ; da erschrak sie heftig und hatte zugleich eine heimliche Freude , und außerdem überkam sie , wie aus einer Nacht , die Erinnerung an ihre Heimat und an ihre Eltern , und wie sie sich schämen mußte zu Hause , wenn dort jemand etwas von ihr wüßte ; vor ihren Freundinnen in Berlin aber schämte sie sich nicht , auch hatte sie keine Freude auf das Kind , wenn sie bei denen war . Wie Karl die Neuigkeit erfuhr durch Weilands Braut und nicht durch sie selber , da hatte auch er einen starken Schrecken , und indem sich verwirrte Gewissensbedenken in ihm erhoben , die nicht auf klaren und verständigen Gefühlen ruhten , sondern auf Unwahrheit , so beschloß er bei sich , daß er sie heiraten wolle . Wie er ihr diesen Entschluß mitteilte , sprach sie zu ihm : » Wenn du mir solche Worte gesagt hättest in unsrer ersten Zeit , bevor ich dich wirklich lieb hatte , so wäre ich sehr stolz geworden durch sie und hätte mich ohne weitere Gedanken gefreut , deine richtige Frau zu werden . Nun aber weiß ich , daß es ein Gefühl gibt , das ich damals nicht kannte , und das wahrscheinlich viele Menschen nicht kennen , und vielleicht hätte ich unter andern Verhältnissen auch selbst bis zu einem späten Tode nichts von diesem Gefühl erfahren ; da ich es nun aber kenne , so kann ich nicht mit dir zusammenleben , denn du kannst mich nicht so ehren , wie es nötig wäre , weil ich geringer Herkunft bin und mir nicht feine Art angewöhnen kann , auch nicht der rechten Bildung fähig bin ; was alles wohl jetzt in unserm Kreise und so lange wir jung sind nicht so schlimm erscheint , aber mir viele schmerzliche Stunden erzeugen würde , wenn ich erst älter bin und du in eine andre Gesellschaft gelangt bist . « Wie sie das gesagt hatte , spürte Karl , daß sie aus übergroßer Liebe ihm mehreres verschwieg , von dem sie gedacht hatte , daß es ihn kränken könne , und es war ihm , als ob er sich recht schämen müsse vor ihr . Damals zog zuerst Bitterkeit in sein Herz , denn er sah plötzlich ein , daß er ein niedriger Mensch war , und er begann sich selbst zu hassen und versuchte , ob er andre verachten könne ; denn solche Hölle entbrennt in unedlen Leuten , wenn ihnen durch die Betrachtung Edler ihr Unwert klar wird ; deshalb begann er lügnerische Worte zu machen , die sie schmerzten und in ihm am Ende eine große Leere schufen . Wie nun ihre Zeit herannahte , mußte sie ihre gute Stelle aufgeben , und indem sie unwillig abwehrte , daß er ihr in irgend etwas half , nahm sie ihr erspartes Geld von der Sparkasse und zog zu einem alten Kunkelweibe , das in solchen Fällen Mädchen Unterkunft gewährte ; hier saß sie in einer großen Hinterstube , die ein Fenster in der äußersten Ecke auf den Hof hinaus hatte , und saß an dem Fenster im trüben Winterlicht und nähte Windeln , Binden und Hemdchen für das Kind , das sie erwartete . Und daran dachte sie , daß das ein kleines Wesen sein werde , das sie sich an die Brust legen wollte , und alle andern Gedanken waren ihr versunken ; nur stellte sie es sich immer wieder mit Absicht recht klar vor , wie klein das Kind sein werde , weil sie es sich sonst zu groß gedacht hätte , etwa wie es auf einem Stühlchen sitzt und nach seinem Schüsselchen verlangt . Mit Kraft und Anstrengung vergaß sie , daß sie es nicht bei sich behalten konnte , sondern sie mußte nach ein paar Wochen wieder in Dienst gehen , und das liebe Kind mußte bei der Frau bleiben ; denn wenn sie daran gedacht hätte , dann hätte sie immer weinen müssen ; so aber konnte es ihr vorkommen , als gehöre ihr diese Stube , und sie sei verheiratet , und am Abend komme ihr junger Mann , und zuweilen bedachte sie bei sich , wie sie die Möbel anders stellen wolle und alles recht reinlich halten . Aber dann tat sich die Tür auf , und das alte Kunkelweib kam herein und erzählte ihre Geschichten , wie sie sich mit den Leuten gezankt hatte . Da mußte sie sehr an sich halten , daß sie nicht weinte ; denn wenn Karl sie besuchte , so war ihr das auch kein Trost , weil sie sah , daß er nur um sich ängstlich war , und an sie dachte er eigentlich gar nicht ; ja , es war zuzeiten , als sei es ihm ein besonderes Opfer , welches er ihr brachte , daß er sie besuchte . Wie es oft geht , daß Verhältnisse , die eigentlich längst sinnlos geworden sind , doch noch fortbestehen , weil keine äußere Gelegenheit kommt