nur erst arbeiten kannst , « fügte sie hinzu . » Schlaf ' s bitzeli , bald gibt ' s zu essen . « Sie verließ ihn trotz seines Widerspruchs . Hermann schlich herauf , durchnäßt und schmutzig . Er wollte sich an der Mutter vorüber in sein Kämmerchen drücken . » Wieder auf dem See ? « sagte sie flüsternd , » sie werden dich einmal tot bringen , Bub . Hast schon drin gelegen , scheint mir . « Sie befühlte sein nasses Gewand . Störrisch riß er sich los . » Ich war ja nit dort , « sagte er . » Nit auf ' m See , Hermann ? « » Noi ! « » Wo warst du ? « Er gähnte , warf sein strähniges blondes Haar zurück und sagte : » Ach doch ! « » Lügst du ? « sagte die Mutter und blickte ihm ins Gesicht . » Meinethalb , « erwiderte er trotzig . » Du hast Wein getrunken , dein Atem schmeckt danach ! « rief die Frau , seinen dünnen Arm ergreifend . » Weißt doch , daß es nit gut für dich ist . « » Vollkommen genau weiß ich ' s , « murrte der Dreizehnjährige , » hast mir ' s ja oft und oft gepredigt . « » Aber warum folgst du nit , Hermann ? Weißt auch , daß du nit gut bist ? « » Kann sein , « erwiderte der Bub . » Das ist keine Antwort , « machte Josefine , » rede wie sich ' s schickt , wüster Bub . « Er schielte sie von unten an . » Mutter , du bist so klug , alle sagen , daß du klug bist ; - weißt denn nit , daß man nit gut sein kann ? « » Wieso nit kann ? Warum nit ? « » Weil ' s zu schwer ist ! Einfach . « Josefine fühlte einen scharfen Stich . » Ja , es ist schwer , « sagte sie plötzlich leise . » Aber , « sie stand da mit gesenkter Stirn , » man muß versuchen , Hermann ! immer versuchen . « » Ich versuch ' s auch , alle Tag . ' s ist mir schon langweilig worden . « Josefine ergriff fest seine kleine , schlaffe , schmutzige Hand und zog den Buben in ihr Zimmer . Es war jener ehemalige Warteraum , voll von Büchern jetzt , mit einem kleinen Schreibtisch und einer Waschvorrichtung . » Ich sage dir etwas , Hermannli , sprich leise , es ist ein Krankes im Haus . « Ihr Flüstern , ihre Dringlichkeit erschreckten den Buben ; er wollte sich losreißen , aber sie drehte sogar den Schlüssel im Schloß und stellte sich mit dem Rücken gegen die Tür . Es war so finster , daß sie sich nicht sahen . » Hermannli , der Pappa ist gekommen , er ist aber krank , und man muß ihn nicht stören , hörst es ? « Der Bub tat einen Sprung in der Dunkelheit , tastete nach der Mutter . » Der Pappe ? « » Wohl ! ich sag ' s. Es ist ihm aber nit gut gangen , Hermannli ; man fragt ihn um nichts , quält ihn nit . Weißt es jetzt ? « » Aus Afrika ? « fragte nach einer Weile der Junge in eigentümlich zweifelndem , fast höhnischem Ton . » Oder woher ? « Was hat er gehört ? dachte die Frau , mit welchen Worten hat man sein schwaches Herz schon vergiftet ? Sie fühlte eine feindselige Kraft , die den reichbegabten , aber innerlich haltlosen Knaben von ihr entfernte . In ihm war etwas , das sich gegen ihren Einfluß stemmte , sie schnell reizte , oftmals erbitterte . » Man verlangt von dir Gehorsam und Verstand , « sagte sie schärfer , als sie wollte , » du bist alt genug , um zu wissen , daß viele Dinge in der Welt vorgehen , über die man schweigt . Dein Vater hat viel Schlimmes erlebt , er muß gepflegt werden und gute Kinder finden , die zu ihm halten und nicht zu jenen fremden Menschen , die mit ihm hart verfahren sind . « Hermann schien schweigend nachzudenken . Plötzlich murmelte er vorwurfsvoll : » Aber du hast emal geschworen , der Pappe sei in Afrika , und derweil heißt ' s in der Klasse - « » Genug , « unterbrach ihn die Mutter , » schäm dich zu wiederholen , was die frechen Lausbuben reden . Tu selber recht , Hermannli , sell ischt d ' Hauptsach . Wir haben kein Recht zu beurteilen oder zu verurteilen , « fügte sie seufzend hinzu , » wir nicht . « » Aber - der Pappe ist mir ja der liebste auf der ganzen Welt ! « sagte Hermann verwundert . » Und vielleicht - ist er gut im Griechischen , Mamme ? Im anderen Schuljahr fangen wir Griechisch an - das wär öppis . « Acht Tage lang hielt Josefine den Kranken im Bette fest . Anfangs widerstrebte er , schalt und weinte , apostrophierte die Wände , beklagte seine Heimkehr , sein Schicksal , sein Dasein , - allmählich ward er ruhiger . Josefine war viel bei ihm , immer in der Rolle des Arztes oder der Krankenschwester , geduldig , sanft und fremd . Hermann kam oft in ihrer Begleitung , allein ließ sie ihn nicht zum Mann . Rösli war tagelang nicht einmal zu einem Morgengruß zu bewegen . Sie schrie vor Angst vor dem Menschen , der sie so wild geküßt hatte , und in dem sie ihren Papa nicht erkennen wollte . Sie hatte keinen Papa in der Erinnerung , sie wollte keinen Papa haben , sie klammerte sich an ihre Mama , um sie zurückzuhalten , wenn sie in Hermanns Kämmerchen ging , wo der Kranke noch lag