damit zu prahlen . Oft wenn sie etwas sagte , lachte Gudstikker und Agathon dachte wie in einer Erleuchtung : er hat ihr den Glauben geraubt ; was hat er ihr dafür gegeben ? nicht mehr als ein Stück seiner eigenen Person . Jeder Tag lehrte Agathon mit unabweisbarer Stimme das Leben wie es wirklich war , wie es nicht aus einem göttlichen Wesen floß , sondern aus dunklen , unterirdischen Quellen , vielgestaltig , mit Trübsand vermischt , nur selten Gold im Grunde führend , selten im geraden Strom , klar und kraftvoll rauschend . Plötzlich schallte von draußen das ängstliche und fortgesetzte Miauen einer Katze herein . Alle lauschten . Gudstikker und Agathon gingen hinaus . Der Mond stand hoch und rein am Himmel . Der Schnee blitzte und funkelte weit umher . Auf den Feldern lag der Rauhreif , schimmernd wie Silberstaub . Vor dem Tor lag ein Kätzchen in seinem Blut . Gudstikker kniete hin , streichelte das Tier zärtlich und redete ihm zu wie einem Kind . Dann gebärdete er sich wie rasend , drohte den Kerl zu erdrosseln , der diese Schandtat vollbracht und konnte sich kaum beruhigen . Agathon wollte ihn trösten , obwohl er etwas Gekünsteltes in diesem Zorn fühlte , als er einen Schatten gewahrte und Käthe neben sich sah . Sie hatte ein Tuch um den Kopf , ihre Lippen , deren Rot durch eine scharfe und runde Linie von der blassen Haut abgegrenzt war , waren ein wenig geöffnet . » Ist das Kätzchen tot ? « fragte sie . Gudstikker nickte . » Wer hat es getan ? Vielleicht der Vater , er stellt immer den Katzen nach . « » Dein Vater , sagst du ! « fuhr Gudstikker auf . » Weißt du , daß es mir jetzt zu bunt wird ? Weißt dus nicht ? Ja , es wird mir zu bunt . Ich Hab euch auch satt , dich und deine ganze Familie . « Wieder fühlte Agathon das Künstliche des Wutausbruches und fragte sich vergeblich nach Gründen . » Stefan , « flüsterte Käthe und legte zitternd ihre beiden Hände um seinen Arm , » Stefan ! « Es entstand eine peinliche Pause . » Es ist kalt , Herzchen « , erwiderte Gudstikker endlich und streichelte tröstend ihre Hand . » Geh nur und leg dich schlafen . Du wirst ja krank ! « Als er heimging , hatte Agathon eine seltsame Sinnestäuschung . Aus einem dunklen Torweg trat Käthe Estrich auf ihn zu und hob flehend die Hände . Als er weiterging und sich die Erscheinung vor seinen Blicken in den Winternebel auflöste , dachte er mit hilfsbereitem Herzen an sie . Wie groß war sein Erstaunen und sein Schrecken , als er sie auf einmal wirklich sah ! Raschen Schrittes kam sie und lächelte matt , als sie vor ihm stehen blieb . Sie wolle zu Stefan , sagte sie . » Was wollen Sie denn bei ihm ? « » Ich weiß nicht . Ich will ihn nur sehen . Wenn ich noch einmal in sein Gesicht sehe , weiß ich alles . « » Was ? Was denn ? « Agathon erbebte vor Mitgefühl . » Ach , - nichts . « In diesem Augenblick ging viel vor in Agathons Seele . Er sah dieses zarte Geschöpf vor sich , wie sie in jeder Stunde mehr hinwelkte . Er sah die kleinen , mondlichtübergossenen Häuser , die dunkle Unendlichkeit des Nachthimmels , zage Sterne , glänzende Fensterscheiben , - dies alles im Gegensatz zu der wunderlichen Unruhe der Menschen , ihrer Lust an der Lüge , ihrer Furcht vor dem Kämpf , und zum erstenmal sprach heute die Natur ein unüberhörbares Wort zu ihm , und er konnte die gärende Inbrunst seiner Seele nicht mehr mißverstehen . Da stand nun dies stille , wortkarge Geschöpf vor ihm mit dem treuherzigen Blick , dem hilflosen Zucken um die Lippen und sie sah ihn ratlos an , als Agathon wie erleuchtet lächelte . » Sie sind immer so traurig , Fräulein Käthe , « sagte er . Sie nickte » Sie müssen sich einmal recht von Herzen freuen . « » Aber wie kann ich das , « erwiderte sie seufzend . » Nur einmal , eine Stunde lang , sollen Sie froh werden ! Vertrauen Sie mir ! « » Sie sind so merkwürdig , Agathon . Man muß Ihnen vertrauen , auch wenn man nicht will . « » Und Sie wollen tun , was ich verlange ? « » Was verlangen Sie denn ? « » In unserem Hof steht ein Schlitten . Da sollen Sie sich hineinsetzen . Ich fahre Sie . « » Jetzt ? Um Gotteswillen , jetzt ! Ich kann nicht . Meine Mutter läßt mich nicht fort . « » Ihrer Mutter dürfen Sie alles gestehen , wenn wir zurückkommen . Ich ziehe meine Schlittschuhe an und wir fahren bis zum See bei Weinzierlein . « » Bis zum See ? Nein Agathon , das ist zu weit . « » Jetzt dürfen Sie nicht kleinlich und furchtsam sein . Ich hab ' auch noch ein dickeres Tuch für Sie und einen Mantel meiner Mutter . « Käthe zögerte noch immer , aber Agathons Blick und Wesen , in dem etwas Triumphierendes und Flammendes lag , überredeten sie unwiderstehlich . Eine Viertelstunde später flog der Schlitten auf der Landstraße dahin und Agathon auf Stahlschuhen hinterher . Rechts lag der Wald , dann lag er links ; das Mondlicht wohnte in ihm , die braunen Blatter glänzten silbern , die Birkenrinde strahlte wie Gold , der Schnee lag wie ein faltenloses Gewand und der Himmel wölbte sich in mattem , kalten Licht . » Sehen Sie die Nebelelfen ? « fragte Agathon . » Ja . Und Irrlichter zeigen den Weg . « » Ist Ihnen warm ? « » Ja . « » Das ist gut . Das nächste Mal nehmen wir