Das habe ich nicht . Ich habe den Menschen von dem ersten Augenblick , als ich ihn im Pferdebahnwagen sah - ich habe Ihnen die Episode nie erzählt - sie thut auch nichts Wesentliches zur Sache - gründlich in Aversion genommen ; und , so oft ich ihn wiedersah , fühlte ich ein Kribbeln in den Fingerspitzen , den Kerl zu reitpeitschen . Wenn die Gelegenheit günstiger gewesen wäre , ich glaube , ich hätte einen Grund vom Zaun gebrochen und ein Rencontre mit ihm provoziert . Das ist das eine . Sodann , ich habe mit Ihrer Frau Gemahlin bis dahin immer so gut gestanden ; sie - ich brauche Ihnen das nicht zu sagen - aufrichtig und herzlich verehrt . Was sie jetzt gethan hat , ist unverzeihlich , schauderhaft - gewiß ! Aber schließlich hat sie es doch nicht mir gethan . Sie werden begreifen , daß meine Empfindungen nicht so lebhaft sein können , wie die Ihren ; und es mir schmerzlich , sehr schmerzlich und peinlich ist , zu ihrer Bestrafung , wenn ich mich so ausdrücken darf , die Hand bieten zu sollen . Viktor war die Zornröte in die Stirn gestiegen . Ich danke Ihnen also für Ihre Offenherzigkeit , sagte er , und werde mich nach jemand umsehen , der weniger bedenklich ist , als Sie . Fernau gereute bereits , was er gesagt hatte . Er war auf dem besten Wege , Viktors Mißtrauen von neuem zu erregen ; ja , er hatte es bereits gethan . Das durfte nicht sein ; er mußte es wieder gutzumachen suchen . Und schließlich , Klotilde war ihm nun doch verloren . Nach der Affaire mit dem Schulmeister war sie für die Gesellschaft tot . Folglich auch für ihn . Aber wo denken Sie hin , lieber Freund ! rief er , aus dem Sessel in die Höhe fahrend . Mir fällt doch nicht im Traum ein , Ihnen meine Dienste zu verweigern , wenn Sie ihrer zu bedürfen glauben . Man sagt so etwas heraus , um die Seele hernach um so freier zu haben . Also wenn Sie mir die Ehre erweisen wollen - Sie sehen mich bereit . Aber ist denn der Mensch satisfaktionsfähig ? Ich wüßte nicht , weshalb nicht ; erwiderte Viktor , wieder halb beruhigt . Macht man diese Leute doch jetzt sogar zu Reserveoffizieren ! Gott sei es geklagt ! Vielleicht ist der Mensch selber einer . Heutzutage ist alles möglich . Jedenfalls hat man ihn in unsere Gesellschaft aufgenommen . Leider ! Nächstens werden wir noch unsere Schneider mit Einladungen beehren . Und nicht bloß aufgenommen : man hat dem Kerl ja förmlich den Hof gemacht ; fand es höchst ehrenwert , daß er es von einem Bergmannsjungen so weit gebracht . Ipsissima verba des Herrn Ministerialdirektors . Man sollte in solche Stellungen Bürgerliche nie gelangen lassen . Und da nun auch meine Frau die Geschmacklosigkeit hatte , so tief aus ihrer Sphäre herabzusteigen - Werden Sie ihr wohl auf das Terrain folgen müssen . Ja , ja ; es ist sehr notwendig , daß da mal ein Exempel statuiert und die Rotüre in ihre Schranken zurückgewiesen wird . Zeichnen Sie den Kerl nur ordentlich ! Ich habe durchaus diese löbliche Absicht . Zwischen den Freunden wurden nun die Einzelheiten der Forderung durchgesprochen und festgestellt . Fernau hatte auf die schärfsten Bedingungen zu dringen und sollte sich nichts abhandeln lassen . Einen besonderen Wert legte Viktor darauf , daß keine Zeit verloren gehen dürfe , und das Rencontre , wenn es sich irgend machen ließ , bereits morgen in der Tagesfrühe stattfinde . Fernau wollte den Gegner sofort aufsuchen und ihm die Forderung überbringen . Er hatte sich kaum verabschiedet , als Elimar angemeldet wurde . Die Herren mußten sich noch auf der Treppe begegnet sein . Hol ' ihn der Teufel , fluchte Viktor bei sich . Aber - Ich lasse den Herrn Hauptmann bitten , näher zu treten . Sechsundzwanzigstes Kapitel Elimar und er saßen einander gegenüber nach einer kurzen , auf beiden Seiten etwas verlegenen Begrüßung . Sie wissen , weshalb ich komme , begann Elimar . Ich ahne es wenigstens . Das erleichtert mir meine Mission , wenn ich etwas so nennen darf , wozu mich auch die eigene Empfindung gedrängt haben würde . Ich meine , daß die Empfindung in solchen Fällen ein sehr trügerisches Leitmotiv ist . Mag sein ; aber als Erstes , Spontanes verdient sie doch wohl einige Berücksichtigung . Dann kann ich nur sagen : ich würde es tief beklagen , wenn ein Mann , wie Sie , keine Empfindung hätte für die furchtbare Beleidigung , mit der man mich heimgesucht hat . Der in Ihren Worten versteckte Vorwurf trifft mich nicht . Im Gegenteil : ich glaube , es giebt niemand , der diese Beleidigung tiefer mitfühlt . Nichtsdestoweniger - Verzeihen Sie , wenn ich Sie unterbreche : was wissen Sie von diesem ganzen Handel ? Alles . Aus dem Munde meiner Frau ? Ja . Dürfte dann Ihre Behauptung nicht etwas gewagt sein ? Wir Juristen haben den Grundsatz : Audiatur et altera pars . Ich weiß es . Und gerade deshalb habe ich mir erlaubt , Sie aufzusuchen . Leider , wie ich fürchten muß , zu spät : ich traf in Ihrer Hausthür mit Herrn von Fernau zusammen . Ich habe nicht gewagt , ihn zurückzuhalten ; er würde sich auch schwerlich haben zurückhalten lassen . Aber die einem Kartellträger gegebenen Instruktionen sind ja nicht unwiderruflich , sind jedenfalls modificierbar ; und ich hege die stille Hoffnung , Ihr gerechter Unwille wird nach unserer Unterredung weniger - etwas weniger heftig sein . Ich teile zu meinem Bedauern Ihre Hoffnung nicht , Indessen , bitte , sagen Sie mir , was Sie mir sagen zu müssen glauben . Ich muß dabei freilich bemerken , daß meine Zeit gerade heute nicht sehr reichlich bemessen ist , da ich noch eine Menge wichtiger Dinge zu erledigen