Huris . Plötzlich hört er knatternden Peitschenknall - einen furchtbaren Donner ! Der Dichter will die Augen öffnen , kann aber nicht - er vermag nicht ein Glied zu rühren . Und der Donner hört nicht auf . Seine Dschinne ist da - er fühlt es . Ein Pferd wiehert , und dann lacht wer . Ein hellblaues Licht blendet plötzlich des Dichters Augen . Er sieht hinein und sieht seine Dschinne auf schwarzem Roß hoch aufspringen - ins blaue Licht hinein . Die grauen Gewänder der Dschinne flattern und knallen ; wieder donnerts ! Und die Dschinne reitet in den Himmel hinein ; sie dreht sich um , ihre Peitsche saust knatternd durch die Luft . Ein Stier springt empor - ein wilder Stier - der sprengt auch in die blaue Luft hinauf . Safur erhebt sich - ein Sturmwind erfaßt ihn - und im nächsten Augenblick sitzt er auf dem Stier , und nun gehts der Dschinne nach . Schwefelgelb wird die Luft . Auf grauen Wolken rasen - der Dschinne Roß und Safurs Stier . Ein Blitz zerreißt die gelbe Luft . Aus tausend Kehlen lacht es . Über die Wolken hin rast vor dem Stier ein unzählbares Reiterheer - König Saiduk mit seinen Dschinnen . Und die Dschinne , die er verfolgte , stößt ihr Pferd in die Tiefe und schwebt zum König und umhalst ihn - Safur schreit - und da fällt er kopfüber von seinem Stier runter - in die Tiefe - sieht nichts mehr - - - Wie Safur erwacht , liegt er am Tigrisstrande , und der Vollmond leuchtet über den Wassern , und die weißen Rosen duften - - - - In einigen Wochen wird Safur ein ganz Andrer . Seine Augen liegen hohl im Kopf , und sein Leib ist abgemagert - wie ein Gespenst geht er am Strande auf die Jagd . - Oft sieht er Hyänen . Unstet ist sein Blick , scheu - als hätt er ein Verbrechen begangen . Ans Essen denkt er nur selten . Wenn er aber angefangen hat zu essen - dann ißt er mit furchtbarem Heißhunger . Gewöhnlich schlingt er das ungekochte Fleisch wie ein wildes Tier runter . Jetzt trinkt er mit Vorliebe - heißes Blut . Und er wird dann immer sehr wild . In jeder Nacht fiebert er . Und seine Fieberträume sind entsetzlich . Er verfolgt immer seine Dschinne . Auch die Tarub erscheint ihm , und sie ist sehr gut zu ihm , sagt immer : » Sieh , wenn Du mich nicht gehabt hättest , dann hättest Du doch nie die Dschinne geliebt . Mir verdankst Du alles . Das Roh-Körperliche hat das Geistige erzeugt - die Dschinne ist ja meine Tochter - weißt Du das nicht ? « Und diese Rede hört er mehrere Male , und er wird dann immer sehr aufgebracht und zankt sich mit der Tarub . Nachher jagt er wieder dem König Saiduk nach und prügelt sich mit ihm - der aber würgt ihn immer - was furchtbar ist . Wenn dem tollen Dichter ein Eremit begegnet - so verbirgt der sich im nächsten Gebüsch . Zuweilen sind des Dichters Fieberträume sanfter - besonders , wenn der Mond nicht scheint . Dann träumt er wohl von prächtigen Gärten , in denen er von vielen schönen Frauen ganz langsam umhergetragen wird . Von Riesensphinxen träumt er auch - deren Haupt ragt hoch in den Himmel bis an die Sterne - und die Brüste der Sphinxe sind so groß wie Erdkugeln - oh - noch größer ! Die ruhigen Träume werden jedoch immer seltener . Von den beiden Riesen - Harut und Marut - die in der Beluspyramide an den Füßen aufgehängt sind , träumt dann auch mal der Dichter ... Wie er aber einmal erst von denen träumte , kann er sie nicht wieder vergessen . Er glaubt immer , sie verfolgten ihn , sie gingen hinter ihm - mit den Köpfen an die Erde stoßend - und zwischen ihnen - seine Dschinne ! Und diese Vorstellung läßt ihn nicht mehr los . Er will andre Geister zu Hilfe rufen . Er betet auf den Knieen zum König Saiduk . Nun will er unter allen Umständen in die überirdische Welt hinein - er muß - er kann nicht mehr anders . Wenn er in der Lehmkate sitzt und brütet , ist ihm so , als wären Harut und Marut draußen vor der Tür und würgten - seine Dschinne - seine Dschinne ! » Mein Weib ! Mein Weib ! « schreit er dann und stürmt hinaus . Indessen da kommts ihm immer so vor , als wenn Harut und Marut blitzschnell mit der Dschinne ins Haus hineinschlüpfen . Immer sind sie hinter der einen Wand , ob er nun vor der Kate oder mitten in der Kate steht . Seine Blicke durchbohren die Wand . Er will hinter die Wand kommen - hinter die Wand - hinter die dumme Wand ! Wie ein wildes Tier schreit er hin und wieder - daß es schaurig nachts über die Wasser hallt . Alle seine Muskeln spannen sich an , er fühlt in sich übermenschliche Riesenkräfte ; er will Harut und Marut vernichten . Gräßlich schreit er daher jeden Abend : » Harut ! Marut ! Kommt heraus ! Harut ! Marut ! Ich erwürg Euch ! Harut ! Marut ! « Wer auf dem Wasser vorbeirudert und das hört - schaudert zusammen . Niemand wagt dem Dichter zu nahen . Eines Abends , wie wieder der Vollmond über dem Tigris steht und sanft leuchtet , schreit Safur lauter denn je . Er will durch die Wand durch - durch die dumme Wand - grade da will er durch , wo eine rote Tontafel eingelegt ist , aus der wunderliche Figuren herauskommen . Er will da durchaus durch . Noch einmal schreit er wie ein wildes Tier : » Harut ! Marut ! Jetzt komm ich ! Mein Weib ! Mein Weib ! Harut !