, daß so was überhaupt in einem kleinen Dorfe vorkommen kann , Ihrem berühmten See beinah gleichstelle ? Unsre schwedische Nachtigall in Ihrem Ruppiner Winkel , wie Sie selbst beständig sich auszudrücken lieben . Die Lind ! Und wie kam Ihr Pastor dazu ? « » Die Lind war , glaub ich , seine erste Liebe . Sehr wahrscheinlich auch seine letzte . Lorenzen saß damals noch auf der Schulbank und schlug sich mit Stundengeben durch . Aber er hörte die Diva trotzdem jeden Abend und wußte sich auch , trotz bescheidenster Mittel , das Bildchen zu verschaffen . Fast grenzt es ans Wunderbare . Freilich verlaufen die Dinge meist so . Wär er reich gewesen , so hätt er sein Geld anderweitig vertan und die Lind vielleicht nie gehört und gesehen . Nur die Armen bringen die Mittel auf für das , was jenseits des Gewöhnlichen liegt ; aus Begeisterung und Liebe fließt alles . Und es ist etwas sehr Schönes , daß es so ist in unserm Leben . Vielleicht das Schönste . « » Das will ich meinen « , sagte die Gräfin . » Und ich dank es Ihnen , lieber Stechlin , daß Sie das gesagt haben . Das war ein gutes Wort , das ich Ihnen nicht vergessen will . Und dieser Lorenzen war Ihr Lehrer und Erzieher ? « » Ja , mein Lehrer und Erzieher . Zugleich mein Freund und Berater . Der , den ich über alles liebe . « » Gehen Sie darin nicht zu weit ? « lachte Melusine . » Vielleicht , Gräfin , oder sag ich lieber : gewiß . Und ich hätte dessen eingedenk sein sollen , gerade heut und gerade hier . Aber soviel bleibt : ich liebe ihn sehr , weil ich ihm alles verdanke , was ich bin , und weil er reinen Herzens ist . « » Reinen Herzens « , sagte Melusine . » Das ist viel . Und Sie sind dessen sicher ? « » Ganz sicher . « » Und von diesem Unikum erzählen Sie uns erst heute ! Da waren Sie neulich mit dem guten Wrschowitz bei uns und haben uns allerhand Schreckliches von Ihrem misogynen Prinzen wissen lassen . Und während Sie den in den Vordergrund stellen , halten Sie diesen Pastor Lorenzen ganz gemütlich in Reserve . Wie kann man so grausam sein und mit seinen Berichten und Redekünsten so launenhaft operieren ! Aber holen Sie wenigstens nach , was Sie versäumt haben . Die Fragen drängen sich ordentlich . Wie kam Ihr Vater auf den Einfall , Ihnen einen solchen Erzieher zu geben ? Und wie kam ein Mann wie dieser Lorenzen in diese Gegenden ? Und wie kam er überhaupt in diese Welt ? Es ist so selten , so selten . « Armgard und die Baronin nickten . » Ich bekenne , mich quält die Neugier , mehr von ihm zu hören « , fuhr Melusine fort . » Und er ist unverheiratet ? Schon das allein ist immer ein gutes Zeichen . Durchschnittsmenschen glauben sich so schnell wie möglich verewigen zu müssen , damit die Herrlichkeit nicht ausstirbt . Ihr Lorenzen ist eben in allem , wie mir scheint , ein Ausnahmemensch . Also beginnen . « » Ich bin dazu besten Willens , Frau Gräfin . Aber es ist zu spät dazu , denn das helle Licht , das Sie da sehen , das ist bereits unser Dampfer . Wir haben keine Wahl mehr , wir müssen abbrechen , wenn wir nicht im Eierhäuschen ein Nachtquartier nehmen wollen . Unterwegs ist übrigens Lorenzen ein wundervolles Thema , vorausgesetzt , daß uns der Anblick der Liebesinsel nicht wieder auf andre Dinge bringt Aber hören Sie ... der Dampfer läutet schon ... , wir müssen eilen . Bis an die Anlegestelle sind noch mindestens drei Minuten ! « Und nun war man glücklich auf dem Schiff , auf dem Woldemar und die Damen ihre schon auf der Hinfahrt innegehabten Plätze sofort wieder einnahmen . Nur die beiden in ihre Plaids gewickelten alten Herren schritten auf Deck auf und ab und sahen , wenn sie vorn am Bugspriet eine kurze Rast machten , auf die vielen hundert Lichter , die sich von beiden Ufern her im Fluß spiegelten . Unten im Maschinenraum hörte man das Klappern und Stampfen , während die Schiffsschraube das Wasser nach hinten schleuderte , daß es in einem weißen Schaumstreifen dem Schiffe folgte . Sonst war alles still , so still , daß die Damen ihr Gespräch unterbrachen . » Armgard , du bist so schweigsam « , sagte Melusine , » finden Sie nicht auch , lieber Stechlin ? Meine Schwester hat noch keine zehn Worte gesprochen . « » Ich glaube , Gräfin , wir lassen die Comtesse . Manchem kleidet es zu sprechen , und manchem kleidet es zu schweigen . Jedes Beisammensein braucht einen Schweiger . « » Ich werde Nutzen aus dieser Lehre ziehen . « » Ich glaub es nicht , Gräfin , und vor allem wünsch ich es nicht . Wer könnt es wünschen ? « Sie drohte ihm mit dem Finger . Dann schwieg man wieder und sah auf die Landschaft , die da , wo der am Ufer hinlaufende Straßenzug breite Lücken aufwies , in tiefem Dunkel lag . Urplötzlich aber stieg gerad aus dem Dunkel heraus ein Lichtstreifen hoch in den Himmel und zerstob da , wobei rote und blaue Leuchtkugeln langsam zur Erde niederfielen . » Wie schön « , sagte Melusine . » Das ist mehr , als wir erwarten durften ; Ende gut , alles gut - nun haben wir auch noch ein Feuerwerk . Wo mag es sein ? Welche Dörfer liegen da hinüber ? Sie sind ja so gut wie ein Generalstäbler , lieber Stechlin , Sie müssen es wissen . Ich vermute Friedrichsfelde . Reizendes Dorf und reizendes Schloß . Ich war einmal da ; die Dame des Hauses ist eine Schwester der Frau