so einschlummern können und träumen , wie ich damals zu träumen wähnte : daß die Thür leise aufging und der geliebte Mann hereintrat ... Die Rosen dufteten immer schwerer und durch das offene Fenster hallten die fernen Tra - ra - - - allmählich schwand mir das Bewußtsein der Gegenwart , immer mehr und mehr fühlte ich mich in jene Stunde zurückversetzt - vergessen war alles , was seither vorgefallen , nur die eine fixe Idee ward immer intensiver , daß jetzt und jetzt die Thür sich öffnen müsse , um dem Teuren Einlaß zu gewähren . Zu diesem Zwecke mußte ich aber träumen , daß ich die Augen halb offen hielt . Es war mir eine Anstrengung dies zu erzwingen , aber es gelang - linienbreit hob ich die Lider und - - ... Und da war es , das ersehnte , das beglückende Bild : Friedrich , mein geliebter Friedrich auf der Schwelle ... Laut aufschluchzend und das Gesicht mit beiden Händen bedeckend , fuhr ich aus meinem traumhaften Zustand auf . Mit einem Schlag war es mir klar geworden , daß dies nur eine Hallucination gewesen , und das himmelshelle Glückslicht , welches von diesem Wahnbild ausgeflossen , ließ mir die höllenfinstere Nacht meines Unglücks nun desto schwärzer erscheinen . » O mein Friedrich - mein Verlorener ! « stöhnte ich . » Martha , Weib - ! « Was war das ? Eine wirkliche Stimme - die seine - und wirkliche Arme , die mich stürmisch umfingen ... Es war kein Traum : ich lag an meines Mannes Herzen . Wie in der letzten Abschiedsstunde unser Schmerz sich mehr in Thränen und Küssen , denn in Worten geäußert hatte - so auch unser Glück in dieser Wiedersehensstunde . Daß man vor Freude wahnsinnig werden kann , ich fühlte es deutlich , als ich den Verlorengeglaubten wieder fest hielt , als ich schluchzend und lachend und erregungszitternd immer wieder den teuren Kopf mit beiden Händen faßte , um ihm Stirn und Augen und Mund zu küssen , unverständliche Worte stammelnd ... Auf meinen ersten Jubelschrei war Tante Marie aus dem Nebenzimmer herheigeeilt . Auch sie hatte von Friedrichs Rückkunft keine Ahnung gehabt und bei seinem Anblick ließ sie sich mit einem lauten » Jesus , Maria und Joseph ! « auf den nächsten Sessel fallen . Es dauerte lange , bis der erste Freudentaumel sich genug gelegt hatte , um gegenseitigen Fragen und Gegenfragen , Mitteilungen und Berichten Raum zu lassen . Dann erfuhren wir , daß Friedrich in einem Bauernhause liegen geblieben war , während sein Regiment weiter gezogen . Die Wunde war keine schwere gewesen , dennoch hatte er mehrere Tage bewußtlos im Fieber gelegen . Briefe waren ihm in letzter Zeit keine zugekommen , und es war auch nicht möglich gewesen , solche abzuschicken . Als er genesen , da war der Waffenstillstand bereits erklärt und eigentlich der Krieg zu Ende . Nichts hinderte ihn , nach Hause zu eilen . Jetzt schrieb und telegraphierte er nicht mehr und reiste Tag und Nacht , um so schnell als möglich anzukommen . Ob ich noch am Leben , ob ich außer Gefahr war - das wußte er nicht . Er wollte sich auch gar nicht darum erkundigen - nur hin , nur hin , ohne eine Stunde zu verlieren und ohne seiner Heimfahrt etwa die Hoffnung abzuschneiden , daß er sein Liebstes wiederfindet ... Und diese Hoffnung ward nicht getäuscht : jetzt hatte er sein Liebstes wiedergefunden : gerettet und selig - über die Maßen selig ... Bald übersiedelten wir alle nach meines Vaters Landsitz . Friedrich hatte zur Herstellung seiner Gesundheit einen längeren Urlaub erhalten und die ihm vom Arzt verordneten Mittel : Ruhe und gute Luft , konnte er am besten bei uns in Grumitz finden . Das war ein glücklicher Nachsommer ... Ich erinnere mich keines Zeitabschnittes in meinem Leben , der schöner gewesen wäre . Die endliche Vereinigung mit einem lang ersehnten Geliebten mag wohl unendlich sein ; aber fast noch süßer will mir die Wiedervereinigung mit einem schon halb Verlorengegebenen scheinen . Wenn ich mich für einen Moment in das Angstgefühl zurück versetzte , welches mich vor Friedrichs Rückkunft erfüllte , oder mir die Bilder herauf beschwor , welche meine Fiebernächte gequält hatten - Friedrich , allerlei Todesqual erleidend - und mich dann an seinem Anblick weidete , so jubelte mir das Herz . Ich hatte ihn jetzt noch lieber , noch hundertmal lieber , den wiedererlangten Gatten , und ich empfand seinen Besitz als einen immer anwachsenden Reichtum . Schon hatte ich mich für eine Bettlerin gehalten - und jetzt : - die Freudenmillion war mein ! Die ganze Familie war in Grumitz versammelt . Auch Otto , mein Bruder , brachte seine Ferien bei uns zu . Er war jetzt fünfzehn Jahre alt und sollte noch drei Jahre in der Wiener-Neustädter Militärakademie zubringen . Ein herziges Bürschchen , mein Bruder , und des Vaters Liebling und Stolz . Er sowohl , als Lilli und Rosa füllten das Haus mit ihrer Lustigkeit . Das war ein ewiges Lachen und Springen und Ball- und Raquette-Spiel und allerlei tolles Streiche-machen . Vetter Konrad , dessen Regiment unweit von Grumitz in Garnison lag , kam so häufig als möglich herübergeritten und hielt bei den Ausgelassenheiten der Jungen wacker mit . Eine zweite Partei bildeten die Alten - nämlich Tante Marie , mein Vater und einige als Gäste bei uns weilende Kameraden des Letzteren . Unter diesen wurde fleißig Karten gespielt , gemäßigte Parkpromenaden gemacht , den Tafelfreuden gehuldigt und unabsehbar viel » kannegegossen « . Die eben stattgehabten kriegerischen Ereignisse und die durch letztere durchaus nicht zum Abschluß gebrachte schleswig-holsteinische Frage boten ein ergiebiges Feld hierzu . Friedrich und ich lebten von den anderen eigentlich so ziemlich abgeschieden - nur zu den Mahlzeiten trafen wir mit ihnen zusammen - und auch das nicht immer . Man ließ uns gewähren . Es galt als ausgemacht , daß wir in einer zweiten Auflage des