Ein dritter Mann ! Vous êtes le bienvenu , monsieur le baron ! Heini , die Karten ! Wollen Sie einen Grog , Lanzenau ? « Lanzenau war recht nach Grogtrinken und Skatspielen zu Mute . Aber wenn er ' s auch abwies , mußte er doch erst niedersitzen und wenigstens die Geschichte hören , die der Rittmeister wieder von vorn anfing und die Vetter Heini heute zum zehntenmal mit schallendem Gelächter belohnte , bloß dem » Mops « zu liebe . Der Rittmeister fühlte sich dadurch so angeregt , daß er Lanzenau , als dieser dann gehen wollte , noch am Rockknopf festhielt , damit der sich erst erzählen lasse , wie es mit der Reiterattake da und da gewesen . Wäre nicht endlich Herr von Dören erschienen , um zu sehen , ob er sich hier bei einem gemütlichen Skat von der Unterhaltung mit den Comtessen Sieburg erholen könne , die im Schlitten zu führen sein Los gewesen , so hätte die Erlösung für Lanzenau nie geschlagen . Er ging wieder in den ersten Stock hinab , durchschritt den endlosen Korridor und stand mit Herzklopfen vor Fannys Thür . » Nur herein ! « rief Fanny , und als er schon auf der Schwelle stand : » Alle Welt gibt sich in meinem Zimmer Rendezvous . « Fannys Zimmer war von einer großen Lampe sehr hell beleuchtet ; die Herrin saß auf dem Sofa , neben ihr Frau von Dören ; die Gräfin , Lucy und Joachim standen am Tisch und betrachteten Adriennens Bild , welches Fanny der Gräfin mitgebracht . Also doch Joachim ! Aber nicht allein , in der zahlreichsten Gesellschaft , ganz wie es hier üblich war , wo die Gäste um diese Zeit sich wohl in dem Zimmer der einen oder des andern einfanden . Lanzenau atmete auf . » Ich bin ein Narr , « sagte er sich , während seine Pulse sich rasch ebneten . Den Blick voll schwärmerischen Mitleids sah er nicht , den Lucy auf ihn richtete , und wenn er ihn gesehen , hätte er ihn sich kaum zu deuten gewußt . Und die Deutung war doch diese : als Lucy vor einer Viertelstunde das Zimmer betreten , nach ihrer zerstreuten Art ohne anzuklopfen , mußte es ihr klar werden , daß sie störend und überraschend kam . Fanny war ihr stürmisch um den Hals gefallen und hatte sie gebeten , zu schweigen , hatte ihr gesagt , daß aus » bekannten Rücksichten « sie noch der Gesellschaft ihre Verlobung mit Joachim nicht mitteilen könne . Lucy war entzückt , ein romantisches Geheimnis zu wissen , bedang sich aus , nachher erzählen zu dürfen , daß sie die Vertraute gewesen , und fand es besonders interessant bei dieser Liebe , daß Fanny älter sei als Joachim . So hatte Joachim denn auch für seine Liebe zu Fanny einen Mitwisser , wie Lanzenau die zu Severina kannte . Das hämmerte ihm in den Schläfen und machte ihn ganz ratlos . Gleich nach Lucy traten dann die Gräfin und Frau von Dören ein und halfen unbewußt , ein harmloses Bild zu stellen , das für heute wieder Lanzenaus tiefe Sorge übertäubte . Bei Tische wurde viel geflüstert und gekichert . Die Jugend sollte am Abend rasch ein Festspiel einstudiren , das Lucy zu Ehren ihrer Schwester und Fannys gedichtet . Dies Festspiel paßte zwar nicht mehr auf die Situation , denn es stellte Fanny als selbstherrliches , freies , die Liebe und Mannesknechtschaft verschmähendes Weib in Gegensatz mit der zarten , liebenden Gräfin , die als Gattin und Mutter ihren Wirkungskreis begrenze ; hiebei fiel auf Fanny alle Glorie und auf die Gräfin nur einiges notgedrungene Lob . Aber einstudirt mußte es werden und die Veränderung war - so tröstete sich Lucy - ja niemand weiter bekannt . Joachim mußte mitwirken . So kam es , daß die älteren Glieder der Gesellschaft sich diesen Abend von der Jugend absonderten und in ruhigen Gesprächen um den Theetisch saßen . Fanny zeigte sich seltsam zerstreut , und wie Lanzenau ihr so gegenüber sie prüfend betrachtete , fiel es ihm auf , daß sie doch - doch verändert sei . War es inzwischen geschehen , oder war ' s ihm heute früh entgangen ? Das Licht eines großen , geheimnisvollen Glücks strahlte aus ihren träumerischen Augen , diesen Augen , die sonst durch ihren raschen , gesammelten Blick gebietend wirkten . Und um ihren Mund lag ein Zug - ein nie gesehener , unerklärlicher . Die Thür vom Salon der Gräfin nach dem großen Saal stand auf . Die junge Welt erschien dort , begnügte sich aber , herein zu nicken und etablirte sich um den großen runden Tisch unter dem Kronleuchter zu irgend einem Spiel . Fanny fühlte es wie einen Schmerz , daß Joachim zwischen den jungen Mädchen blieb . Aber natürlich - wie konnte er anders , er mußte thun , was Vetter Heini that . Und wie lustig er mit der kleinen Meerheim war und schon so vertraut . Auch die anderen richteten ihre Beobachtungen auf das Bild , welches sich im Rahmen der Thür anmutig genug bot . » Der junge Herebrecht ist ein selten liebenswürdiger Mensch , « sagte Graf Taiß , » insbesondere die Herzen der jungen Damen scheinen ihm nur so zuzufliegen . Ina Meerheim ist ja ganz aus dem Häuschen . « » Natürlich , « sprach Lanzenau , während er sein Augenglas einklemmte , um auch seinerseits hinzusehen , » natürlich , dieser außerordentliche junge Mann reitet wie der Teufel , schießt wie ein Freischütz und tanzt wie ein Lieutenant - erhabene Eigenschaften genug , um alle Weiber verrückt zu machen . « Der bittere , ja , fast gehässige Spott in diesen Worten war so auffallend , daß alle sekundenlang schwiegen . Graf Taiß klopfte Lanzenau lächelnd auf die Schulter . » Und nebstbei , mein Lieber , ist er fünfundzwanzig Jahre alt , während wir die Ziffer in wenig Jahren umgekehrt haben