) Jemanden so zu ruiniren besitzt keinen Funken Gemüth , ich habe heute bitter geweint nicht meinetwegen was liegt an mir , aber daß es Jemanden giebt der so niedrig denkt - ich wäre einer solchen Handlungsweise niemals fähig - was ich in Zukunft mache weiß ich noch nicht , nun könnte es vielleicht werden was Sie so sehr zu befürchten scheinen , - meine Ehre , Alles ist mir genommen , kümmern thut sich auch Niemand um mich , nun gut , freuen Sie sich Ihrer Ernte . Was meine Schuld bei Fr . L. betrifft , wird schon beglichen werden , bis jetzt habe ich noch keine Schulden gemacht und das könnte auch Besseren als mir passiren . Nun behüt Sie Gott , wie es auch ist und kommen mag , mein Herz haben Sie doch nicht gebrochen . « Rother gerieth in Verzweiflung . Jeder Vorwurf brannte in ihm nach . Allein , war er so schuldig ? Was hatte er denn gethan ? Im Grimm eines schändlich Verrathenen , hatte er sich hinreißen lassen , gefährlicher Drohung gegenüber , selbst eine nicht allzu reinliche Waffe zu brauchen . Was sollte er denn thun , diesem Gräuelwust von Gemeinheit gegenüber ? Ihm fiel ein , daß es vielleicht angezeigt wäre , in das alte Unglückshaus in der Gerichtsstraße hinauszupilgern . Vielleicht hatte die alte Zeugin ihres seltsamen Verhältnisses , Frau Lämmers , etwas Besonderes erfahren . So fuhr er denn dort hinaus , so peinlich er diesen Weg bisher zu vermeiden wußte , der ihn wie ein Calvarien-Weg der Erinnerung mit Dornen stach . Ein glücklicher Zufall wollte , daß er die Frau zu Hause traf . Sie grüßte ihn mit einem freundlichen Lächeln und lud ihn ein , in die alte » gute « Stube zu treten . Hier , wo einst - ! Ihr kleines Töchterchen , den Finger im Mund , krabbelte am Rock der Mutter , während diese zu entschuldigen bat , daß sie an einem Mantel weiternähe . Nein , sie hatte von Kathi nichts gehört , nichts Näheres wenigstens . Diese sandte ihr gestern überraschenderweise das noch schuldige Geld für die Miethe . Vorher hatte sie ihr einmal eine große Photographie geschickt , im » Kostüm « , dabei jedoch einen Rembrandt-Hut auf dem Kopf . » Sehn Sie , da ! « Rothers Herz stand ordentlich still , als er die geliebten Züge wieder so nahe vor sich sah . Er biß sich auf die Lippen , als er das Bild niederlegte , indem er unwillkürlich die Augen senkte . Ob er vor sich selber oder vor den Augen des Bildes ( halb sinnlich-frivol halb vornehm-sentimental ) sein Auge niederschlug , wußte er es selber ? Die Frau benutzte die Gelegenheit , sich auszuklagen . Sie that es aber in einer anständigen und maßvollen Weise , die den Verdacht gänzlich ausschloß , als wolle sie etwa ein pekuniäres Mitleid ihres Besuchers in irgend welcher Weise erpressen . » Wissen Sie , Herr Rother , « gestand sie . » Ein so sonderbares Liebespaar , wie Sie und Kathi hab ' ich noch nie gesehn . Nachher hat sie immer so furchtbar geweint , wenn Sie fort waren : immer rothe Augen und immer Zank . « » Hat sie denn dann auf mich geschimpft ? « fragte er trocken . » Aber nein doch ! Sie ließ nie ' was auf Sie kommen . Ach , sie ist ein gutes Mädchen . Und so fromm ! - Freilich - « sie hielt inne , dann nach einigem Zögern erzählte sie die seltsame Geschichte mit dem Pfandschein beim Abschied . » Ach und ich selber hab ' es so nöthig ! Ganze Tage haben wir Beide so schlecht gelebt ! Nun , jetzt hat sie ja aber doch die Miethe bezahlt ! « Rother schwieg . Er dachte : warum ! Nicht so ganz freiwillig . Jeder Mensch , und sei er noch so verschmitzt , verräth sich irgend einmal . » Offen gestanden , Herr Rother - aber nehmen Sie ' s nicht übel ! « » Bitte , reden Sie nur ! « » Das hab ich nie recht begriffen , das Sie Kathi nicht aus all dem Elend gleich herausrissen . « » Sie wollte ja nicht ! « warf Rother verdrossen hin . » Ich hab ' s ihr oft genug angeboten . « » Ja , ja , das hat sie mir auch gesagt , und nur von Ihnen würde sie vielleicht ' was nehmen , aber lieber auch nicht , bis nicht Alles entschieden sei . « Um sich nicht zu binden ! dachte Rother . Als ein echt frauenhafter Zug fiel es ihm auf , daß Frau Lämmers ihm behaglich erzählte , wie sie mit Kathi wegen Bandwurms beim Arzt gewesen sei und diese sich vorm Arzt und ihr haben ausziehen müssen . Da habe der Arzt auch bekannt : » So ' ne Riesennatur habe er noch nie bei einem Weib gesehn . Eine wahre Pracht ! « Dabei blinzelte sie ihn verständnißinnig an . Trotzdem diese lüsterne Erwähnung ihm in die Eingeweide drückte , runzelte Rothers besserer Theil leicht die Stirn . Es schien ihm widerlich , sich solche Dinge hier wieder vorzugaukeln , wo der schmutzig-fleischliche Theil der Liebe bei ihm gänzlich durch sentimentale Hingebung weggeschmolzen war . Die Frau entwarf dann wieder ein rührendes Bild von ihren eigenthümlichen Verhältnissen . Sie mußte einen Mann ernähren , den sie nicht bei sich wohnen lassen konnte wegen seiner ewigen Betrunkenheit , und ihr Kind dazu ; das Alles mit Nähen und Schneidern ! Rother schaute in Abgründe des socialen Lebens hinein , von denen er in diesem Maße nie eine Ahnung gehabt . Das tüchtige brave Weib ! Ihn durchzuckte der Gedanke : Wäre es nicht das Beste , wenn ich hier zu dieser Frau zöge , mit Sack und Pack ? Um sie zu unterstützen , weil sie sonst doch nichts