auf jede Weise , einerlei , ob erlaubte oder unerlaubte , auszuführen . » Je , Fräulein , sind Sie denn das ? Wie kommen Sie denn jetzt hierher ? « erscholl aber eine Stimme aus einer Tür her , von der eine enge Dienerschaftstreppe zu den Wohnungen der besten Mieter des Haupthauses führte ; und das Fräulein , rasch dem Anruf zuspringend , sagte : » Na , siehst du , ich wußte es ja , daß ich nur meinem Gefühl zu folgen brauchte . Guten Morgen , Rupfer . « Es war Rupfer , der mit einem Stiefel seines Herrn über der linken Faust , einer Bürste in der rechten und einer angenehmen leichten Zigarre aus dem Vorrat seines Hofrats dort » der Unterhaltung bei seiner Mühsal wegen « lehnte und den Haufen alten Eisens inmitten des Hofes wachsen und abnehmen sah . » Ah , so nett ! « rief Rotkäppchen . » Sie suche ich grade . Ihretwegen komme ich , Rupferchen . « » Meinetwegen ? Nanu ? « » Oder des Herrn Hofrats Brokenkorb wegen - natürlich . Ist er schon auf ? « » Nanu ? « fragte Rupfer mit einem Gesicht , als ob er wegen der Bodenlosigkeit der Anfrage sofort zu Stein werden müsse . » Der schon uf ? Und nach solchem Nachhausekommen und dem , was man ihn wahrscheinlich seit gestern hat durchmachen lassen ? Fräulein , wenn Sie dabeigewesen sind , dann will ich Sie gleichfalls seit gestern abend gesucht haben , um das Genauere von Ihnen endlich über dieses Jammerelend zu erfahren . « » Sicherlich war ich dabei . Vom Anfang bis zum Ende . Und erfahren sollen Sie natürlich alles , Rupfer ; aber nur jetzt nicht . Ich habe keinen Augenblick Zeit . Ich war nämlich nicht allein dabei , sondern die vornehmsten Herrschaften , und jetzt schickt mich der Herr Oberst zur Disposition Uhusen von wegen des Degens des Herrn Leutnants Hegewisch . Gehen Sie hinauf , Rupfer , und sagen Sie dem Herrn Hofrat : Ein schönes Kompliment von der gnädigen Frau und dem jungen Herrn Wolfram und Fräulein Paula , und ich sei da und geschickt , um den Degen des Herrn Leutnants abzuholen ; die Herrschaften brauchten das alte Eisen notwendig auf dem Kirchhofe am Sarge der Frau Erdwine . « Zu Stein wurde Rupfer nicht , aber er klopfte sich mit dem Zeigefinger , seine Glanzwichsbürste fester packend , dreimal bedeutend , stumm vor die Stirn . Das arme Mädchen , jetzt zwischen Ärger und Kummer , stampfte mit dem Fuße auf und rief : » Oder noch besser , fragen Sie ihn , ob wir persönlich verabredetermaßen wirklich die Ehre haben werden von ihm . Ob er selber kommen und den Degen mitbringen will . « » Nu gar noch dieses Blech ! Ne , Fräulein , alles andere Ihnen zuliebe , aber diesen Unsinn bestelle ich meinem Herrn nicht . Sie haben ihm gestern abend nicht aus den Kleidern geholfen , Sie haben ihn heute nacht nicht wimmern hören , Sie haben ihn diesen Morgen nicht auf seinem Kopfkissen sich betrachtet . Wissen Sie was , machen Sie sich das letztere Vergnügen . Kommen Sie mit rauf und besehen Sie sich das Unglück ; und denn - wenn es eben nicht anders geht , rapportieren Sie selbst zu Hause , oder von wo sonst Sie mir eben nach Möglichkeit vorflunkern . Hätte das mit der Plempe und dem Kerl mit dem Knüppel als Visitenkarte nicht seine Richtigkeit , so nähme ich Gift drauf , daß das nur wieder einer von Ihren dummsten Narrenstreichen ist , Fräulein . Wollen Sie mitkommen ? « Natürlich wollte Fräulein mitkommen . Wir wissen nun schon , daß ihr Leben sie schon öfter mit dem Hofrat Dr. Brokenkorb in Verbindung gebracht hatte : die geschmackvollen , behaglichen Wohnungsräume ihres gefeierten guten Bekannten imponierten ihr gar nicht . Sie lagen ebenso wie gestern bei niedergelassenen Vorhängen im traulichen Dämmer , diese Räume ; aber Rotkäppchen warf kaum einen Blick auf ihre Herrlichkeiten , Merkwürdigkeiten , Behaglichkeiten . Sonderbarerweise jedoch fing sie , die vorhin so frisch und warm von dem Strohsack der Witwe Wermuth aufgesprungen war , jetzt in diesen durch die allerneuste und sinnreichste Luftheizung erwärmten Zimmern an zu frösteln , und sie zog ihr dünnes Tuch fester um die Schultern . Doch da war das Arbeitszimmer des bekannten und beliebten Gelehrten und Kunstverständigen , und - » Ah ! « rief das Mädchen , in den Sessel vor dem Schreibtisch sinkend . Sie griff nach dem Degen des Leutnants Hegewisch , der immer noch über den wohlgeordneten Papieren , den Kunsthandbüchern und zwischen den Nippsachen lag , der noch nicht durch Rupfers Hand zu dem Haufen alten Eisens drunten im Hofe gewandert war . Und sie seufzte : » So ! « Rupfer warf über die Schulter dem Griff einen verständnisvollen Blick zu , lächelte vergnügt in der Gewißheit , seinem Herrn in Treuen die wohltuendste , angenehmste Mitteilung zu machen , und flüsterte in das Nebengemach hinein : » Herr Hofrat , der Säbel des Herrn Leutnants soll wieder abgeholt werden . « Rotkäppchen lehnte sich über den Arm ihres Sessels dem Türvorhang zu , vernahm aber nichts als einen unbestimmten Laut aus dem Nebenzimmer . » Oder ob Sie vielleicht selber zu dem Begräbnis kommen und den Degen des Herrn Leutnants mitbringen würden ? « Es ließ sich derselbe Laut , nur etwas deutlicher , vernehmen ; Rotkäppchen zuckte die Achseln auf eine Weise , die mehr sagte , als Hofrat Dr. Albin Brokenkorb je in einem seiner berühmten und beliebten Vorträge mündlich oder durch den Druck veröffentlicht hatte . » Gehen Sie doch näher heran und schütteln Sie ihn , Rupfer « , riet sie , und der gute Diener folgte gern und grinsend dem Rat , indem er spaßhaft seiner und seines Herrn guten Bekannten mit der Faust drohte . Rotkäppchen stand jetzt gestützt auf den Degen