über vierzehn Monat is meine Strafzeit aus . « Das war am Abend des 6. März . Pavel rechnete an seinen Fingern . Im Mai des nächsten Jahres wird sie also kommen , um mit ihm zu hausen , die Mutter . Die Mutter , die Genossin eines Raubmörders , die vor Gericht gegen die furchtbare Anklage , die Teilnehmerin seines Verbrechens gewesen zu sein , keine Silbe , keinen Laut der Einwendung gefunden hat , nicht geleugnet hat - nie ! ... Plötzlich erwachte in ihm der Gedanke : Wie ich ! ... Auch er hatte vor Gericht nicht geleugnet , auch er sich nicht entschuldigt . Weil er nicht gekonnt hätte ? Nein - weil er nicht gewollt . Vielleicht - unaussprechlich tröstend , sein ganzes Inneres erhellend , überkam es ihn : Vielleicht hätte auch sie gekonnt und hat es nicht gewollt . Noch am selben Tage schrieb er an seine Mutter ; aber er schämte sich , ihr einzugestehen , daß er von Milada nichts wisse , und beschloß , seinen Brief erst abzuschicken , wenn er sich die Möglichkeit verschafft haben würde , darin Kunde von seiner Schwester zu geben , sollte es auch nur die kurze , karge sein : Milada ist gesund ; sie läßt Euch grüßen . Der grauende Morgen fand ihn auf der Wanderung nach der Stadt , und so früh kam er vor der Klosterpforte an , daß er lange nicht wagte zu schellen . Er lehnte sich an die Mauer des großen Hauses , dessen Dach das Liebste barg , das er auf Erden besaß . Das einzige ihm Nahestehende , ihm Teuere , das rein und unentweiht geblieben war ; das einzige , an dem sein ganzes Herz hing - die Schwester , die sich freiwillig von ihm abgewendet hatte . Die Glocken der Klosterkirche läuteten zur Messe , feierliche Orgeltöne erklangen , und ein Gesang erhob sich so hell , so weich wie die leise bewegte Luft , die ihn auf betenden Schwingen herübertrug aus der Ferne ... Aus einem irdischen Himmel , dachte Pavel - aus einem Reich der Seligen und Friedfertigen , zu hoch , zu hehr , um von der Sehnsucht eines makelvollen Erdenkindes auch nur erreicht zu werden , zu hoch , zu hehr , um ihm anderes einzuflößen als Ehrfurcht und Anbetung . Allmählich hatte sich um Pavel eine kleine Versammlung von alten Leuten und Kindern gebildet , ständigen Kostgängern des Klosters , die auf Einlaß warteten . Als er ihnen gewährt wurde , schloß sich Pavel als der letzte ihrem Zuge an . Die Pförtnerin wies die Armen an einen Tisch , auf dem ein Frühmahl für sie bereitstand , und richtete an Pavel , der am Eingang stehengeblieben war und sich nicht rührte , die Frage : » Was wollen Sie ? « Und er , obwohl ihm war , als würde er an der Gurgel gefaßt und gewürgt , brachte doch die Worte heraus : » Ich heiße Pavel Holub . « Eine dunkle Röte überflog das strenge Gesicht der Pförtnerin . » Ach ja « , sagte sie ; die unangenehme Erinnerung an Pavels ersten Besuch dämmerte in ihr auf . » Ich bin « , nahm er wieder das Wort , » der Bruder der kleinen Milada . « » Ach ja , ach ja - und Sie möchten Ihre Schwester sehen ? « setzte sie überstürzt hinzu . Nein , zu einer so kühnen Hoffnung hatte er sich nicht verstiegen ; erst bei dieser Frage flammte sie in ihm auf und trieb ihm schwindelnd das Blut zu Kopf . » Ob ich möchte ? « stammelte er , » freilich - und wie ! « Die Pförtnerin wurde der begangenen Übereilung inne und sagte verlegen : » Es ist aber kein Einlaß zu dieser Stunde ; es ist heute überhaupt kein Einlaß und ... Aber da ist Mutter Afra « , unterbrach sie sich » ... warten Sie ein wenig . « Sie ging einer alten Klosterfrau entgegen , welche , gefolgt von zwei Laienschwestern , die in die Halle führende Treppe heruntergeschritten kam . Pavel erkannte sie sogleich ; es war das Fräulein Ökonomin , das einst ein so wichtiges Wort gesprochen hatte in der Sache , an der ihm damals sein ganzes Heil zu hängen schien . Die Pförtnerin sprach leise zu ihr , und Pavel konnte nicht zweifeln , daß von ihm die Rede war ; denn Fräulein Afra hatte , während sie schweigend zuhörte , den Blick wiederholt und mit großer Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet . Nun winkte sie ihn heran , fragte melancholisch lächelnd , ob er wirklich Pavel Holub sei , und sagte , als er es bejahte : » Schwer zu glauben , so sehr haben Sie sich verändert . Und was bringen Sie uns Gutes ? « Rasch , wie sie entstanden , war Pavels Hoffnung auf ein Wiedersehen mit seiner Schwester erloschen , und er wagte nicht einmal zu gestehen , daß er sie gehegt hatte . Einer Stube voll roher , halb betrunkener Gesellen hatte er den Meister gezeigt ; diese alte Frau in ihrer heiteren Würde , mit der milden Freundlichkeit in den leidverklärten lügen , schüchterte ihn ein . Unterdrückten und bewegten Tones antwortete er : » Ich bring einen Gruß von der Mutter an meine Schwester Milada und möchte auch fragen ... « seine Stimme wurde beinahe unhörbar , » wie es meiner Schwester geht ? « » Die Frage können wir beantworten , nicht wahr , Schwester Cornelia ? « wandte Fräulein Afra sich an die Pförtnerin . » Ihre Schwester ist gesund an Leib und Seele , dem Himmel sei Dank , der sie geschaffen hat zu unserer Freude und Erbauung . Was den Gruß betrifft , da müssen wir erst Erlaubnis einholen , ihn zu bestellen , nicht wahr , Schwester Cornelia ? « Ihr Auge ruhte wohlwollend auf Pavel , während er , immer noch schwer beklommen , sagte