haben , « sagte geschäftig der Bucklige , warf seinen wehenden Flachsbart auf die Schultern und steckte die spitzige Nase an den bezeichneten Ort . » Aha « . » So , jetzt ist ' s gut . Nun den Frack her . « Gabriel faßte den Frack an den Aufschlägen mit Daumen und Zeigefinger und wiegte ihn in der Luft mit einer Grazie und Vorsicht , als käme jetzt eine Zirkusreiterin angesprengt , um den Teppichsprung auszuführen . » Hipp , hipp , « schnalzte Gabriel leise und seine Augen versanken in einem Runzel- und Faltentrichter , um plötzlich wieder wie Glaskugeln hervorzuschießen . » Bravo , gnädiger Herr , süperb geschlüpft . Man kann ' s nicht schöner machen . Wille und Vorstellung gleich gut , des größten Artisten würdig . « » Keine Redensarten . Wie sitzt der Frack ? Ist er gelungen ? « » Wie das Ding an sich . « Dabei legte Gabriel sein runzliges Klownsgesicht in Falten und nickte dem Schneiderlein überlegen zu . » Haben Sie die Rechnung bei sich , Herr Zangl ? « » Zu dienen , gnädiger Herr ; sie steckt in der Fracktasche . « » Nimm sie heraus , Gabriel , und leg ' sie zu den übrigen . Sie pressieren doch nicht , Herr Zangl ? « » Rechnungen , « brummte Gabriel , » wir machen uns nichts aus dieser Erscheinungsform des Willens . « Der bucklige Schneider legte sein dunkelgrünes Umschlagtuch zusammen , verbiß einen Seufzer und antwortete zaghaft mit säuerlicher Miene : » Gar nicht , gnädiger Herr , es sind zwar schlechte Zeiten , wir haben leider ja kein Hofleben mehr in München , keine Feste und Gesellschaften , keinen Luxus , es ist alles so einfach bürgerlich geworden wie in der Provinz , alle Geschäftsleute klagen , aber wir müssen so auch zufrieden sein . « » Natürlich müssen wir das . « » Es wird wohl auch wieder besser kommen . Ewig kann ' s doch nicht so fortgehen . « » Nein , ewig nicht . « » Wie es Seine Majestät nur so lange hat aushalten können in den einsamen Bergen und Schlössern , siebzehn , achtzehn Jahre oder mehr ... « » Die großen Geister haben immer die Einsamkeit gesucht . Nur Alltagsmenschen brauchen die Herde zur Gesellschaft , weil sie sonst vor Langweile umkämen , da sie nichts in sich selbst haben . Ein bedeutender Mensch fühlt sich umgekehrt in der Gesellschaft vereinsamt und allein . « » Mit Erlaubnis : Seine Majestät soll zuweilen ja Gesellschaft in seinen Schlössern haben , aber nicht die passende ... Stallknechte ... Lakaien ... « » Das ist seine Sache . « » Majestät soll in diesem Frühjahr nicht nach München wollen . Die Stadt soll ihm noch verhaßter sein , seit er ... Man hört so allerlei . Sonst befindet sich Seine Majestät doch wohl ? « » Danke gütiger Nachfrage . Den Umständen angemessen . Adieu , Herr Zangl . « » Adieu , Herr Doktor . Entschuldigen Sie . Adieu . « » Schließ die Thür , Gabriel , und mache , daß ich aus dem engen Zeug wieder herauskomme . Zu allen Martern des Daseins auch noch diese Zwangskleidung , in der man sich eingepreßt fühlt , wie ein Wickelkind . « » Bah , Herr , eine zufällige Erscheinungsform , nicht das Ding an sich . Aber was ist das Ding an sich ? Dem möcht ' ich eins hinaufsitzen , wenn ich ' s mit der Peitsche erreichen könnte ... « » Das Ding an sich ist der Klowinismus . Der Klownismus muß da sein , und deshalb ist er da . Er ist der Kern von allem . Reiß doch nicht so ! Verneinung des Klownismus ist Verneinung des Willens zum Leben . Drum bist und bleibst Du Klown , so lang Du lebst . Du kannst Dich anstellen , wie Du willst , der Klown ist das Bleibende . Nicht so ungestüm sag ' ich . « Der Kammerdiener-Exklown hatte seinen Herrn bis auf ' s Hemd entkleidet . Da ging die Klingel . » Sieh nach ... Nein , bleib ' da . Ich bin ja fast nackt ... Sieh doch nach . Wenn ' s der Tonheros , der langharige Herr von gestern ist , führ ' ihn in den Tempel der Weltlitteratur und biete ihm Zigaretten an und ein Glas Kognak . Musikanten haben immer Durst . Ich sei in der Toilette begriffen und käme gleich , sag ' ihm . « » Den werde ich nach Noten behandeln , den Musikanten , « schmunzelte Gabriel , machte ein Schafsgesicht und hinkte hinaus . Ein überaus schlanker , hochgewachsener , junger Mann mit langen , schwarzen Haaren und glattrasiertem , fahlem Gesicht trat herein . Es war Arthur Friedberg . Er wurde von Gabriel vorschriftsmäßig empfangen . Es wurden ihm die Zigarretten vorgelegt - Gabriel steckte zur Nachprobe gleich ein Päckchen in die eigene Tasche ; auch die Kognak-Karaffe wurde hingesetzt und Gabriel ließ sich ' s von seinem guten Genius nicht zweimal sagen , zunächst selbst ein volles Glas hinter die Binde zu gießen . Friedberg berührte nichts . » Wer sind Sie eigentlich , sonderbarer Hausgeist ? « fragte der Musiker mit gekräuselter Lippe , von der Höhe seiner sechs Fuß und des Bewußtseins seines inkommensurablen Talentes herab . » Ich bin nicht , der ich war , und war , was ich nicht gewesen bin . Der Herr Doktor wird gleich kommen ; den kann man viel fragen . Gehen Sie einstweilen mit Ihrem Ding an sich im Tempel der Weltlitteratur spazieren . « Und für sich setzte er im Abgehen hinzu : » Und lassen Sie sich mit Notenköpfen in allen Tonarten klystieren , Sie verstopfte Einbildung von einer hohen C-Trompete . « » Gnädiger Herr , der ist besorgt und aufgehoben , « meldete der Hinkende . » Also er gefällt Dir nicht