wohl auch fürder damit gehalten wissen wollte ; die arme Alte aber , die siech darniederlag , konnte sich nicht einmengen , wenn sie auch gewollt hätte . Kam die Zinshofer mit unerbetenen Ratschlägen , so wurde sie von der jungen Kleebinderin zum Hause hinausgescholten , wofür die gekränkte Mutter dem ungeratenen Kinde die Strafe Gottes in Aussicht stellte ; doch ließ der Himmel in bekannter Langmut den unkindlichen Frevel » aufsummen « , obwohl die Alte allwöchentlich mindestens einmal zeternd und belfernd von der Jungen hinweglief . Des Holzschnitzers Mutter , das arme , kranke Weib , war nun freilich außerstande , das Haus zu verlassen , auch machte das schwere Siechtum sie anderen Sinnes ; sie wollte in der Hütte sterben , in der sie die längste Zeit ihres Lebens verbracht , sie wollte in ihren letzten Tagen ihr einziges Kind um sich haben , wie nah es ihr auch ging , dessen Neigung mit einer anderen teilen zu müssen , und mit welcher anderen ! Sie mißtraute derselben , ja , sie bangte , » weil sie so gar elend und unnütz herumläge « , daß das junge Weib sie dem verliebten , nachgiebigen Manne ganz entfremden und verleiden könne , und sie glaubte vorbauen zu müssen und sagte oft , ohne eigentlichen Anlaß : » Wenn ich merken tät , daß ich da im Haus zur Last fall , ich ging gleich , mich sollt nix halten . « Daraufhin blickte der Sohn sie jedesmal mit großen , bittenden Augen an , aber er blieb stumm ; daß ihn irgend etwas von seiner Mutter zu trennen vermöchte , schien ihm so ganz undenklich , daß es ihm zu einer Entgegnung an Worten gebrach , und so unterblieb auch jede Beteuerung seiner unveränderten Kindesliebe , nach welcher die arme Kranke wohl erwartend hinhorchte und die sie ihm , sich zur Tröstung und Beruhigung , von der Zunge lösen wollte . Es war aber noch ein anderes , das ihm die Kehle zuschnürte ; er merkte die Eifersucht zwischen der alten und der jungen Frau , und da doch an beiden sein Herz hing , so hielt er es für überflüssig , der einen in Gegenwart der andern gute Worte zu geben , und vermied es des lieben Hausfriedens willen . Ob Helene den Einfluß ihrer Schwiegermutter fürchtete oder nicht , davon war sie überzeugt , daß diese nicht gut auf sie zu sprechen war , und verließ daher nur selten und auf kurze Zeit das Haus , » um der Alten nit Gelegenheit zu geben , ' s Maul auszuleeren und hinterrücks zu schimpfen und zu hetzen « . War aber das junge Weib auswärts , dann legte Muckerl sein Werkzeug aus der Hand und ging hinüber in die Kammer zur Kranken . Mit Schrecken betrachtete er den unförmlichen , von der Wassersucht entstellten Leib , die abgezehrten Arme der hilflos Darniederliegenden . Er zog sich einen Stuhl an das Bett , erfaßte die auf der Decke liegende knöcherne Rechte und hielt sie , bis er die trockene Hitze derselben quälend empfand und sie sachte freigab . Dann hätte er oft gerne beide Hände vor das Gesicht geschlagen und laut aufgejammert , aber er wollte es ja der armen Alten nicht merken lassen und sich selber des Gedankens erwehren , wie schlimm es um sie stünde . Im Monate August war es , an einem Nachmittage , heiß und stille rings , als ruhte die Welt , durch Arbeit ermüdet , als hätte sich die Sonne im Wärmen und Leuchten , die Geschöpfe und Pflanzen im Regen , Bewegen und Wachsen übernommen . Muckerl steckte den Kopf zur Kammertüre hinein . » Die Leni is fort « , sagte er , » da muß ich doch gleich dir nachschaun , dieweil die nit eifern kann , du bist ja wohl mein zweiter Schatz . « Die Kranke lächelte nicht wie sonst dem Eintretenden zu , ihre Augen glänzten feucht , das Gesicht war fahler , sie schien erregt . » Wie geht ' s denn , Mutter ? « fragte er , näher hinzutretend . » Wie soll ' s gehn ? « murmelte sie . » Nit gut , wie immer , wo ' s afs End zugeht . « Er schüttelte den Kopf . » Beutel ' n Kopf nit , Muckerl , ' s is doch so , und daran is nix zu ändern . Freilich wohl , dich wird ' s schmerzen , armer Bub , ich weiß , ich weiß ja , dafür kenn ich dich ; sein ja auch lang gnug zusammengwest , die Täg zähln wir wohl leicht an ' n Fingern her , wo wir uns einmal ausn Augen warn . Aber andern wird just nit viel dran glegen sein . « » Red nit so , Mutter . Wer könnt dir ' n Tod wünschen ? « » Ich muß dir nur sagen , Muckerl , leichter käm mich ' s Sterben an , wann die Heirat nit gwest wär ; aber ' s Menschen Will is sein Himmelreich , du warst alt gnug , den dein zu habn , so wollt ich mich nit einmengen , obwohl mir ' s von allm Anfang an nie recht war . « Der Holzschnitzer blickte zu Boden . Die Kranke holte tief Atem , dann fuhr sie fort : » So schickt ich mich drein und hab der Helen nie was in Weg glegt , freilich wär mir auch nie eingfalln , sie könnt so sein , wie sie is . « » Wie is sie denn ? « stotterte Muckerl . » ' n Vormittag war d ' Matzner Sepherl da und hat d ' Botschaft gbracht , der Kleinleitner Paul , der schon d ' Jahr her siech liegt , wär heut fruh von seinm Leiden erlöst wordn ; da hab ich deutlich ghört , trotzdem s ' mitm Rührlöffel afs eisern Häfen gschlagen hat , wie die