den Himmel und vor dir und bin nicht mehr wert , dein Sohn zu heißen ! « Und ein paar große Tränen rollten dem Alten die Wangen herab . - Wenige Stunden nachher in der ersten Frühe des Tages stand der Alm-Öhi vor seiner Hütte und schaute mit hellen Augen um sich . Der Sonntagmorgen flimmerte und leuchtete über Berg und Tal . Einzelne Frühglocken tönten aus den Tälern herauf , und oben in den Tannen sangen die Vögel ihre Morgenlieder . Jetzt trat der Großvater in die Hütte zurück : » Komm , Heidi ! « rief er auf den Boden hinauf . » Die Sonne ist da ! Zieh ein gutes Röcklein an , wir wollen in die Kirche miteinander ! « Heidi machte nicht lange ; das war ein ganz neuer Ruf vom Großvater , dem mußte es schnell folgen . In kurzer Zeit kam es heruntergesprungen in seinem schmucken Frankfurter Röckchen . Aber voller Erstaunen blieb Heidi vor seinem Großvater stehen und schaute ihn an . » O Großvater , so hab ' ich dich nie gesehen « , brach es endlich aus , » und den Rock mit den silbernen Knöpfen hast du noch gar nicht getragen , o du bist so schön in deinem schönen Sonntagsrock . « Der Alte blickte vergnüglich lächelnd auf das Kind und sagte : » Und du in dem deinen ; jetzt komm ! « Er nahm Heidis Hand in die seine , und so wanderten sie miteinander den Berg hinunter . Von allen Seiten tönten jetzt die hellen Glocken ihnen entgegen , immer voller und reicher , je weiter sie kamen , und Heidi lauschte mit Entzücken und sagte : » Hörst du ' s , Großvater ? Es ist wie ein großes , großes Fest . « Unten im Dörfli waren schon alle Leute in der Kirche und fingen eben zu singen an , als der Großvater mit Heidi eintrat und ganz hinten auf der letzten Bank sich niedersetzte . Aber mitten im Singen stieß der zunächst Sitzende seinen Nachbar mit dem Ellenbogen an und sagte : » Hast du das gesehen ? der Alm-Öhi ist in der Kirche ! « Und der Angestoßene stieß den zweiten an und so fort , und in kürzester Zeit flüsterte es an allen Ecken : » Der Alm-Öhi ! Der Alm-Öhi ! « und die Frauen mußten fast alle einen Augenblick den Kopf umdrehen , und die meisten fielen ein wenig aus der Melodie , so daß der Vorsänger die größte Mühe hatte , den Gesang schön aufrecht zu erhalten . Aber als dann der Herr Pfarrer anfing zu predigen , ging die Zerstreutheit ganz vorüber , denn es war ein so warmes Loben und Danken in seinen Worten , daß alle Zuhörer davon ergriffen wurden , und es war , als sei ihnen allen eine große Freude widerfahren . Als der Gottesdienst zu Ende war , trat der Alm-Öhi mit dem Kinde an der Hand heraus und schritt dem Pfarrhaus zu , und alle , die mit ihm heraustraten und die schon draußen standen , schauten ihm nach , und die meisten gingen hinter ihm her , um zu sehen , ob er wirklich ins Pfarrhaus eintrete , was er tat . Dann sammelten sie sich in Gruppen zusammen und besprachen in großer Aufregung das Unerhörte , daß der Alm-Öhi in der Kirche erschienen war , und alle schauten mit Spannung nach der Pfarrhaustür , wie der Öhi wohl wieder herauskommen werde , ob in Zorn und Hader , oder im Frieden mit dem Herrn Pfarrer , denn man wußte ja gar nicht , was den Alten heruntergebracht hatte und wie es eigentlich gemeint sei . Aber doch war schon bei vielen eine neue Stimmung eingetreten , und einer sagte zum andern : » Es wird wohl mit dem Alm-Öhi nicht so bös sein , wie man tut ; man kann ja nur sehen , wie sorglich er das Kleine an der Hand hält . « Und der andere sagte : » Das hab ' ich ja immer gesagt , und zum Pfarrer hinein ginge er auch nicht , wenn er so bodenschlecht wäre , sonst müßte er sich ja fürchten ; man übertreibt auch viel . « Und der Bäcker sagte : » Hab ' ich das nicht zu allererst gesagt ? Seit wann läuft denn ein kleines Kind , das zu essen und zu trinken hat , was es will , und sonst alles Gute , aus alle dem weg und heim zu einem Großvater , wenn der bös und wild ist und es sich zu fürchten hat vor ihm ? « Und es kam eine ganz liebevolle Stimmung gegen den Alm-Öhi auf und nahm überhand , denn jetzt nahten sich auch die Frauen herzu , und diese hatten so manches von der Geißenpeterin und der Großmutter gehört , das den Alm-Öhi ganz anders darstellte , als die allgemeine Meinung war , und das ihnen jetzt auf einmal glaublich schien , daß es mehr und mehr so wurde , als warteten sie alle da , um einen alten Freund zu bewillkommnen , der ihnen lange gemangelt hatte . Der Alm-Öhi war unterdessen an die Tür der Studierstube getreten und hatte angeklopft . Der Herr Pfarrer machte auf und trat dem Eintretenden entgegen , nicht überrascht , wie er wohl hätte sein können , sondern so , als habe er ihn erwartet ; die ungewohnte Erscheinung in der Kirche mußte ihm nicht entgangen sein . Er ergriff die Hand des Alten und schüttelte sie wiederholt mit der größten Herzlichkeit , und der Alm-Öhi stand schweigend da und konnte erst kein Wort herausbringen , denn auf solchen herzlichen Empfang war er nicht vorbereitet . Jetzt faßte er sich und sagte : » Ich komme , um den Herrn Pfarrer zu bitten , daß er mir die Worte vergessen möchte , die ich zu ihm auf der Alm geredet habe , und daß er mir nicht nachtragen wolle , wenn