das Uhrwerk . » Aber daneben « , fuhr er fort , » ist ein größeres : warum lernst du nichts ? Weil du ungeschickt bist ? Nein ! Oder dumm ? Einen gescheiteren Burschen hab ' ich nie gehabt . Oder weil du zu kurze Zeit dabei bist ? Das ist ja gar schon deine zweite Lehrzeit ! Du lernst nichts , weil du kein Herz für unser goldenes Handwerk hast ! Ich aber - - Sender , du wirst mich ja nicht verstehen oder gar verspotten , aber sagen will ich ' s dir doch ! Täglich im Morgengebet , wenn ich die Stelle sag ' : Ich danke dir , Herr , daß du mich als Mann geschaffen hast , füge ich bei : und als Uhrmacher ! Ich sag ' es nur in Gedanken , denn man kann doch nicht ins Gebet deutsche Worte mischen , und für Uhrmacher haben unsere Väter kein Wort gehabt , aber Er hört mich doch und weiß , daß ich Ihm dankbar bin ! Ich denk ' mir oft : Du hast viel Sorgen , Jossele , und es könnt ' dir besser gehen , aber du tauschst doch mit niemand und kannst nie unglücklich werden , denn du bist gottlob ein Uhrmacher ! Mit wem sollt ' ich tauschen ? Mit einem Wucherer ? Pfui ! Oder mit einem anderen Handwerker ? Der Schuster , der Tischler - mit welchen Sachen haben sie es denn zu tun ? Mit toten , groben Sachen ! Meine sind fein und leben ! Holz ist Holz und Leder ist Leder , aber jede Uhr hat ihre eigene Natur , man muß sie erkennen und lieb haben ; dann vergilt sie einem die Mühe . Ich sag ' dir , Sender , ich , Jossele , der arme Mann , beneid ' keinen , außer vielleicht deinen früheren Meister , Hirsch Brandeis in Buczacz , weil ich leider nicht so geschickt bin wie er . Aber ein Herz dafür hab ' ich wie er ! Und nun sitzt einer neben mir , der kein Herz dafür hat , der dies schöne Handwerk verachtet , und das kränkt mich , das ärgert mich , das empört mich ! « Der kleine Mann erhob auch nun seine Stimme nicht , aber sie zitterte , und seine Wangen brannten . » Verachtet ! « sagte Sender abwehrend . » Das nicht , Meister ! « » O ja ! Für einen Dieb hältst du einen Uhrmacher gerade nicht , aber du möchtest es nicht bleiben . Nicht um die Welt ! Und warum nicht ? Das ist das dritte Rädchen und noch weit größer als das zweite : weil du zu gut dafür bist , du , der Pojaz ! Natürlich - - du bist ja gescheit , und es fallen dir ja lustige Sachen ein , über die man lachen muß , und du kannst jedem nachäffen und ihn so verhöhnen , daß kein Mensch mehr Achtung für ihn hat ! Wer das kann , denkst du , ist zum Handwerker zu gut ! Ich aber sage dir « - und nun erst schwoll die Stimme an - » du bist zu schlecht dazu ! Es gibt zweierlei Arten von Menschen , die braven , fleißigen , die sich ihr Brot im Schweiß ihres Angesichts verdienen , das sind die Gelehrten und die Handwerker . Und andere gibt es , die verachten die Arbeit und mißbrauchen den Verstand , den ihnen Gott gegeben hat , und leben von anderer Leut ' gutem Ruf und aus anderer Leut ' Sack : die Schnorrer , die Marschalliks , die Pojazen ! Ich bin ein echter Uhrmacher , und du bist ein echter Pojaz - und darum haß ' ich dich , haß ' ich dich ! « Die Erregung des Männchens gab Sender die Ruhe zurück . » Das ist traurig für mich « , sagte er . » Aber für Euch ist ' s nicht schön ! Ja , Meister , es gibt Uhrmacher und es gibt Pojazen , aber warum ? Weil sie es so wollen ? Nein , weil Gott es so will . Glaubt Ihr , Ihr hättet ein Marschallik werden können wie unser alter Reb Itzig ? « Jossele machte eine Bewegung entrüsteter Abwehr . » Ich weiß « , fuhr Sender rasch fort . » Ihr hättet es auch nicht werden wollen ! Also auch nicht können , Meister ! Ihr sagt , ich hätt ' kein solches Herz für unser Handwerk wie Ihr ! Wenn das wahr ist , man gibt sich ja nicht selbst sein Herz , sondern Gott tut es ! « » Laß Gott dabei aus dem Spiel « , rief Jossele . » Gott meint ' s mit jedem Menschen gut , Gott gibt jedem das Herz zu einer anständigen Arbeit ! Es kommt nur auf unseren Willen an , auf die Bravheit , den Fleiß ! Ein guter Handwerker kann jeder werden , es ist nur sündige Hoffart , wenn einer sagt : Nein , das mag ich nicht , lieber Pojaz , dazu bin ich geboren ! Und mehr noch als die Hoffart spricht der Hang zum Müßiggang solche Worte aus euch . Es gibt keine geborenen Pojazen - so unbarmherzig ist Gott nicht ! Und wenn du hundert Tage redest , ich glaub ' es nicht ! « » Und ich Euch nicht ! « » Natürlich ! Wolltest du mir glauben , du müßtest dich ja vor mir schämen ! Übrigens - wenn du recht hast , wenn du ein geborener Pojaz bist , was suchst du hier ? Willst du bei mir Künste lernen ? Ich versteh ' nichts , nur mein Handwerk ... « » Ihr wißt « , erwiderte Sender düster , » es ist nicht meine Wahl . Und Ihr behaltet mich auch nur meiner Mutter zuliebe . So bitt ' ich Euch : habt Geduld mit mir