und am Schneidern . Ach , wie langsam das ging , wie oft der Faden riß und wie groß die Stiche wurden ! Aber es hielt zusammen , und das war die Hauptsache . Robert behandelte seine Fischgräte , als sei sie ein Diamant von unschätzbarem Wert , immer in der Angst , das mühsam hergestellte Nadelöhr plötzlich zerbrechen zu sehen . Wo der Stoff doppelt und dreifach übereinander lag , bohrte er mit andern rohen Gräten erst ein Loch hinein , bevor der Stich gewagt wurde . Dazwischen legte er Holz ins Feuer und goß von Zeit zu Zeit etwas Wasser nach , - alles , ohne daran Freude zu haben . Seine Gedanken waren immer bei dem Schiff , wie er es so nahe an der Küste sah , so ganz nahe im gelben Schimmer der Blitze , daß selbst die Menschen klar erkennbar wurden , daß er deutlich den Mann am Steuer und den bei der Kanone unterscheiden konnte . Warum mußte es Nacht sein , als die Rettung fast mit der Hand zu erreichen war ? Robert stützte den Kopf gegen einen Baumstamm und schloß die Augen . Ich bin krank , dachte er , ich werde bald noch elender sein und dann ganz verlassen , ganz allein auf dieser Insel sterben ! - Wenn es nur nicht allzu langsam geht . Als er nach einer Pause die Augen öffnete , war das Feuer erloschen und der Duft des Essens sagte ihm , daß es gar sei . Er nahm aber nur einige Löffel voll , dann stellte er das übrige bei Seite und nähte eifrig weiter , um noch bis zum Abend das angefangene Kleidungsstück zu beenden . Zum Strand wollte er nicht erst gehen . Weshalb auch ? Die Schiffe fuhren ja doch vorüber . Er begriff nicht mehr , warum er sich mit so großer Mühe den Ausguck auf dem Mangobaum gebaut hatte , warum er überhaupt irgend etwas anderes getan hatte , als sich hinzulegen und zu sterben . Schon hatten die Erbsen und die anderen Hülsenfrüchte einen verdorbenen Geschmack angenommen , schon zeigte sich an der Außenseite der Fässer ein leichter Schimmel , und das Brot ging zur Neige , weil der größte Teil davon durch den Regen vernichtet worden war , - der Tod grinste ihm aus hohlen Augen von allen Seiten entgegen . Eine sonderbare Angst bemächtigte sich seiner . Ganz ohne Widerstand durfte er sich nicht ergeben , das fühlte er , sonst war es bald um ihn geschehen . Diese Stimmung lähmte alle Kräfte . Er raffte sich auf und nähte weiter , bis die Dämmerung herabsank . Nun war die Hose fertig , - morgen kam die Jacke dran und dann noch ein neues Wollhemd , um das alte gelegentlich im Bach waschen zu können . Baden mochte Robert nicht , er dachte mit einer Art von Grauen an die Kälte des Wassers . In dieser Nacht schlief er besser und fühlte sich auch am andern Tage leidlich wohl , obgleich er noch immer nicht wieder an den Strand hinabging . Abwechselnd nähend und aufräumend , verbrachte er in einer Art von geistiger Untätigkeit die Stunden an diesem und auch an den folgenden Tagen . Der Palmenstamm hatte jetzt bereits achtzehn Kerben aufzuweisen , Brot und Fleisch waren zu Ende , der Rest des Specks verdorben und die Hülsenfrüchte gänzlich ungenießbar geworden , aber Robert empfand dennoch keinen Mangel . Er lebte nur von Wasser und etwas Wein , ohne jemals Hunger zu fühlen . Seine Kräfte wurden allmählich schwächer , seine Nächte immer unruhiger . In dem schwarzen , überall schlotternden und wunderlich geformten Anzug , blaß und abgemagert , erkannte er kaum sein eigenes Bild , sooft er es im Spiegel des Wassers betrachtete . Lange Stunden verbrachte er tagsüber halb schlafend , halb seinen trüben Gedanken nachhängend in den Zweigen des Mangobaumes am Ufer . Zu tun gab es ja für ihn nichts mehr , und auch die Jagd hatte er vernachlässigt . Warum harmlose Tiere töten , da er sie doch nicht essen konnte ? Seine Blicke gingen über das Wasser , und seine Gedanken verwirrten sich zuweilen unmerklich . Er hielt nach dem Schiff Ausschau , dessen Auftauchen ihn krank gemacht hatte , er sah im Geiste immer vor sich die weißen Segel und hörte die rollenden Donner des Geschützes . - - In seiner Behausung auf dem Mooslager lag er oft halb betäubt . Er dachte an die Heimat , an die Kameraden vom Schiff und an die Nacht , als er hierher schwamm an diesen gastlichen Strand , der ihm zum Grab werden sollte . - - Dreiundzwanzig Kerben zeigte der Stamm . Robert war nicht am Meeresufer gewesen , seine Kräfte hatten für den weiten Weg nicht ausgereicht ; er saß vor der Tür seiner Höhle , gegen den Erdwall gelehnt , und hielt die Augen im Halbschlummer geschlossen . Stunde um Stunde verrann , er scheute sich aufzustehen und blieb in der einmal gewählten bequemen Stellung sitzen . Heute war der Mond hinter Wolken versteckt , kein Strahl erhellte den kleinen freien Platz , aber Roberts Augen hatten sich so an die Dunkelheit gewöhnt , daß sie jeden Baum , jeden einzelnen Zweig deutlich unterschieden . Er wachte mit geschlossenen Lidern . Seine Gedanken wanderten . Da rauschte es hinter ihm , als wenn die Büsche gestreift und zurückgebogen würden . Ein Schatten fiel über den Rasen . Robert öffnete die Augen . Ohne sich zu bewegen , ohne ein Glied zu rühren , sah er hinüber zu der Stelle , von wo der Laut gekommen war . Der Mann in Seemannskleidung stand wieder keine fünf Schritte weit von ihm entfernt . Er hielt in der Hand etwas wie eine Pistole oder ein Werkzeug . Robert war jetzt überzeugt , einen Menschen vor sich zu sehen . Er konnte sich nicht täuschen , - das war ein Mann von Fleisch und Blut , aber kein Fiebergebilde ,