aus frühen Kindertagen gemahnt , die in ihr noch dämmerte . » Es hat Sie allzusehr ergriffen « , sagte Ronald zu Röschen , » den Abschied des Kriegers von Frau und Kind wollen wir nicht mehr lesen . « » Im Gegenteil , noch oft , sehr oft ! « erwiderte sie . Ronalds Gedanken beschäftigten sich noch lange mit ihr und kamen auch immer wieder auf eine vorläufig noch fiktive Persönlichkeit , auf den Mann zurück , der sie einst heimführen sollte . Wird er seines Glückes wert sein ? - Wird er es zu ermessen verstehen ? ... Der Beneidenswerte ! - nicht das Leben nur darf er sie kennenlehren , auch dessen verklärtes Bild , die Poesie . Weiß unter Hunderten einer , was das bedeutet ? Was es bei ihr bedeuten würde ? Im Laufe des nächsten Vormittags suchte Ronald das Fräulein Heißenstein im Garten auf , wo sie sich nach Bozenas Angabe befand , um ihr die inzwischen beendete Gutsbeschreibung zu übergeben und um mit ihr die Angelegenheiten Rondspergs zu besprechen . Regula versuchte mehrmals , der Unterhaltung einigen Schwung zu verleihen , aber es wollte nicht gelingen . Einmal wurde Ronald sogar fürchterlich zerstreut und antwortete auf ihre Bemerkung , es gebe nichts Träumerischeres als einen sonnigen Sommertag , besonders nach einem Regentag : » Achthundert Joch , mein Fräulein ! « Ein paar Minuten früher waren sie Röschen und Anitschka begegnet , die große Sträuße von Wiesenblumen trugen . Röschen hatte den ihren emporgehalten und Ronald im Vorübereilen zugerufen : » Für Ihre Mutter ! « Er wanderte weiter an Regulas Seite , und in einiger Entfernung von ihnen ging sein Vater mit dem Burggrafen im Garten spazieren ; er hatte Ronald und das Fräulein wohl bemerkt , schien ihnen aber sorgfältig auszuweichen . Eine böse Vorbedeutung ! Ronald wußte , wenn der alte Herr es vormittags vermeidet , mit ihm zu sprechen , so geschieht es , weil er etwas gegen ihn auf dem Herzen hat . Vor Tische darf aber keine unangenehme Erörterung stattfinden , das wäre gegen alle Regeln der Hygiene . Ärgern darf man sich ohne Schaden für die Gesundheit erst nachmittags . Bis dahin versparte sich denn auch heute der Greis das Aussprechen seines Verdrusses ; der tückische Anstifter desselben , sein Günstling , wurde ausnahmsweise zum schwarzen Kaffee auf die Terrasse geladen . Und kaum hatte sich die Gesellschaft um den runden Tisch versammelt , als der Graf auch schon seinem ihm gegenübersitzenden Sohne zurief : » Unter anderm ! Mir ist gemeldet worden , daß die Bauern Tag und Nacht an der Grenze jagen . Weißt du davon ? « » Nein , Vater « , erwiderte Ronald und sah dabei den Burggrafen strafend an , was der mit dreister Gelassenheit ertrug . » Mein guter Sohn kümmert sich um derlei Lappalien nicht « , spöttelte der Graf . » Was liegt ihm daran ? ... Warum sollte der Bauer nicht jagen ? - Es freut auch ihn , und seine Freude wiegt die des Edelmanns auf . Vor Gott sind wir alle gleich . Deshalb nehmen wohl die Hannaken , wie ich ebenfalls höre , die Pfeife nicht mehr aus dem Munde , wenn sie mit dir sprechen . « Den Anfang seiner Rede hatte der alte Herr an die ganze Gesellschaft , ihren letzten Satz an seinen Sohn allein gerichtet ; es war ein direkter Angriff , den Ronald mit lächelnder Ruhe hinnahm und mit dem offenen Geständnis beantwortete : » Es kommt freilich vor . « Der Graf schüttelte sich , wie durchfröstelt von Widerwillen . » Zu meiner Zeit « , fuhr er fort , » steckte der Bauer , wenn er mich von weitem sah , auf die Gefahr hin , in Flammen aufzugehen , die brennende Pfeife in seine Tasche . Dir - klopft er sie einmal auf der Nase aus . « Dies sollte im Scherze gesprochen sein , kam aber um so bitterer heraus , je mehr der Graf sich bemühte , die in ihm gärende Entrüstung hinter seinem Spotte zu verbergen . Die Gräfin erbebte leise , Regula verzog den Mund und dachte : Wie kann man sich das bieten lassen ? Der Burggraf kicherte untertänig , und Röschen erschrak und erbleichte ... Was wird geschehen ? - Wird Ronald zornig auffahren gegen seinen Vater ? ... Angstvoll schoß ihr Blick zu ihm hinüber und traf ein ernstes , aber unbewegtes Angesicht , auf dem ihr Auge ruhen blieb so voll Mitgefühl , so voll Bewunderung , daß der Mann unter diesem begeisterten Kinderblicke errötete und den seinen senkte . Es war eine schwüle Sekunde , und allen gereichte es zur Erquickung , einen Wagen in den Hof rollen und Peter melden zu hören : » Frau Baronin kummen . « » Meine Thilde ! « rief der Graf lebhaft und erhob sich , um die Tochter zu begrüßen , deren sonore Stimme sich bereits in der Halle vernehmen ließ . Gleich bei ihrem Erscheinen erklärte die Baronin , sie käme heute weder um Papas noch um Mamas , sondern nur um Regulas willen , auf welche sie auch zuerst zuging und der sie flüchtig einen Kuß auf die Wange gab . » Ronald und ich « , rief die Freifrau , » wollen diese Städterin mit unserer Landwirtschaft bekannt machen , für die sie sich außerordentlich interessiert . « Der Graf dachte zwar , davon habe er bis jetzt nichts bemerkt , aber es freute ihn immer , wenn sich jemand geneigt zeigte , die Herrlichkeiten Rondspergs in Augenschein zu nehmen . Auf den Wunsch der Baronin mußte ohne Verzug angespannt werden ; sie lachte , als ihre Mutter sie bat , doch ein wenig von ihrer Fahrt auszuruhen . Was tut man denn beim Fahren anderes als ruhen ? Sie hatte keine Zeit zu verlieren , übermorgen in aller Gottesfrühe mußte sie wieder fort ; denn : » Wir nehmen die Sommerbirnen ab und