Paul nach wenigen Stunden auf dem breiten , ebenen und grundfesten Boden des Wirtshauses nicht mehr so sicher gestanden , wie oben auf der Spitze . Das erhöhte Kreuz aber hat seinen Arm huldreich ausgebreitet über die Kirche und über das Wirtshaus . Einige Tage später . Es wird aber nicht wahr sein , was man über den Sohn unseres Waldherrn redet . Der junge Herr soll es toll treiben . Es haben auch der Reichtümer allzuviel auf ihn gewartet , als er in dieser Welt ist angekommen . Ei freilich läßt sich mit klingendem Namen und klingender Münze im Leben etwas machen ! Aber ich habe dem guten Hermann ja gesagt , woher das Brot kommt und was Arbeit heißt . Freilich , das eine hat mir nicht gefallen wollen , daß er niemals auf die Arbeiter des Feldes und auch niemals auf die Blumen des Frühlings und auf die Blätter des Herbstes hat geachtet . Doch nein , Hermann , du kannst so sehr nicht irren . An deiner Seite steht ja der heiligste , treueste Schutzgeist , den die Erde und der Himmel geboren hat . - Komme doch einmal herein in unseren schönen , stillen Wald ! Morgenrot und Edelweiß Im Sommer 1818 . Zuweilen ist mir im Winkel hier doch gar recht einsam zu Herzen . Ich weiß nun aber ein Mittel dagegen ; ich gehe zu solchen Stunden hinaus in die noch größere Einsamkeit des Waldes ; und ich bin in derselben sogar schon nächtlicher Weile gewesen und habe die schlummernde Schöpfung betrachtet und Ruhe empfunden . Nacht liegt über dem Waldlande . Der letzte Atemzug des vergangenen Tages ist verweht . Die Vöglein ruhen und träumen und dichten künftige Lieder . Aber die Käuze krächzen und Äste seufzen in ihren Stämmen . Die Welt hat ihr Auge geschlossen , aber ihr Ohr tut sie auf , der ewigen Klage der Menschen . Wozu ? Ihr Herz ist Felsgestein und nimmer zu wärmen . Nein , sie wärmt ja mit ihrer Ruhe und mit ihrem Blick . - Oben drängt sich Gestirn an Gestirne , es tanzt seinen Reigen und freut sich des ewigen Tages . - Auch dem Walde naht der Morgen wieder , schon winken ihm die Zweige . Es naht der junge König auf Wolkenrossen vom Aufgang her geritten und bohrt seine glutlodernden Lanzen in das Herz der Nacht , und diese stürzt nieder in dämmernde Schluchten , und von felsiger Zinne rieselt das Blut . Alpenglühen nennen es die Leute , und wenn ich ein Dichter wäre , ich wollte es besingen . Zu dieser Jahreszeit wäre es auf dem grauen Zahn gut sein . Zur Nachtszeit , während unten in den Tälern die Menschen ausruhen von Mühsal , und träumen von Mühsal , und sich stärken zu neuer Mühsal - stehen da oben die ewigen Tafeln in stiller Glut , und um Mitternacht reicht über dem Zahn ein Tag dem andern die Hand . » O , das ist ein schönes Licht ! « hat der alte Rüpel einmal ausgerufen , » das leuchtet hinaus in die weite Fern ' , das leuchtet mir hinein in mein tiefes Herz , das leuchtet mir hinauf zu Gott dem Herrn ! « In meiner Seele ist zuweilen eine so seltsame Empfindung ; Sehnsucht nach dem Weiten , nach dem Unbegrenzten ist nicht ganz der rechte Name dafür ; Durst nach dem Lichte möchte ich sie heißen . - Mein armes Auge , du vermagst der dürstenden Seele nicht genug zu tun ; du wirst in dem Meere des Lichtes noch ertrinken und sie wird nicht gesättigt sein . Ich bin dieser Tage wieder auf dem Zahn gewesen . Bald werde ich ja an den Glockenstrick geknüpft sein , wenn andere Leute Feiertag haben . Es sei , der Glockenstrick ist ein langer Atem , der sagt mit jedem Zug den Menschen was Gutes und lobet Gott . Ich habe von dem hohen Berge aus nach den Niederungen geschaut , aber das Meer hab ' ich nicht gesehen . Ich habe gegen Mitternacht geschaut bis zu den fernsten Kanten hin , von da aus man vielleicht das Flachland könnt ' sehen , und die Stadt und den Giebel des Hauses , und das Gefunkel der Fenster ... Und wie lang ' müßtest du fliegen , du Blick meines Auges , bis hin ins Sachsenland zum Grabe ! ... Der scharfe Wind hat meine Gedanken abgeschnitten . Da bin ich wieder niederwärts gestiegen . An einem Überhang des Grates habe ich etwas Freundliches gefunden . Das habe ich am Gestade des fernen Sees von meiner Ahne schon gehört , und das habe ich von den Menschen dieses Waldlandes wiederholt vernommen , daß in der Sonne d ' rin die heilige Jungfrau Maria am Spinnrade sitzt . Sie spinnt Wolle von schneeweißen Lämmlein , wie sie im Paradiese weiden . Da ist ihr einmal , als sie bei dem Spinnen eingeschlummert und vom Menschengeschlechte hat geträumt , ein Flöcklein der Wolle auf die Erde gefallen , ist hängen geblieben an einem hohen und Felsen , und die Leute haben es gefunden und Edelweiß geheißen . Zwei Sternchen davon hab ' ich abgepflückt und sie an meine Brust getan . Das eine , das ein wenig rötlich leuchtet , sei Heinrichrot genannt , das andere , schneeweiße , das ... lasse ich bei seinem alten Namen . Als ich gegen Abend zu den Wäldern und Geschlägen niederkomme , stößt mir was unsäglich Liebliches zu . Da sehe ich unweit meines Fußsteiges eine Schichte frischgrünen Grases ; es duftet mir einladend entgegen , und so denke ich , daß ich hinschreite dazu und meine ermüdeten Glieder darauf ein wenig rasten lasse . Und wie ich nun zur Grasschichte komme , sehe ich darin ein Kindlein schlafen . Ein blütenzartes , herziges Kindlein , in Linnen gewickelt . Ich bleibe stehen und wahre meinen Atem , daß er nicht in Verwunderung ausbreche und so das Wesen wecke