leuchten lassen über mich , fromm die Hände faltete und mit gebeugtem Haupte für mich inbrünstiglich betete . Bemperlein schwieg . Er hatte die Brille , die immer trüber geworden war , abgenommen und rieb die Gläser mit dem Taschentuche wieder blank . Und was ist aus Christian geworden ? fragte Franz . Er ist jetzt Professor der alten Sprachen an einem Belgischen hochberühmten Lyceum ; seine Grammatik über den dorischen Dialect ist epochemachend für die Sprachwissenschaft . Ich hatte vorgestern einen sechszehn Seiten langen Brief von ihm . Und was ist aus dem Frack geworden ? fragte Sophie . Er hängt noch heut zu Tage wohlerhalten als theures Andenken in meinem Schrank , erwiderte Herr Bemperlein , die Brille wieder aufsetzend und Sophie schalkhaft anlächelnd ; ja , und was noch mehr sagen will : er paßt mir noch heute so gut , als er mir damals paßte , und ich kann mich in ihm jederzeit vorstellen , falls mein gnädiges Fräulein an der Wahrheit dieser wahrhaftigen Geschichte zweifeln sollte . Wollen Sie mir eine Bitte erfüllen , Bemperchen ? sagte Sophie mit ungewöhnlichem Ernst , ihm die Hand entgegenstreckend . Jede ! sagte Bemperlein mit Enthusiasmus , die Hand des Mädchens ergreifend . Lassen Sie sich zu meiner Hochzeit keinen neuen Frack machen , sondern kommen Sie in dem alten , der für Sie durch so herrliche Erinnerungen geweiht . Ist das Ihr Ernst ? Zweifeln Sie daran ? Nun gut , sagte Herr Bemperlein , Sophien die Hand küssend , ich will in dem Frack , den ich mir zu meiner Confirmation selbst gemacht habe , Ihr Brautführer sein . Die kleine Gesellschaft beendigte ihr kaltes Abendbrod und begab sich in das trauliche Wohnzimmer zurück , wo Sophie den Thee bereitete , während Franz ging , sich nach des Geheimraths Befinden umzusehen . Er kam mit der erfreulichen Kunde zurück , daß Papa , seit dem Beginn seiner Krankheit zum ersten Male in einem ruhigen , erquickenden Schlafe liege , in welchen er , wie der Diener , der diese Nacht bei ihm wachte , erzählte , alsbald gefallen sei , nachdem er noch eine Zeit lang mit gefalteten Händen abgebrochene Worte gemurmelt hatte . Franz sagte , daß die Reconvalescenz von diesem Augenblick rasch fortschreiten werde und daß er jetzt die beste Hoffnung für eine möglich vollständige Wiederherstellung habe . Sophie umarmte und küßte ihn für diese frohe Botschaft und Herr Bemperlein schwur , daß er von heute Abend an außer den vier heiligen Evangelisten noch einen höchst unheiligen , Namens Franziskus , kenne und verehre . Sie hatten sich um den Kamin herumgesetzt . Der Dampf der Theemaschine und der Rauch der Cigarren , welche sich die Herren angezündet hatten , stieg in Wolken zu der Büste des Zeus hinauf , der nun zu einem behaglichen Jupiter Xenius wurde . Franz war in einer eigenthümlich aufgeregten Stimmung , die sich Sophie durch die Freude über die günstige Wendung , welche die Krankheit des Vaters genommen hatte , erklärte , die aber einen noch ganz andern Grund hatte . Es war die nervöse Erregung , die auch den Muthigsten vor dem Beginn der Schlacht überkommt , und Franz fühlte und wußte , daß der Kampf des Lebens heute für ihn in Wahrheit entbrannt war . Hatte er doch die ernstesten Verpflichtungen , die von unabsehbaren Folgen für seine , für Sophiens Zukunft sein konnten , übernommen ! Lag doch von heute an die ungeheuerste Verantwortung auf seinen Schultern ! Sah er doch plötzlich das Meer , auf welchem das Fahrzeug seines und ihres Glückes schwamm , von den gefährlichsten Klippen angefüllt , die sicher zu durchsteuern , es eines allzeit klaren Kopfes , eines allzeit muthigen Herzens , einer allzeit festen Hand bedurfte ! Sophie ahnte nicht , was ihr Verlobter empfand , als sie jetzt , in Gemeinschaft mit Bemperlein , anfing , sich die Zukunft nach ihrem Geschmack auszumalen - ein kleines , behagliches Paradies voll Ruhe , Frieden und Sonnenschein . Sie müssen auch heirathen , Bemperchen , rief sie . Mit dem größten Vergnügen , erwiderte Herr Bemperlein ; finden Sie nur erst die Hauptsache . Das wäre ? Ein Mädchen , das mich lieben will und das ich lieben kann . Ich werde Ihnen eins aussuchen , Bemperchen . Ich kenne Ihren Geschmack , und weiß ganz genau , wie die zukünftige Frau Professor Bemperlein beschaffen sein muß . Da wäre ich doch neugierig , sagte Herr Bemperlein , sich behaglich in seinem Lehnstuhl zurechtrückend . Zuerst , sagte Sophie , was das Aeußere betrifft - denn Sie legen doch auch etwas Gewicht auf das Aeußere , Bemperchen , oder nicht ? Doch , doch ! sagte Bemperlein eifrig . Nun wohl ! so darf Ihre Zukünftige nicht eben groß sein . Weshalb nicht ? Weil Sie selbst kein Riese sind , Bemperchen , und Sie wissen : nur Gleich und Gleich gesellt sich gern . Ich schlage deshalb vor , daß sie zierlich und manierlich ist , ein hübsches kleines Figürchen mit dunkelm Haar und dito Augenpaar , gewandt , anstellig , munter und beweglich . Sind Sie ' s zufrieden ? Hm ! sagte Herr Bemperlein ; nicht übel ; gar nicht übel ! Weiter ! Sodann , was die Vermögensumstände angeht , so darf sie nicht reich sein . Sie wissen , weshalb ? Weil ich mit dem Gelde doch nichts anzufangen wüßte ? Das meine ich . Habe ich recht ? Vollkommen . Aber nun erklären Sie mir noch nachträglich , weshalb die in Frage stehende Dame gerade braunes Haar und braune Augen haben soll ? Ich habe , soviel ich weiß , nur von dunkelm Haar und dunkeln Augen gesprochen ; aber wenn Sie die braune Farbe vorziehen , Bemperchen - Ich vorziehen ! sagte Herr Bemperlein eifrig , ich vorziehen ! Warum nicht gar ! Bemperchen , Sie sind roth dabei geworden ! die Sache ist verdächtig ! Meinst Du nicht auch , Franz ?