und viel heißen Dampf bei jeder Begegnung der beiden Damen . Das Haus , welches die Baronin von Poppen mit ihrem Sohne in der Kronenstraße bewohnte , war ein sehr ansehnliches ; das Leben , welches die beiden führten , ließ nichts zu wünschen übrig ; dennoch saß sowohl in dem Haus wie in dem Leben der Wurm , da sich derselbe nicht nur in den rotbäckigsten Früchten sehr wohl befinden kann . Das Vermögen der Dynastie vom Poppenhof und von Poppenhagen war im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts beträchtlich zusammengeschmolzen . Der Poppenhof war mit Hypotheken belastet und vollständig in den Händen eines schurkischen Verwalters , da der junge Baron es ganz und gar unter seiner Würde hielt , mit den eigenen Ochsen das von den Vätern ererbte Feld zu beackern . Auf das Haus in der Stadt hielt mehr als ein schwarzhaariger , krummnasiger Geschäftsmann die scharfen semitischen Augen gerichtet ; es lastete auch auf seinen Ziegeln manch eine nicht unbeträchtliche Schuld . Baptiste und Elise stellten im geheimen die wehmütigsten Betrachtungen über die Vergänglichkeit alles Irdischen an und rüsteten sich ahnungsvoll , um mit dem Instinkt , den auch die Ratten haben sollen , im Augenblick des Zusammenbrechens des Glückes von Poppenhall sich mit dem Ihrigen aus dem Staube machen zu können . Die Menschen sind gute Rechner , wenn es gilt , den Eintritt eines dem Nachbar drohenden Unheils zu berechnen . Mamsell Elise und Herr Baptiste glaubten den Bestand des von Poppenschen Haushaltes nur noch auf zwei bis drei Jahre garantieren zu können , unvorhergesehene Zufälle nicht mit in Rechnung gezogen . Ganz so schlimm stand es freilich noch nicht ; aber die Verhältnisse waren doch so verworren , daß Mutter und Sohn in manchen verlorenen Momenten gezwungen waren , sich damit zu beschäftigen und sich einige Sorgen darüber zu machen . Das Haus Nummer fünfzig in der Kronenstraße stammte aus dem Ende des siebenzehnten Jahrhunderts ; es war ein vom Alter und Rauch geschwärztes steinernes Gebäude , über dessen Fenstern behelmte Kriegerköpfe grimmig sich anlächelten , eine steinerne Balustrade lief vor dem Dache her , und auf dieser Brüstung standen vier verwitterte Statuen mit den Attributen der vier Jahreszeiten . Dem Frühling fehlte aber der Kopf , der Sommer hatte den Arm , der Herbst die Sichel verloren ; nur der Winter hatte unversehrt alle Stürme der Zeit und der Witterung überdauert und blickte böse aus den unbeholfenen Falten seines Gewandes . Es war ein recht winterliches Haus , dunkel , feucht und kalt . Die Steinplatten auf der Flur wurden niemals ganz trocken , das Geländer der breiten Treppe fühlte sich immer naß an . Hier und da sah ein halbverwischtes altes Porträt aus schwarzem Holzrahmen von der Wand herab . Wo die Wände vertäfelt waren , half es nichts , das Wurmmehl wegzufegen ; es rieselte immer von neuem unter der ununterbrochenen Arbeit der grabenden , wühlenden Tiere hervor und sammelte sich zu Haufen . Die Baronin haßte dieses Haus recht von Herzen , sie nannte es einen Grabkeller und würde es gern gegen eine der modernen Wohnungen in einem modernen Viertel der Stadt vertauscht haben , wenn nur Leon damit zufrieden gewesen wäre . Diesem jungen Herrn aber war die Lage und Gelegenheit des Hauses ganz genehm ; es ließen sich daselbst recht hübsche kleine Partien , ganz hinter den Leuten , geben ; das aristokratische Viertel mit seinen breiten Straßen , seinen Gärtchen vor den Häusern , seinen hellen Fenstern und Gemächern hatte in dieser Hinsicht nicht den mindesten Reiz für ihn ; er rühmte als hoffnungsvoller junger Diplomat der Mama das ungemein vornehme Etwas , welches in diesem alten Familiengebäude derer von Zieger sich manifestiere ; die Mama seufzte , gab ihrem Sohne recht , und man blieb , wo man war - die Mutter in dem elegant ausgestatteten ersten Stock , der Sohn im zweiten Stockwerk , wo er sich so eingerichtet hatte , wie es einem zivilisierten Jüngling der Jetztzeit zukam . Das dritte Stockwerk war unbewohnt und diente den Ratten und Mäusen als geräumiger Tummelplatz ; alles , was seit anderthalbhundert Jahren in der Familie von Zieger an Kleidungsstücken , Gerätschaften , Meubles abgängig geworden war , hatte hier ein Unterkommen gefunden . Wären wir mit dem Blick eines Trödeljuden begabt , wir würden uns mit Vergnügen auf eine genauere Beschreibung dieser Räumlichkeiten und ihres Inhalts einlassen ; die Menschen interessieren uns aber zumeist , und so machen wir Gebrauch von unserm Privilegium , überall ungehindert eintreten zu können , und führen , ohne durch den holden Baptiste und die schöne Elise an der Tür zurückgewiesen zu werden - wir haben auch hoffentlich nicht das Ansehen von Gläubigern ! - unsere Leser ein bei der Frau Baronin . Die gnädige Frau hatte Besuch . Frau von Schellen mit ihrer Nichte und Frau von Eichel waren soeben fortgegangen , Frau von Flöte und ihre Tochter Lydda saßen noch am Teetisch der Baronin . Von den erstgenannten drei Damen wäre mancherlei Angenehmes zu sagen , wenn wir Zeit dazu hätten , für Artemisia und Lydda von Flöte aber müssen wir unbedingt einen Raum unseres Buches verwenden ; wir können dafür den für die Expektorationen des alten Ulex ein wenig beschneiden oder den für die Bemerkungen des Polizeischreibers Fiebiger beschränken . Es gibt Venusstatuen , welche der fromme Glaube vergangener Jahrhunderte so bemeißelt , beleckt und beküßt hat , bis eine echte Heilige des christlich-katholischen Himmels , eine Sancta Agnes , eine Sancta Klara , eine Sancta Katharina daraus geworden ist ; ein ganz ähnlicher Prozeß war mit Artemisia von Flöte vorgegangen . Sie war jung und schön gewesen , und man hatte sie umtanzt wie einen englischen Maibaum ; jung und schön war sie nicht mehr , den Rosenkranz hatte sie vom Kopfe herabgenommen , aber in der Hand behalten ; sie war immer reich , sehr reich , und jetzt fromm - sehr fromm . Die arme Lydda von Flöte hatte niemals eine Zeit der Rosen gekannt ;