nichts , als Regina sehen , und da die Vorhänge nicht fest schlossen , so sah er sie durch deren Spalte gerade vor sich im Profil . Eine Muttergottesstatuette stand unter einem Bogen von Lilien auf einer Konsole an der Wand . Regina kniete vor ihr auf einem Betstuhl , die Arme auf dessen Lehne gestützt , in den zusammengelegten Händen die zierliche Perlenschnur eines Rosenkranzes von Onyx haltend , den Kopf und das Auge . aufwärts gehoben . Ihr rosenfarbenes Florkleid wellte sich wie ein Frühlingsmorgengewölk um ihre schlanke Gestalt . Einige blaßrote Teerosen hingen leicht in ihrem Haar , das ganz einfach mit zwei großen goldenen Nadeln aufgesteckt war , deren Knopf ächte Perlen verzierten . Übrigens trug sie keinen Schmuck , nicht einmal ein Armband . Ein Strauß von frischduftenden Teerosen und ihre Handschuhe lagen neben ihr ; sie war also ganz bereit zum Ball , aber ihre Gedanken wendeten sich nicht ihm zu ! die gingen auf anderen Wegen , als auf dem Parkett eines Tanzsaales , und hörten andere Melodien , als die eines Galopps , und sahen andere Gestalten , als ballmäßig geschmückte Elegants . Ebenso regungslos wie Regina auf den Knien lag , stand Uriel hinter dem Vorhang , der sich , wie die Schranke der Irdischkeit über eine himmlische Vision , herabsenkte und ihm nur gerade einen Durchblick gönnte , um sie wahrzunehmen . Und als er so dastand und auf dies holdselige Wesen schaute , das ihm verlobt von der Wiege an und jetzt auf ' s neue zugesagt und durch alle Wünsche und alle Verhältnisse mit ihm verkettet war : da wurde ihm das Herz und schwer immer schwerer , und der namenlose Schmerz stieg in ihm auf , der sich im Innersten seiner Seele entwickelt , wenn sie durch die Macht der Leidenschaft gleichsam als Hellseherin in die Zukunft ihrer Liebe schaut und dort , trotz aller Gunst der Verhältnisse , ihre Hoffnungen unerfüllt sieht . Solche Ahnungen oder Warnungen fliegen an das Menschenherz , wie Möven an die Küste : der Himmel lächelt , die Sonne strahlt , das blaue Meer wogt goldbeflittert vom Sonnenschein in weichen , verrieselnden Wellen ; aber der Schiffer weiß , es gibt Sturm , denn von der hohen See kommen die Möven . Traurig mit seinem ahnungsvollen Herzen stand Uriel da . Er konnte sich der Stimme nicht erwehren , die in seiner Brust ihm zuflüsterte , diese Blume im Garten Gottes blühe nicht für einen Sterblichen . Auch er vergaß den Ball und die Welt und die Zeit , und seufzte still mit einem Anflug von zärtlicher Resignation : Du mystische Rose - bitte für mich . Da veränderte Regina ihre Stellung , machte das Kreuzzeichen und begann halblaut die herrliche Antiphone Salve Regina , dies Sehnsuchtslied der Verbannten nach der himmlischen Heimat . Leise trat Uriel zurück und entwich aus dem Zimmer . Nach einiger Zeit kam sie in den Salon , wo die Baronin , Uriel und der Graf , der seine Besuche abgemacht hatte , beisammen saßen . In des Grafen Gegenwart fühlte sich Uriel beschützt in seinem Recht und seiner Neigung , Regina nicht bloß stillschweigend anzubeten . Er sprang freudig auf , ihr entgegen , beugte ein Knie vor ihr und rief : » Salve Regina ! « » Wo wäre mein Szepter ? « fragte sie und drohte scherzend mit dem Finger . » Dein Finger ist ' s ! « sagte er und küßte schnell die Spitze dieses zierlichen Fingers . Sie antwortete nichts ; sie zog nur ihre Handschuhe an . » Regina , « sagte der Graf , » Du bist aber über allemaßen hochfahrend ! Da liegt ein liebenswürdiger Sterblicher vor Dir auf den Knien und Du reichst ihm nicht einmal Deine Hand , damit er aufstehe . « » Warum sollte ich das , lieber Vater ? « entgegnete sie lachend ; » Uriel hat sich ja zu seinem Vergnügen in diese höchst malerische Stellung geworfen ; ich würde es für ein Verbrechen halten , ihn darin zu stören . « » Wärest Du nicht ein Engel , Regina , « sagte Uriel , » so hättest Du , glaub ' ich , große Anlagen zur Bosheit . « » Frauenart ! « sagte der Graf ; » hinter dergleichen Bosheit steckt immer etwas Koketterie . « » Das heißt ? « fragte Regina . » Das heißt : die Neigung in aller Gemütlichkeit möglichst vielen Männern den Kopf zu verdrehen . « » Aber , lieber Vater , das ist ja abscheulich ! « rief Regina . » Das wirst Du mir doch nicht zutrauen ! - Ich bin froh , wenn mir mein eigener Kopf nicht verdreht wird . « » Es ist auch nicht so arg , wie der Vater scherzweise sagt , Regina , « wendete die Baronin ein . » Zwei oder drei charakterisieren nicht das ganze Geschlecht . « » Liebe Schwägerin , « erwiderte der Graf , » man sollte es wohl eigentlich nicht in Gegenwart eines jungen Mädchens sagen , weil es auf den Einfall kommen könnte , die Sache auch einmal zu versuchen ; aber ich habe die Überzeugung , daß jene Neigung den Frauen angeboren ist - wie die Eitelkeit . « » Darüber will ich nicht streiten , « entgegnete sie ; » es mag wohl mit der Eitelkeit zusammenhängen . Allein gute und vernünftige Frauen suchen ihre natürliche Neigung zu Eitelkeiten aller Art zu beherrschen . Malen Sie die Welt nicht schwärzer , als sie ist . « » Im Grunde kann man sie gar nicht schwarz genug malen , « sagte der Graf . » Trüge sie nicht ihr buntes Maskenkleid , das mitunter anmutig ist , man liefe davon ! Überall jetzt in der Gesellschaft diese Juden ! das ist unerhört . Und warum sind sie aufgenommen ? Bei dem einen heißt ' s : er ist enorm reich ; bei dem anderen : er ist