hatte , ein . » Noch etwas Besonderes , Sir ? « » Setzen Sie sich einen Augenblick hierher , « erwiderte der Coroner . » Ich hatte durch zwei Beamte eine genaue Durchsuchung des Zimmers , das der Verhaftete in Ihrem Hause bewohnt , sowie der sämmtlichen Möbel darin angeordnet . Die Beamten sind soeben zurück , und obgleich nicht das Geringste entdeckt worden , was zur directen Verstärkung des Verdachtes dienen könnte , so hat sich doch in einem der Koffer dieser kleine Zettel vorgefunden , der wahrscheinlich den Beweggrund der That wird erklären helfen . Die Sache scheint mir zu tief in Ihr Privatleben einzugreifen , als daß ich Sie nicht erst davon hätte benachrichtigen sollen , um wenigstens jede unnöthige Veröffentlichung zu verhüten . « Elliot las und wurde blaß . Es waren die Zeilen , welche Ellen vor einiger Zeit an Helmstedt geschrieben hatte . » Setzen Sie diese Stelle an , « fuhr der Coroner fort , » hier heißt ' s : Wenn etwas gegen den Mann aufgefunden werden kann - womit augenscheinlich Baker gemeint ist - so muß es bald geschehen ; mir ist , als hätten sich heute die Fäden so fest um mich gezogen , daß ich nicht mehr heraus kann , oder als wäre ich heute in meiner Abwesenheit verkauft worden . Ich bin so allein in meiner Angst , und so weiter . - Den Fall gesetzt , daß irgend ein Verhältniß zwischen der Schreiberin und dem Verhafteten stattfand , wie es beinahe hiernach scheint , so findet der Grund der That die natürlichste Erklärung , besonders da den Tag darauf die anberaumte Verlobung stattfinden sollte , und es wird mir unmöglich sein , das Document der Jury vorzuenthalten . « » Um Gottes willen bringen Sie meine Familie nicht vor die Oeffentlichkeit ! « rief Elliot , von seinem Hinstarren auf das Papier auffahrend - er sprang auf , schlug die Hand vor den Kopf und lief in dem Gemache auf und ab . » Ein Verhältniß , « sprach er , plötzlich vor dem Coroner stehen bleibend , » ein Verhältniß hat zwischen beiden sicher nicht stattgefunden , denn meine Tochter war während der kurzen Anwesenheit des Deutschen kaum zwei Tage im Hause , aber , « fuhr er langsam fort , die Augen in die Hand drückend , » es ist um so fürchterlicher , wenn ein Mädchen bei einem Fremden vor ihren eigenen Eltern Schutz sucht . Bringen Sie meine Familie nicht vor das Gericht , Sir ! « » Seien Sie ruhig , Sir , und hören Sie mich . Bleibt Ihre Tochter hier , so ist Ihrer Vorladung und Vernehmung fast nicht auszuweichen . Folgen Sie meinem Rathe , so gehen Sie jetzt heim , sprechen mit Ihrer Frau , sagen aber Ihrer Tochter von dem ganzen Gange des Prozesses kein Wort und schicken Beide auf vier bis sechs Wochen nach New-Orleans zum Besuch . Das ist Alles , was ich sagen kann - ich werde von keiner Ihrer Maßregeln Etwas wissen . « Elliot sah dem Coroner einen Augenblick starr in die Augen , dann drückte er ihm , ohne ein Wort zu sagen , die Hand und eilte zur Thür hinaus . Zehntes Kapitel . Im Gefängniß . Es war über Nacht Winter geworden , wirklicher Winter . Der Schnee lag fußhoch und die Sonnenstrahlen brachen sich auf der hartgefrorenen Oberfläche , ohne sie erweichen zu können . In einer der oberen Zellen des County-Gefängnisses saß Helmstedt an dem vergitterten Fenster und starrte , den Kopf in die Hand gestützt , in den Hof hinab , wo eine Schaar kleiner gelber Vögel suchend im Schnee herumpickte . - Zehn Tage waren seit seiner Verhaftung vergangen und seit dieser Zeit saß er einsam hier , den Zusammentritt der Grandjury und deren Anklage erwartend . Die ersten Tage seiner Haft hatte er in einer stillen Spannung zugebracht ; einzelne ihm völlig fremde Amerikaner hatten sich mit eigenthümlicher Dreistigkeit eingefunden , um ihre Neugierde zu befriedigen ; drei Advocaten waren da gewesen , um vorsichtig nach seinen Geldverhältnissen zu forschen und ihm ihre Dienste als Vertheidiger anzubieten - und in jedem neuen Besuche hatte Helmstedt den Träger einer Botschaft von Oaklea zu sehen gehofft . Als aber Tag für Tag verging , und die Besuche aufhörten , als er durch den Gefängnißwärter den Schluß der Coroner-Untersuchung und seine Ueberweisung an die Grandjury vernahm , da begann er unruhig zu werden . An sein eigenes Schicksal dachte er weniger , denn vor ihm lag noch die ganze eigentliche Criminal-Untersuchung , und bis zu deren Schluß konnten tausend Fälle eintreten , die seine Unschuld oder den wahren Thäter ans Licht brachten - wie war es aber möglich , daß Ellen ohne Kenntniß seiner währen Lage geblieben , wo Hunderte von Zeugen den Verhandlungen beigewohnt hatten ? Oder was war mit ihr vorgegangen , daß sie behindert war , ihm wenn auch nur ein paar Worte des Trostes zu senden ? Ihr energischer Charakter hätte sich durch geringe Hindernisse sicher nicht zurückschrecken lassen . Warum hörte er nichts von ihr ? Das war die Frage , mit der er sich am Tage herumplagte , ohne einen Weg zu ihrer Beantwortung ausfindig machen zu können , und von der er Nachts träumte . Am zehnten Tage brachte ihm der Schließer das Wochenblatt des Städtchens , das durch die Mordthat eine so frische Farbe bekommen hatte , wie das Unkraut nach einem erquickenden Regen . Mordthaten , mit geheimnißvollen Umständen verknüpft , sind für amerikanische Zeitungen ein wahrer Himmelssegen und man sah es dem Wochenblatt an , daß sein Herausgeber es für eine sündhafte Verachtung der Gottesgabe gehalten hätte , wenn nicht mit der vollsten Rücksichtslosigkeit alle nur irgend möglichen Seiten des Falles ausgebeutet worden wären . Helmstedt las eine Darstellung des Mordes , so klar und einfach , daß Niemand den entferntesten Zweifel an der Thäterschaft des Deutschen hegen konnte und daß diesem beim Lesen der Kopf