erzählt , daß daselbst sind viele Frauen verbrannt worden , die vielleicht auch nicht mehr gethan , denn « - er verschluckte das : » Ihr « , welches folgen sollte , und sagte statt dessen : » denn Trunke gebraut und Zaubersprüchlein im Munde geführt . « Die Alte wollte auf ' s Neue auffahren , als es draußen klopfte . » Ihr thut wohl besser jetzt zu gehen , « sagte er ; » geschehene Dinge sind nicht zu ändern , und man muß sie nur betrachten , wenn man noch Nutzen aus ihnen ziehen kann . « » Wir werden wohl noch von einander hören ! « sagte Jacobea , und zog ihr dunkles Kopftuch fester zusammen , so daß nur ein schmaler Streifen von ihrem Gesicht zu sehen war . So drückte sie sich zur Thür hinaus , durch welche ein anderer Jude trat , einen großen Kasten auf dem Rücken , den er mit Waaren aus dem Lager Ezechiel ' s zu füllen gedachte . Er gehörte zu den vertrauten Geschäftsfreunden , welche auch Eintritt in das zweite Gemach hatten und die darin aufgehäuften Schätze besichtigen konnten . Unter den Juden Nürnbergs , obwohl sie nur auf einen besondern Stadttheil beschränkt und durch strenge Verordnungen von der übrigen Bevölkerung geschieden waren , gab es doch auch besitzende , reiche Leute , welche dennoch in unermüdlicher Thätigkeit beflissen waren , das schon Erworbene immerfort zu mehren , ohne doch jemals einen wirklichen Genuß von dem Gewinn zu haben , denn derselbe mußte , um gesichert zu sein vor fremden , besonders christlichen Augen , durch Verborgenheit gehütet werden . Denn immer ward den Juden , » des Reichs Kammerknechten « , Alles mißgönnt ; sie mußten größere Abgaben geben als alle Andern , ja es war schon da und dort vorgekommen , daß sie eine Auflage ganz allein hatten bezahlen und bei manchem Unglück Schadenersatz hatten leisten müssen , wenn dabei auch ein Zusammenhang mit ihrer Schuld noch so gesucht erschien . Ezechiel gehörte zu diesen reichen Juden , und wie tiefe Verachtung man ihm auch öffentlich zeigte , es gab doch Christen genug , die in der Stille ihre Zuflucht zu ihm nahmen und seine Verschwiegenheit mit hohen Procenten erkauften . Vielen war er eine unentbehrliche Person . Er lieh Geld gegen Zinsen und verlieh ebenso auf Kleidungsstücke und Kostbarkeiten . Viele derselben blieben als ungelöste Pfänder in seinem Besitz und lieferten ihm zugleich ein Waarenlager für einen ansehnlichen Trödlerkram . Eine bedeutende Verstärkung erhielt dieser jedoch oft durch ein zwar einträgliches , aber ziemlich anstößiges Geschäft . Er zog nämlich meist in Begleitung seiner Tochter oder seines Sohnes Benjamin trödelnd in der Umgegend umher ; aber gewöhnlich kam er mit gefüllterem Sack zurück , als mit dem er ausgezogen , und war doch gar wohl mit seinem Handel zufrieden . Während die großen Kaufleute von Nürnberg ihre Waaren meist nur mit großer Bedeckung von Reisigen weiter in ' s Land zu führen wagten , da die Raubritter und Wegelagerer jetzt ihr Wesen ungescheuter denn jemals trieben , besonders in den nahen Reichsforsten und oft bis unter die Mauern der Burg , wandelte der Jude mit seinen Kindern einsam , aber sicher , trotz den oft reichen Schätzen , die sie bei sich trugen . Das doppelte Räthsel lös ' t sich leicht : Wo jene die Stehler machten , war er der Hehler . Oder wenn man das nicht sagen kann , da die Raubritter ihr Wesen so ungescheut trieben , daß sie gar keines Hehlers bedurften , sondern mit frecher Hand nur nach dem rohen Recht des Stärkeren räuberisch an sich rissen , was den schwächer bewahrten Handelsleuten abzunehmen war , ihrer Beute oft noch sich rühmend : so war diese doch oft der Art , daß sie für ihre Verhältnisse selbst nicht immer brauchbar erschien - da war denn in diesen Räuberhöhlen , welche den stolzen Namen Schlösser führten , der Jude Ezechiel eine sehr willkommene Erscheinung . Von ihm erhielt man für diese unnützen Waaren nützlichere und dem augenblicklichen Bedürfniß entsprechende nach freier Auswahl , oder baares Geld , und der Jude wußte dabei den Handel immer zu seinem Vortheil zu lenken , wenn er dabei auch immer jammerte und klagte , als habe er nichts als Verlust davon . Aber damit allein waren die Geschäfte des Juden noch nicht erschöpft . Da eben Leute aus allerlei Volk zu ihm ihre Zuflucht nahmen , so war er auch von tausend Dingen unterrichtet , die in den stolzesten Patrizierhäusern wie in den verdächtigsten Schlupfwinkeln der niedrigsten Klasse vor sich gingen und andern Blicken sich verhüllten , und darum wußte er in tausend Stücken Rath , den er sich so gut wie seinen Trödlerkram bezahlen ließ . So , als er auf das Schloß des Ritters von Weyspriach kurz nach der Abreise des Königs Max gekommen , auf dem der aus Nürnberg verwiesene Eberhard von Streitberg einstweilen ein Asyl gesucht , um von da aus seine Ziele zu erreichen , erhielt der Jude von den Rittern den Auftrag auszukundschaften , welcher Goldschmied Nürnbergs die Rose gearbeitet , welche der König der Scheurlin geschenkt . Er sollte eine ganz gleiche danach anfertigen lassen . Da der Jude erfuhr , daß Meister Albrecht Dürer der Verfertiger war , ein Mann , der sich weder durch Bestechung noch Drohung zu einer unredlichen Handlung verleiten ließ , und der sich um keinen Preis in ein Geschäft mit einem Juden würde eingelassen haben , so kam er darauf , durch die alte Jacobea , welche er zu ihm sandte , zu seinem Ziel zu gelangen . An dem Gastmahl in Nürnberg , an welchem der Ritter von Weyspriach die gehässigen Gesinnungen kennen lernte , welche die Hallerin gegen die Scheurlin hegte , hatte er von dieser im Interesse seines Freundes Streitberg mehr zu erfahren und sie mit zu seiner Bundesgenossin zu machen gesucht . Bei ihrem späteren Wiedersehen war zwischen ihnen ein Plan verabredet worden , eine von