; wenn du einmal zu uns kommst , wollen wir ' s wett machen . « So erwiderte Johannes . Er faßte sich mit beiden Händen an den Kopf und rief : » Herr Gott ! O Mutter , Mutter ! Was wirst Du dich freuen ! « » Geh hinauf , Barfüßele , und nimm deine Truhe gleich mit , es soll nichts mehr von dir im Haus sein , « befahl der Rodelbauer . » Ja wohl , und mit weniger Geschrei geschieht das auch , « erwiderte Johannes . » Komm ' , ich geh ' mit dir , Barfüßele , sag ' , wie heißt denn du eigentlich ? « » Amrei ! « » Ich hätt ' schon einmal eine Amrei haben sollen , das ist die Schmalzgräfin , und du bist meine Salzgräfin . Juchhe ! Jetzt komm ' , ich will auch deine Kammer sehen , wo du so lang gelebt hast ; jetzt kriegst du ein weitmächtiges großes Haus . « Der Hund ging immer mit borstig aufstehenden Rückenhaaren um den Rodelbauer herum , er merkte wohl , daß der Rodelbauer eigentlich gern den Johannes erwürgt hätte ; und erst als Johannes und Barfüßele die Treppe hinauf waren , ging der Hund ihnen nach . Johannes ließ die Kiste stehen , weil er sie nicht auf ' s Pferd nehmen , konnte und packte alle Habseligkeiten Barfüßeles in den Sack , den sie noch vom Vater ererbt hatte und Barfüßele erzählte dabei durcheinander , was der Sack schon Alles mitgemacht habe und die ganze Welt drängte sich zusammen in eine Minute und war ein tausendjähriges Wunder . Barfüßele sah staunend drein als Johannes ihr Schreibebuch aus der Kindheit mit Freude begrüßte und dabei rief : » Das bring ' ich meiner Mutter , das hat sie geahnt ; es giebt noch Wunder in der Welt . « Barfüßele fragte nicht weiter danach . War denn nicht Alles ein Wunder , was mit ihr geschah ? Und als wüßte sie , daß die Rosel alsbald die Blumen ausreißen und auf die Straße werfen würde , so fuhr sie noch einmal mit der Hand über die Pflanzen alle hin , sie kühlten ihre Hand mit Nachtthau , und jetzt ging sie mit dem Johannes hinab und eben als sie das Haus verlassen wollte , drückte ihr noch Jemand im Finstern still die Hand ; es war die Bäuerin , die ihr so noch Lebewohl sagte . Auf der Schwelle rief noch Barfüßele , indem sie die Hand an der Thürpfoste hielt , an der sie so oft träumend gelehnt hatte : » Möge Gott diesem Hause alles Gute vergelten und alles Böse vergeben ! « Aber kaum war sie einige Schritte entfernt als sie rief : » Ach Gott , ich habe ja alle meine Schuhe vergessen ; die stehen oben auf dem Brett . « Und noch hatte sie diese Worte kaum ausgesprochen als wie nachtrabend die Schuhe von dem Fenster herabflogen auf die Straße . » Lauf ' drin zum Teufel ! « schrie eine Stimme aus dem Dachfenster . Die Stimme tönte tief und heiser , und doch war ' s die Rosel . Barfüßele las die Schuhe zusammen und trug sie mit Johannes , der den Sack auf dem Rücken hatte , nach dem Wirthshaus . Der Mond schien hell und im Dorfe war bereits Alles still . Barfüßele wollte nicht im Wirthshaus bleiben . » Und ich möchte am liebsten heut noch fort , « setzte Johannes hinzu . » Ich will bei der Marann ' bleiben , « entgegnete Barfüßele , » das ist mein Elternhaus , und du läßt mir deinen Hund . Gelt , du bleibst bei mir , Lux ? Ich fürchte , sie thun mir heute Nacht was an , wenn ich hier bleibe . « » Ich wach ' vor dem Haus , « entgegnete Johannes , » aber es wäre besser , wir gingen jetzt gleich ; was willst du denn noch hier ? « » Vor Allem muß ich noch zu der Marann ' . Sie hat Mutterstelle an mir vertreten und ich hab ' sie heute den ganzen Tag noch nicht gesehen und nichts für sie sorgen können , und sie ist noch krank dazu . Ach Gott , es ist hart , daß ich sie allein lassen muß . Aber was will ich machen ? Komm ' , geh mit zu ihr . « Sie gingen mit einander durch das schlafende mondbeschienene Dorf Hand in Hand . Nicht weit von dem Elternhause blieb Barfüßele stehen und sagte : » Siehst du ? Auf diesem Fleck da , da hat mir deine Mutter den Anhenker geschenkt und einen Kuß gegeben . « » So ? Und da hast noch einen und noch einen . « Selig umarmten sich die Liebenden . Der Vogelbeerbaum rauschte drein , und vom Wald her tönte Nachtigallenschlag . » So , jetzt ist ' s genug , nur noch den und dann gehst mit herein zur Marann ' . O lieber Gott im siebenten Himel ! Was wird die sich freuen ! « Sie gingen mit einander hinein in das Haus und als Barfüßele die Stubenthür öffnete , fiel eben wieder , wie damals der Sonnenstrahl , jetzt ein breiter Mondstrahl auf den Engel am Kachelofen , und er schien jetzt noch fröhlicher zu lachen und zu tanzen ; und jetzt rief Barfüßele mit mächtiger Stimme : » Marann ' ! Marann ' ! Wachet auf ! Marann ' , Glück und Segen ist da . Wachet auf ! « Die Alte richtete sich auf , der Mondstrahl fiel auf ihr Antlitz und ihren Hals , sie riß die Augen weit auf und fragte : » Was ist ? Was ist ? Wer ruft ? « » Freut Euch , da bring ' ich Euch meinen Johannes ! « » Meinen Johannes ! « schrie die Alte gellend . » Lieber Gott , meinen Johannes