. » So ? « rief sie , » das soll ihm noch als eine Tugend angerechnet werden , daß er den häuslichen Frieden untergraben hat und Hader angestiftet und hat seine ruchlose Hand gegen seine Mutter aufgehoben ? Und darob lobt man mir ihn ins Gesicht , wie wenn ich nicht die Frau im Haus mehr wär ? « » Still jetzt ! « rief der Sonnenwirt auf den Tisch schlagend , » ich hab genug an dem Neujahrsschmaus , will nicht auch noch einen Nachtisch dazu ! « Die Familie ging mit einem sauren Abschied auseinander . Der Sonnenwirt lehnte eine Einladung des Krämers ziemlich trocken ab , nahm seinen Hut und schloß sich im Weggehen dem Chirurgen an , der ihn ins Freie zu begleiten versprach . 11 Abends zur verabredeten Zeit traf Friedrich , mit Christinen zusammen . » Hat ' s was gegeben ? « fragte er . Sie verneinte es . » Bei mir hat ' s schon eingeschlagen ! « sagte er und erzählte ihr den Auftritt , den es über Mittag abgesetzt hatte , wobei er jedoch die grellen Farben desselben sehr zu mildern Sorge trug . Christine weinte und sagte : » Ich hab ' s wohl vorausgesehen , daß ich den Deinigen nicht recht sein werd . Ach Frieder , wie wird ' s mir gehen ? Da liegen viel Berg und Täler dazwischen , bis wir zwei zusammenkommen . « » Reut ' s dich ? « fragte er . » Mich reut ' s nicht . « » Solang du so gegen mich bist , wie jetzt , reut ' s mich auch nicht . Aber wir werden eben viel zu leiden haben miteinander , das gibt schon der Anfang . Es ist kein gut ' s Zeichen , daß es uns gleich am ersten Tag so hinderlich gehen muß . Ich möcht nur auch wissen , was für ein Neidhammel uns bei deiner Mutter verraten hat . « » Das möcht ich auch herausbringen « , sagte er . » Hat dich vielleicht einer von den ledigen Buben gesehen gestern nacht , wie du den Brief ins Beckenhaus tragen hast ? « » Mit deinen ledigen Buben ! « spottete sie . » Du meinst immer , das ganz ledig Mannsvolk sei hinter mir auf dem Strich . « » Ich sag ' s nicht aus Eifersucht « , entgegnete er . » Aber es ist ja wohl möglich , daß dich einer auskundschaftet hat und hat dich vielleicht mit mir reden sehen . Du sagst ja selber , der Neid werd ihn getrieben haben . « » Ich bin keinem begegnet « , sagte Christine , » und wenn mich je einer gesehen hätt , hätt er mich nicht erkannt , so flink bin ich gewesen . Nur einer fällt mir ein , der hat mir ins Gesicht gesehen und könnt mich möglicherweis erkannt haben . Den rechnet man aber kaum zu den ledigen Buben , und er wird dich nicht eifersüchtig machen . Der Fischerhanne ist ' s gewesen ; der ist vor seinem Haus gestanden und hat , scheint ' s , auf das Schießen gehorcht , hat aber dabei geschnattert vor Kälte . « » Der Fischerhanne ! « rief Friedrich . » Jetzt weiß ich , wo ich dran bin . Der weißblütig Neidteufel hat mich von jeher verfolgt . Da ist gar kein Zweifel , der ist dir gestern nacht nachgeschlichen - wenn ihn nur der Mordschlag troffen hätt ! - und hat auch heut meinem Gang nachgeforscht . Dem möcht ich jetzt für die zerbrochene Scheib eins von seinen Gesichtsfenstern ausstoßen oder ein Eck von seinem siebeneckigen Kopf wegschlagen . « » Nein , du wilder , gewalttätiger Bub ! « sagte Christine , » laß du ihn lieber in Frieden , sonst würdest nur aus Übel Ärger machen . « » Es ist auch wahr « , erwiderte er . » Und zudem , seit du mein bist , ist mir ' s so wohl , daß ich der ganzen Welt in Fried und Freundschaft die Hand geben möcht . Ich muß mich eigentlich zwingen , dem Fischerhanne gram zu sein , wie er ' s ja doch verdient . Auch meinem Vater hab ich heut kein bös Wort geben können , wiewohl ' s nicht recht von ihm ist , daß er sich gegen unser Verhältnis hat einnehmen lassen und hat mich gar nicht anhören wollen . « » Bleib du immer so « , sagte Christine , » und wie du lieb gegen mich bist , so sei ' s auch gegen deine Nebenmenschen . Wir müssen die Hindernisse , die man uns in den Weg wirft , durch Liebe zu überwinden suchen . « » Aber dem Racker tu ich doch noch einmal einen Tuck « , bemerkte Friedrich . » Es gibt Menschen , mit denen man in Liebe und Güte nicht fertig wird , sonst fressen sie einen aufm Sauerkraut . « » Du solltest eher auf das denken , wie du ihn gewinnst , damit er uns nicht weiter verschwätzt . « » Dafür ist schon gesorgt : meine Frau Mutter hat zu verstehen gegeben , sie hab ihn abgefunden , damit er dem Pfarrer nichts zutrage . Der schreit schon , wenn einer am Sonntag eine Bettlad anstreicht . Wie würd er erst einen Lärm machen , wenn er erführe , was wir für einen Gottesdienst miteinander gehalten haben . « » Red doch nicht so gottlos heraus ! « unterbrach ihn Christine . » Es ist ja eine Sünd und eine Schand , wie du schwätzt ! « » Was ? Wenn ein Bub sein Mädle in Arm nimmt , die unser Herrgott füreinander geschaffen hat ? Da müßtest du ja Reu und Leid tragen für jeden Kuß , den du mir heut unter der Kirch geben hast ! « » Ach , Gott verzeih mir ' s ! Ich hab